Re: Germans Cycles, das wars

Posted by: Banshee

Re: Germans Cycles, das wars - 07/05/12 09:56 PM

Es ist ja nicht falsch was hier so geschrieben steht. aber einige Dinge finde ich zu übertrieben oder isoliert dargestellt.

Das Thema Lagerhaltung, Zahlungsziel, Vorjahresmodelle, Abschreibungen etc. gibt es in jeder Branche und gab es schon immer. Das nennt man kurz und knapp unternehmerisches Risiko. Klingt hart, ist aber so auf den Punkt gebracht. Die Bedingungen mögen sich verschärft haben aber grundsätzlich ist die Thematik die gleiche geblieben.
Firmenpleiten gab es auch schon immer. Liegt an den unerschiedlichsten Dingen aber ein neues Phänomen ist das nicht.

Wenn man Waren anbietet, die nicht häufig genug verkauft werden, ist doch nicht immer der Kunde daran schuld.

Und mal ehrlich: Wer hätte vor 2002 5.000 oder mehr DM für ein Fahrrad ausgegeben und evtl. noch gesagt "das war günstig"? An der fehlenden Bereitschaft Geld auszugeben kann es nicht immer und überall liegen. Gerade für Hobbies wird, so vermute ich wenn ich mich umsehe und umhöre, mehr Geld als je zuvor ausgegeben.

Vor 15-20 Jahren war man mit einem hochwertigen Rad oft allein auf dem Radweg, heute trifft man auf frequentierten Strecken weit mehr Radler als früher und die Mehrzahl auf Rädern ab der mittleren Preisklasse aufwärts. Noch dazu ist die Mehrzahl der Radler in Radbekleidung mit Helm & Co. unterwegs. Früher in Jeans und T-Shirt. Wo fehlt da bitte die Bereitschaft oder gar die Möglichkeit Geld auszugeben? Natürlich gibt es Menschen die sich verschiedene Dinge nicht leisten können, obwohl sie arbeiten. Das ist aber auch kein neues Phänomen. Heute ist der Konsum einfach nur viel stärker ausgeprägt, z.B. durch riesige Flachbildschirme, leistungsstarke Surroundanlagen, Computer, Smartphones usw. Früher hat man sein Telefon oder den Fernseher oft so lange benutzt, bis es / er kaputt war.

Ich denke es handelt sich häufig einfach um jammern auf extrem hohen Niveau. Und so sehe ich das auch mit Radgeschäften und Herstellern. Zumindest in meiner Stadt gibt es mehr Radgeschäfte als je zuvor. Und die kleinen feinen Rahmenbauer (z.B. Krabo) gibt es immer noch. Nur dass man dort eben vieles selbst bestimmen kann und viele Sonderwünsche möglich sind. Wenn natürlich jemand versucht fertig konfektionierte Kleinserienware im gleichen Preissegment wie ein eigenständiger und damit flexiblerer Rahmenbauer anzubieten,
dann kann es natürlich passieren, dass sich die Kunden in zwei Richtungen verabschieden:
1. Billiger (Stichwort Aldisierung / Geiz ist geil), weil man den Mehrnutzen nicht sieht
2. Besseres Preisleistungsverhältnis -> Individuelles Rad auf Maß / Kundenwunsch vom Rahmenbauer für den gleichen oder etwas höheren Preis, weil man dort einen wirklichen Mehrnutzen bekommt.

Und dann gibt es noch die Marktsättigung. Das ist auch ein bekanntes Phänomen und wird in BWL in einer der ersten Vorlesungen zusammen mit dem Konjunkturkreislauf gelehrt.

Und damit sich jetzt niemand auf den Schlips getreten fühlt: Ich finde es auch schade wenn es ein Geschäft trifft und dieses schließen muss. Ich wehre mich aber gegen das zum Teil Geschriebene, das die Kunden schuld sind (schlechte Zahlungsmoral ausgenommen). Bei all den Radläden die ich kenne, die schließen mussten, habe ich mich nur bei einem gewundert und es auch bitter bedauert. Denn dort war alles erstklassig. Diesem Laden habe ich 4 Kunden vermittelt und selbst ein hochwertiges Rennrad und viel Zubehör dort gekauft. Bei allen anderen Läden hat es mich bei deren Service und Umgang mit dem Kunden nicht gewundert.