Vorwort:Nachdem letztes Jahr wegen Corona die Radreise ins Wasser gefallen ist, sollte es dieses Jahr wieder los gehen. Aber auch hier gestaltete es sich schwierig. Im Frühjahr war die Lage auch noch nicht soweit in Ordnung um wieder zu starten. Dann wollte ich zu einer Tour durch die Berge im Sommer aufbrechen. 2 Mal musste ich diese bereits vor dem Start wieder abbrechen wegen schlechtem Wetter. Blieb nur noch auf den Herbst zu hoffen und als grobes Ziel peilte ich die Toskana an. Hier wollte ich dann die Graveltour des zugehörigen Rennens welches immer im Frühjahr stattfindet nachradeln. Der Knackpunkt war hier jedoch die An und Abreise mit dem Zug, die mal locker 2 bis 3 Tage in Anspruch genommen hätte von einer Woche Radurlaub. Somit habe ich alles übern Haufen geworfen und einfach neu geplant mit dem Ziel bei Bologna zu starten und in Florenz aufzuhören und eben mit dem Auto an und abzureisen.
Extrem bitter folgte dann 12 Tage vor Beginn der Radreise, die nächste Hiobsbotschaft. Obwohl unser Hund nun doch schon ein sehr rüstiger Rentner war, mussten wir unerwartet innerhalb 2 Tagen die schwere Entscheidung treffen, sie einschläfern zu lassen. Der ein oder andere hier vom Outdoorseiten Forum kennt sie von der ein oder anderen Forumstour die ich durch die Berge immer organisiert habe.


Zu allem Überfluss kam am selben Wochenende noch die Nachricht, das der Radreisende Iohan Gueorguiev dem ich folge, sich auf Grund von schweren Schlafstörungen wohl das Leben genommen hat. Gerade seine Art und Weise die Menschen, Tiere und Landschaft in den Mittelpunkt seiner Reise zu stellen, seine teilweise verrückten Ideen und tollen im stärker werdenden Videos, haben sich doch stark von dem gewohnten Selbstdarstellungsbrei auf Youtube abgehoben und waren eine wahre Inspiration. Die Videos kann ich jedem nur empfehlen sich mal auf Youtube anzuschauen bzw. die die noch verfügbar sind. Wegen Copyright ist das ein oder andere schon verschwunden und leider auch über seine nun geschlossene Website nicht mehr abrufbar.
kurzer Nachruf Iohan Gueorguiev
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https://www.youtube.com/watch?v=9QGPBTf1Yys[/VIDEO]
ein kleiner Zusammenschnitt seiner über Jahre dauernden Reise
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https://www.youtube.com/watch?v=T84Gg_hKjZM[/VIDEO]
All das machten es schwer überhaupt los zu fahren bzw Freude daran zu haben. Am Ende muss es aber weiter gehen und man kann sich nicht zu Hause einschließen und somit entschloss ich mich, dann doch los zu fahren.
Tag 1:Anreise und weiter von Castelfranco Emilia nach MontecretoLänge: 83,6 km
Fahrzeit: 5:32 Stunden
Höhenmeter: 1490m
Route:
https://www.komoot.de/tour/525522344Nachts 2 Uhr klingelte der Wecker und halb 3 ging es dann über Garmisch Brenner nach Italien. Der Vorteil einer Nachtfahrt ist, das man wunderbar durch den Verkehr kommt, da es keinen gibt. Der Nachteil ist, das man übermüdet in den ersten Fahrradtag startet. 8:30 Uhr erreichte ich Castelfranco und stellte mein Auto bei einem Warmshower Mitglied ab. Schnell das Rad montiert und ab ging es Richtung Berge.Der Start am Morgen war doch reichlich kalt und gab einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Die ersten Kilometer habe ich mir entlang der Trails und Schotterwege am Fluss Panaro geplant. Diese sind wunderschön und in den Herbstfarben einfach toll zu radeln.



Unterbrochen wird der Flusstrail kurz von dem Örtchen Vignola


Nach 34 km erfolgt der erste kräftige Anstieg in den Sassi Regional Park. Die Karte sagte das man eigentlich auch getrost ohne Umweg und Berge gerade aus am Fluss fahren kann. Doch der Umweg und die Höhenmeter haben sich auf jeden Fall gelohnt. Einsamkeit, tolle Wege und eine super Aussicht belohnen einen für den Umweg.





Traumhafte Aussichten und ein schöner Pausenplatz

Ein ständiger Begleiter ab jetzt sind Wälder mit Esskastanien, die gerade reif zum Ernten sind.


Nach der Abfahrt zweige ich nach der Brücke bei Molino von der Hauptstraße auf eine kleine Nebenstraße ab und der letzte große Aufstieg nach Montecreto beginnt. Die Müdigkeit macht sich dann doch bemerkbar und so lege ich im Aufstieg eine kleine Siesta in der noch warmen Nachmittagssonne ein.



Montecreto erreiche ich im letzten Sonnenlicht. Ein Kastanienfest scheint hier im vollen Gange zu sein, denn jeder ist mit dem Sammeln dieser beschäftigt.

Der Campingplatz liegt schon im Schatten und man merkt die 800 m über Null. Es ist schon verdammt frisch.Natürlich ist niemand anderes so verrückt und zeltet hier. Ein paar Reisemobile mit permanent laufender Gasheizung stehen hier und ansonsten wird in Mobil Homes übernachtet.
Mein neues Reisesetup

Die Pizzaria öffnet 19 Uhr und ich gönne mir Salat, Pizza, Saft und Espresso für ganze 15 €. Das sind mal ungewohnte Preise. 3G wird hier wie auch die restlichen Tage in Italien ziemlich ernst genommen. Ohne Green Pass und Maske keinen Zutritt in Restaurants. Auf dem Heimweg werden die Gebäude entsprechend angeleuchtet und ich verkrieche mich bei gefühlter Eiseskälte schnell in mein Zelt und Schlafsack
