Nach dei Tagen in der Pampa, in denen es auch reichlich Wasserschwein, Aligatoren und Krokodile zu sehen gab, habe ich am Mittwoch noch einen Tag in Rurrenabaque entspannt und mir ein wenig die Umgebung angesehen. Am Mittwoch war einer der vielen Feiertage, die es hier in Bolivien so gibt, und auf der anderen Flussseite wurde in San Buenaventura ein grosses Fest mit viel Knallerei und Kostuemen abgehalten.
Am Donnerstag ging es dann zurueck nach La Paz. Soll heissen: Um 6 Uhr aufstehen, sachen packen, um 7 Uhr 30 einschecken und kurz vor 10 der Transport zum Flugplatz. Um etwa 10 Uhr ging dann der 8-Uhr-Flug nach La Paz ab. Bolivianische Puenktlichkeit eben, aber das war nun wirklich nichts ueberraschendes mehr. Toll war, dass mein Rad in der militaerischen Transportmschine (das Militaer verdient sich hier mit Passagieren ein kleines Zubrot) einfach in den Gepaeckraum zwischen Cockpit und Passagierkabine gstellt wurde. Kurz angemerkt hat Jan uebrigens seine "
Rad im Flieger "-Homepage nach meinen Daten ein wenig aktualisiert...
Nach dem Start auf der kleinen Dschungelpiste ging es dann in Richtung La Paz, wo dann im Anflug noch einige Turbulenzen den Flieger nett durchgeschuettelt haben.
Vom Airport ging es dann durch El Alto mit dem Rad wieder einmal die Autobahn nach La Paz hinab. Ich habe leider viel zu spaet gemerkt, dass sich aufgrund der duennen Luft die Flaschen in meinem Gepaeck ziemlich aufgeblaeht haben und die ein oder andere auch schon ausgelaufen ist.
Die Suche nach einem bestimmten Hotel, in dem gestern Freunde angekommen sind, hat sich dann auch noch ziemlich in die Laenge gezogen. Wie es bei Bolivianern so ist, beschreiben sie einem gerne den Weg. Das heisst dann aber noch lange nicht, dass diese Beschreibung oder Richtungsweisung richtig ist. In zwei Stunden kraftzehrender Fahrt hin und her durch die steilen Gassen der Innenstadt habe ich bestimmt 20 Leute nach dem Weg gefragt und 20 unterschiedliche Antworten bekommen! Der Hoehepunkt war die Polizeistation 30 Meter vom Hotel entfernt - da hat man mich dann auch wieder kurz vorm ziel woanders hin geschickt. Rausgefunden habe ich die richtig Adresse dann im Netzcafe im Internet! Am Ende haette ich am liebsten nur noch jeden getreten... Hinzu kam noch, dass ich beim schnellen Wechsel vom 200 Meter hoch gelegenen Rurrenabaque in das 4000 Meter hohe La Paz doch zimlich mit der Hoehenkrankheit zu kaempfen hatte. Dazwischen kam dann noch ein Brasilianer vom brasilianischen Fernsehen, der von mir unbedingt ein Interview haben wollte, und ganz hin -und weg war, weil er endlich mal einen Reiseradler fuer seine La Paz-Dokumentation gefunden hat...
Ja, und abends ging es dann noch mit Donat und Sindy aus Dresden ins Kino: Terminator 3 gucken. In englisch mit spanischem Untertitel. Das Tolle war, dass wir den Film auch noch vor dem Kinobesuch (der 22 Bolivianos gekostet hat), 300 Meter vor dem Kino fuer 15 Bolivianos auf der Strasse als DVD haetten kaufen koennen...
Heute habe ich mir dann noch in Ruhe die Stadt angesehen und meine lange ersehnten Magura-Bremskloetze sind auch endlich in der deutschen Botschaft angekommen. Ich habe mich dann noch im laufe des Tages mit Klamotten aus Alpkawolle eingdeckt und einige CDs gekauft. Der CD-Laden war auch lustig. Habe die ganze Zeit mit der Verkaeuferin ueber Gott und die Welt geredet, Musik gehoert und Postkarten angesehen. Zu den gekauften CDs habe ich dann noch eine Panfloete als Geschenk bekommen. Und waehrend wir so redeten, kam auch die Haustaube zu ihrem taeglichen Besuch vorbei. Lustig. Diese Tiere leben hier noch mehr auf dem Boden als bei uns, da sie bei der duennen Luft nicht gerade flink im Fliegen sind.
Am Abend wollte ich mir dann noch von El Alto aus den Sonnenuntgang ueber La Paz ansehen. Bin also mit einem der kleinen Minibusse dort hoch gefahren und habe mir durch die Gassen der Slums (die hier allerdings aus fest gemauerten Haeusern bestehen) einen schoenen Platz mit Aussicht auf die Hauptstadt gesucht. Dumm ist nur, dass ich mir nach den vielen positiven Erfahrungen hier in Bolivien gar nicht bewusst gemacht habe, dass El Alto (aermste Stadt Boliviens mit 80% Arbeitslosigkeit) fuer Fussgaenger nicht gerade das sicherste Pflaster ist. Mit dem Fahrrad war es ja nie das Problem, aber heute werde ich gleich von einem seltsamen Mann angesprochen, dass ich im doch bitte Geld fuer Tequila geben solle. Klar habe ich verneint. Wieso auch? Und erst recht nicht fuer Tequila. Die Aussicht war sowieso nicht so toll und ich bin dann gegangen, mit diesem Idioten im Schlepptau. Waehrnd ich ruhig zur Hauptstrasse mit Taxis und Collectivos gegangen bin, hat er die ganze Zeit gedraengelt und bagann dann sogar an meiner Hand zu zerren, die ich die ganze Zeit in der linken Tasche hatte. Dumm nur, dass das Portemonaie bei mir rechts liegt und ich links nur die Kameraabdeckung hatte. Dabei hat sich eine ziemliche Wut bei mir ueber dieses riesen

breit gemacht. Am liebsten haette ich ihn nur plattgeschlagen, womit er sicher nicht gerechnet haette. Allerdings habe ich bei seiner Dreistigkeit schon fest mit einem locker in der Tasche sitzenden Messer gerechnet und vor einem heimlichen Komplizen ist man leider auch nie ganz gefeilt. Der Idiot war dann noch domm genug, die ganze Zeit auf meine Kommentare und ein Gespraech einzugehen ohne es zu was kommen zu lassen. Ausserdem waren wir die ganze Zeit von anderen Menschen umgeben. Zwischendurch verliere ich noch "zufaellig" meine Discman-Tasche, die er mir grosszuegig hinterhertraegt - nur um dann noch dreister zu werden, weil ich ihm immer noch kein Geld geben will. Ich muss mich echt beherrschen. Ich steige dann in eines der Collectios (einen der Minibusse) ein und er folgt mir sogar bis dahin. Nach 50 Metern stockender Fahrt im dichten Verkehr habe ich die Schnauze voll und steige wieder aus - ohne in abzuwimmeln. Ein Taxi haelt keines fuer mich. Toll! Gerade jetzt!
Danach geht es so weit, dass ich seine Hand flink in seine Tasche gleiten sehe. Messe oder Pistole? Egal. Was ich nicht sehe, kann mich nicht beeindrucken. Ich drehe mich um und gehe zum naechsten Collectivo, wo ich mehr Glueck habe. Die Passagiere und der zweite Fahrer setzen sich dafuer ein, dass er doch bitte den Wagen verlassen soll, da er ja sowieso nichts bezahlt. Er weigert sich strickt und auch Zerren an seinem Hemd bringt nichts. Ich bin kurz davor ihn rauszutreten. Der Fahrer stoppt dann mit offener Tuer vor zwei Polizisten und ziemlich flink verlaesst der Idiot dann von alleine den Wagen. Allerings nicht, ohne vorher noch eine Seitenscheibe fast kaputt zu schlagen.
Also nicht gerade ein positives Ereignis. Allerings hat der Einsatz der anderen Menschen hier gezeigt, dass sich so ein Betrueger und Dieb sogar hier im aermsten Teil Boliviens (Bolivien liegt bei den "reichsten" Landern auf Platz 114!) auf ziemlich verlorenem Posten ist. Mord und Totschlag hat demnach also viel weniger mit der Armut der Menschen zu tun, als mit ihrer Mentalitaet. Und von der Mentalitaet der Bolivianer bin ich in dieser Hinsichtecht begeistert!
Ich lasse mich danach noch mit einem ueber 20 Jahre alten Taxi zu einem schoeneren Aussichtspunkt fahren. Dort arbeiten gerade zwei Bauarbeiter an einem Haeusle und sie fordern mich bereitwillig auf, doch ein Foto von ihnen zu machen. Ich biete ihnen daraufhin an, dass ich es ihnen doch zuschicken kann. Und mangels Alternativen geben sie mir die Adresse ihrer Kirche und kommen gleich aufs Thema. Ich wuerde doch wohl an Christus glauben, oder? Was sie mehr als einmal fragen. Denn er sei schliesslich der einzeige, absolut der einzige Prophet! Mit den Leuten hier kann man darueber sowiesi nur sehr begrenzt diskutieren und ich stimme zu. Natuerlich finde ich auch die evangelische Kirche ganz toll, zu deren sehr kleinen Gemeinde sich die beiden hier in La Paz zaehlen...
Und waehrend ich noch so auf die Stadt hinabblicke, wundere ich mich, dass nur die Innenstadt und naehere Umgebung beleuchtet sind. Und als es ganz dunkel wird, sehe ich ploetzlich in der ganzen Hauptstadt Boliviens die Lichter der Stadtteile Stueck fuer Stueck erloeschen... Interessant...
Die Menschen im Kleinbus zurueck in die Stadt erzaehlen mir, dass dies der erste Stromausfall ueberhaupt sei - oder zumindest seit Jahren! So ganz kann das nicht stimmen. Ueberall sind innerhalb kuerzester Zeit Kerzen hervorgezaubert worden und die ganze Stadt wird von ihnen beleuchtet. Nur die Autos liefern zusaetzliches Licht. Die Fernsehnachrichten bekommen sich nach der Rueckkehr des Stromes gar nicht mehr ein und berichten mit grosser Schlagzeile: "La Paz 47 Minuten ohne Strom". Die Rueckkehr des Stromes merkt man ganz schnell. Die Handys fangen wieder an zu piepen...
Und warum es mit den "Jahren ohne Stromausfall" nicht so ganz stimmen kann: Aus anderer Quelle habe ich ghoert, dass der jetzige Praesident seine Wahl einem Stromausfall verdankt. Um 6 Uhr viel am Wahltag der Strom aus. Zu dieser Zeit hatten noch nicht viele Leute gewaehlt und alle Wahlcomputer stuerzten ab. Man hat danach einfach den einfachsten Weg genommen. Man nahm die bisher ausgewerteten Stimmen bis zum Computerabsturz und der jetzige Praesident wurde Praesident.
Na, dann gute Nacht...
Sasa