Habe auf meiner letzten großen Tour einen freakigen Tüftler im Schweizer Rheintal getroffen. Er hatte sich ein Klappsegel aufs Rad montiert. Im Grunde nur eine Halterung vorne am Steuerrohr mit einem vielleicht 1,5m langen und für Gegenwind umklappbaren Mast mit einem simplen Dreiecksegel. Mangels Rückenwind und bei Nieselregen konnte mich sein Vortrieb jedoch nicht so ganz überzeugen. Und seine Sitzhaltung sah auf jeden Fall recht gefährlich aus.
Er erzählte mir dann irgendwas von wegen schon in den fünfziger Jahren auf diese Art duch Frankreich "gesegelt zu sein". Da ich ihn unter seinem Helm, mit riesiger dunkler Sonnenbrille, bunten Fahrradklamotten und Vollbart so auf vielleicht Ende fünfzig geschätzt hatte, wollte ich dem nicht so ganz glauben.
Da er recht redselig war, erfuhr ich jedoch auch bald, das er 81 Jahre alt war.
Und genau das ist das Schöne an Radtouren: Man trifft immer wieder auf "schräge Vögel", denen man sonst vielleicht nie Gehör schenken würde.