Eigentlich sind drei Tage ein bisschen kurz für einen Reisebericht. Da diese Tour sich wie eine richtige Radreise angefühlt hat, durchs Dezemberwetter eher noch ein bisschen intensiver, stelle ich sie hier trotzdem ein
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Ich hatte also Lust auf eine Winter-Tour, und 3 Tage Zeit dafür. Da es nur 8 Stunden Tageslicht gab und Pausen im Freien bei den Temperaturen nicht recht Spaß machen, habe ich mir eine Gegend gesucht, wo man auch im Dezember sehr gut von einer Einkehr zur nächsten fahren kann: Franken. Nachdem ich meine bisherigen Touren angeschaut habe, ist ein Plan für eine mir noch weitestgehend unbekannte Runde schnell gemacht: Start und Ziel sind Bamberg und Nürnberg, die sich mit dem ICE gut erreichen lassen. Um die Jahreszeit ist eine Fahrradmitnahme im ICE kein Problem. Die Route soll dann von Bamberg aus am Main entlang bis Hassfurt führen, über Gerolzhofen und Volkach eine Main-Schleife abkürzen, dann am Main bis ins mir noch unbekannte Kitzingen führen, über einen Höhenzug ins Tauber-Tal gehen, durch Rothenburg ob der Tauber nach Dinkelsbühl führen und wenn möglich noch Nördlingen erreichen, bevor ich nach Nürnberg zum Endpunkt durchfahre. In der Summe ein bisschen mehr als 300km, mit vielen Kleinstädten unterwegs, die sich für Pausen eignen, und mit einer hohen Dichte an Sehenswürdigkeiten auf dem Wege, um die kürzen Radeletappen auszugleichen.
09.12.2022: Bamberg - Kitzingen
Bamberg kenne ich. Zielsicher steuere ich das hübsch bemalte Alte Rathaus auf der Oberen Brücke hinter dem Obstmarkt an.
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Dann geht es erst nach Plan am Main-Radweg weiter. Es dauert ganze 9 km (ich habe nachgesehen!) bis mir der zu flach und zu langweilig ist
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Darum fahre ich ab Trunstadt (Wieso heißt das winzige Dorf "Stadt"?) in den Steigerwald, Richtung Kotzmühle (Wieso heißt ... ach, vergessen wir's
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Ab da folge ich dem Aurach-Tal an unzähligen Fischteichen vorbei bis zur Aurach-Quelle. Hier war ich noch nicht. Es ist eine andere Aurach als die wesentlich größere, an der Herzogenaurach liegt. Das bekomme ich aber erst hinterher mit, und wundere mich über die mickrige Quelleneinfassung tief im Wald am Ende eines schlammigen Trampelpfades
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Drei oder vier Braureien später (leider um die Uhrzeit alle geschlossen) erreiche ich die Burgruine Zabelstein mit einem schönen und praktisch nagelneuen Aussichtsturm.
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Man hat hier einen tollen Blick über den Westrand des Steigerwalds. Was man am rechts am Horizont absolut nicht im Dunst erkennen kann ist Volkach, mein nächstes Ziel. Mein Thermometer erzählt mir etwas von 2 Grad. Zum Glück ist es fast windstill. Ich friere wie ein Schneider, nachdem ich hier mit durchgeschwitzten Klamotten angehalten habe.
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Durch Volkach bin ich ich schon vier- oder fünfmal durchgekommen; das ist eine meiners Lieblingsstädtchen am Main.
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Einer der Gründe dafür ist das Hinterhöfle, mit tollen fränkischen Gerichten und einer Auswahl an Weinen und Bieren aus 15km Umkreis. Mir gefällt es hier sehr gut, aber nach Leberknödelsuppe, Schäuferla und heißen Zimt-Zwetschgen passt leider nichts mehr rein. Es ist nun 14 Uhr durch -- ich buche darum ein Hotel in Kitzingen, etwa 30km weiter.
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Von den seltsam verächtlichen Blicken einer Katze verfolgt, fahre ich mit einer Abkürzung am schon bekannten Main-Kanal entlang weiter bis Kitzingen, meinem Tagesziel, das ich kurz nach Sonnenuntergang erreiche.
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Es hat sich bewährt, Übernachtungen an Orten zu buchen, die eine schöne Altstadt haben, damit man sich nach dem Abendessen noch etwas anschauen kann. Wobei mein Abendessen (Ziegenkäse mit Honig-Kruste und Walnüssen sowie Karpfen mit fränkischen Kartoffelsalat) auch einen Verdauungsspaziergang nahelegte. Kitzingen hat nach eigenen Angaben die größte Adventskerze Bayerns, den Turm in der Bildmitte. Außerdem einen süßen kleinen Weihnachtsmarkt mit lauter Ständen von kleinen regionalen Anbietern. Gefällt mir wirklich gut hier!
97km und 670 Höhenmeter, Maximalhöhe 488m, 0 bis 2 Grad, bedeckt und windstill10.12.2022: Kitzingen - Dinkelsbühl
Der Tag startet mit -2 Grad und bedeckt. Beim Fotografieren an der Main-Promenade von Kitzingen mache ich erst einmal einen ungeplanten Spagat. Offenbar sind meine Winterstiefel wesentlich rutschiger als meine Fahrradreifen
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Die Gegend zwischen dem Main-Tal und dem Taubertal ist landschaftlich wunderschön, aber auch sehr verlassen. Es war gestern eine gute Idee, nicht mehr weiter zu fahren, sondern in Kitzingen zu übernachten.
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Ab Aub lande ich auf dem Gaubahn-Radweg, der praktisch direkt oberhalb des Taubertals in Bieberehren herauskommt.
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Es ist 12 Uhr, ich habe Hunger, und befürchte größere Menschenmassen in Rothenburg. Also kehre ich in die erste Gastwirtschaft ein, die mir unterkommt. Die knusprige, ausgelöste halbe Ente im Hirschen in Creglingen war super! Desgleichen die gut gelaunte Gastwirtin
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Von Creglingen bis Rothenburg sinds noch ungefähr 20km durchs schöne Taubertal. Der Radweg ist gut angelegt und macht Spaß -- im Moment bin ich hier aber allein, und werde nur einmal von einem Trecker überholt.
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Die Wirtin vom Hirschen meinte, heute wäre in Rothenburg nicht allzuviel los, weil die Franken Samstag Mittag alle ihre Autos waschen und ihre Wohnungen putzen
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Touristengewühl hin oder hier, ein Schneeball in Rothenburg muss sein!
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Der Weg nach Schillingsfürst hinauf und dann durchs Wörnitztal bis Dinkelsbühl herunter ist wieder landschaftlich reizvoll und sehr ruhig.
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Dinkelsbühl erreiche ich dann eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Der Blick über den gefrorenen Weiher aufs erleuchtete Rothenburger Tor ist toll!
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Dinkelsbühl selber gefällt mir sehr gut! Es ist zwar viel Betrieb, aber kein unangenehmes Gedränge wie in Rothenburg, und die Stadt selbst ist sehr malerisch. Nur warum hat man den Weihnachtsmarkt vor der Stadtmauer in eine kleine Grünanlage gequetscht, während die malerische Innenstadt zugeparkt ist, und sich die ganze Zeit Autos im Schrittempo durch die Altstadt schieben? Das konnte man in Kitzingen oder Rothenburg besser.
106km und 950 Höhenmeter, Maximalhöhe 511m, -2 bis 0 Grad, bedeckt bis sonnig, windstillDinkelsbühl - Nürnberg
Weil man den Schlüssel zum Hoftor verloren hat, wird mein Rad heute morgen erst mal durch die Hotelküche getragen
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Am Abend will ich in Nürnberg in den Zug nach Hause steigen. Das heißt, ich muss Richtung Nürnberg aufbrechen, und Nördlingen für die nächste Tour aufsparen. Vorher drehe ich aber noch eine Runde durch Dinkelsbühl. Wieder fallen die vielen PKW von außerhalb auf, die die schöne Altstadt zustellen.
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Es hat in der Nacht ein bisschen geschneit. Der wieder eher verlassene, aber landschaftlich sehr schöne Weg über Dürrwangen, Burk und Bruck ist weiß.
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Mein erstes Ziel heute ist die Festung Lichtenau, die von den Nürnberger Burgherren gebaut wurde und lustigerweise tatsächlich aussieht wie die Nürnberger Burg. Leider im Winter geschlossen, aber hübsch.
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Es ist Mittag und ich habe Hunger. Ich bin wieder in Bier-Franken: Es gibt Bier aus dem Nachbardorf
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Auch die Gänsebrust ist sehr ansehnlich!
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Über Mittag ist Wind aufgekommen. Der Schnee fliegt bei -4 Grad fast waagerecht, als ich über Petersaurach und Rohr weiter Richtung Nürnberg fahre. Die Gegend ist weiterhin sehr schön, aber mir begegnen nun tatsächlich auch ein, zwei andere Radfahrer.
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Kurz vor Stein ist es immernoch so dörflich, dass die Hühner am Straßenrand pickern.
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Auf einem Hügelrücken kann ich Stein und Nürnberg schon sehen.
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Nürnberg erreicht! Auf dem Bild das Heilig-Geist-Spital. Der Christkindlesmarkt ist mir an einem Sonntag Nachmittag zu überlaufen. Ich trinke noch ein Lederer in einer Bar, und mache mich auf den Weg zum Bahnhof.
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Die DB machts wieder abenteuerlich, mit einem Ersatzzug ohne richtiges Fahrradabteil und diversen technischen Problemen. Bin ganz froh, als ich Leipzig erreiche
104km und 730 Höhenmeter, Maximalhöhe 494m, -4 bis -3 Grad, bedeckt oder Schneetreiben, windigAbschlussIch bin an 3 Tagen ca. 300km und 2500 Höhenmeter gefahren, bei Temperaturen knapp über oder unter 0. Zum Radfahren war das gar nicht so schlecht. Der Schnee rutscht einfach an der Kleidung herunter. Das ist wesentlich angenehmer zum fahren, als längere Zeit in Regenklamotten zu schwitzen. Mit den Hotels hatte ich Glück und war sehr zufrieden. Dass Rothenburg und Nürnberg am Wochenende zum Weihnachtsmarkt völlig überfüllt sind, war keine Überraschung. Dass Kitzingen und Dinkelsbühl wunderschön sind dagegen schon! Besonders das hier doch recht unbekannte Dinkelsbühl braucht sich hinter Rothenburg nicht zu verstecken. Die wunderschöne Altstadt mit der Stadtmauer, den vielen Stadttoren und Wehrtürmen, und die vielen tollen Restaurants werden mich bestimmt nochmal dorthin führen. Nördlingen steht ja auch noch aus
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In der Summe eine Tour, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Franken geht immer!