Ich denke, prinzipiell liegt der verstärkte Nord-Süd-Strom an dem - sicherlich bei vielen nur unterbewussten - schönen romantisch-verklärten Gedanken, wie der olle Goethe dabei einfach mal alles stehen und liegen zu lassen und sich aus eigener Kraft in das Land, "in dem die Zitronen blüh'n" zu begeben. Und auch, wer keine literarische Ader hat - sind wir mal ehrlich: "Ich bin mit dem Rad nach Italien gefahren" klingt einfach viel besser als "Ich bin von Italien aus mit dem Rad heimgefahren".
Nun, der olle Goethe ist zunächst mal über den Brenner nach Italien und hat hier im Forum nicht nach Alternativen wie der VCA nachgefragt. Zudem musste der olle Goethe auch wieder zurück, weil Bahn und Flug ausgebucht waren.

Dabei vertraute er sich der Route des Mailänder Boten über den Splügenpass an. Ob in Berlusconi-Zeiten der deutsche Intellektuelle noch mit soviel Verklärung die Zitronenblüten im Süden gesucht hätte, muss man auch mal dahingestellt lassen.
Historisch gesehen ist die Via Claudia Augusta ja eher eine Süd-Nord-Straße - nämlich eine Kaiserstraße des alten Roms zu den barbarischen Stämmen im exotischen Norden. Um das Nachzuempfinden müsste man also von Süden anfahren - mit Toga oder römischen Militärröcken aus dem genussträchtigem Weinland des Trentino und Alto Adige heraus, wo der Rebensaft aus edlen, fein geschliffenen Tonkrügen geschlürft wird, in die herbe Lederhosenwelt der Bajowaren eindringen, wo man aus globigen Steinkrügen schäumende Getreidesäure mit wildem, unverständlichem Geschrei besinnungslos in die Kehlen kippt.
