Posted by: eld0n
Ein Rad für Südamerika: Technikfragen - 02/08/14 09:18 AM
Liebe Gemeinde,
es ist soweit - ein Traum wird wahr. Von Juli bis einschließlich September werde ich mit dem Rad von Rio über Buenos Aires und Santiago nach Lima.
Nachdem ich das Ganze mit meiner Arbeitsstelle durchgesprochen habe, nimmt das Projekt Formen an und ich kann mich den angenehmen Seiten der Planung widmen: dem richtigen Rad für den Einsatzzweck, und dem richtigen Equipment für Rad und Reiter. Da setze ich auf euer Wissen und auf eure Erfahrung.
Ausgangslage
Es zeichnen sich insbesondere zwei Optionen ab: entweder nehme ich das, was ich bereits habe und schaue, wie ich damit durchkomme. Oder ich gönne mir zu dieser vermutlich einmaligen Gelegenheit etwas ganz Besonderes. Noch tendiere ich dazu, das Vorhandene zu nutzen, da ich vermutlich unterm Strich glücklicher bin, wenn ich mir zwischendurch nicht aufgrund knappen Budgets Dinge verkneifen muss, die ich so schnell nicht nachholen kann. Ersparnisse sind vorhanden, aber nicht unbegrenzt. Je weniger ich vor der Reise ausgebe, desto mehr kann ich mir währenddessen leisten - und da möchte ich möglichst keine Abstriche machen.
Vorhanden ist mein liebgewonnenes Reisevelo. Ein Villiger, vermutlich aus den 80ern, derzeit nicht ganz glücklich bestückt mit Moustache Bar und ner HS66. Mit dem Ding bin ich durch Spanien und in der Schweiz rumgegurkt und habe es immerhin an die Ostsee geschafft.
Zwei Dinge hindern mich daran, den Moustache einfach durch einen Randonneur zu ersetzen und das Ding in eine Kiste zu packen:
1. die Laufradgröße.
Angeblich gibt es in Südamerika fast ausschließlich 26"-Laufräder und dementsprechend nur reisetaugliches Zubehör dafür (Reifen, Felgen). Der eine oder andere hier ist dort ja schon mal unterwegs gewesen oder kennt jemanden, der dort war. Ist das völlig übertrieben oder halbwegs zutreffend? Ich möchte mir ungern irgendwo in der Pampa den letzten Mantel zerschlitzen und die 34km bis zum nächsten Dorf schiebend zurücklegen, um dort festzustellen, dass es (wenn überhaupt) nur Rennradmäntel gibt. Das ist mir in Spanien exakt so passiert, der dritte Radhändler in der (nicht kleinen) Stadt hatte dann nach hartnäckigem Nachfragen irgendwo tief im Lager Nokian-Cyclocrossreifen (eine nie abgeholte Kundenorder), die zum Glück bis zum Ende der Reise gute Dienste geleistet haben.
2. die Bremsen. Ein Rennlenker muss sein. Das Systemgewicht wird einigermaßen hoch sein: ich selbst wiege 90 kg, das Rad wird streng zu Gunsten der Haltbarkeit aufgebaut. Früher waren an dem Rad Cantibremsen. Die funktionierten überraschend gut, ich hatte aber Ärger mit dem an der Gabel immer außermittig verlaufenden Seilzug und nach dem Winter musste ich die Bremsen erst einmal runternehmen, weil sie auf den (großzügig gefetteten) Sockeln festgegammelt waren.
Was lag also näher, als auf Hydraulik umzusteigen? Mir fiel dann ein Satz HS66 in die Hände, die ich kurzerhand verbaut habe. Bis jetzt habe ich die Maguras nicht wirklich auf Herz und Nieren testen können, hier im Forum sind sie ja sehr beliebt. Ich finde sie miserabel einzustellen und die Bremsleistung ohne Brakebooster ist beschämend (die Verbiegung von Gabel und Rahmen nach außen hingegen ziemlich beeindruckend). Ich gehe aber davon aus, dass alle diese Probleme eher mit menschlichem Versagen begründbar sind
Entlüftet habe ich das gute Stück übrigens auch noch nicht. Doch ich schweife ab...
Es geht mir eher um die Grundsatzfrage: Seilzug oder Hydraulik? Bei einer Hydraulikbremse würde ich auf Stahlflexleitungen umsteigen, die einen Sturz und ähnliche Unbillen hoffentlich besser überstehen. Vorteile sind meines Erachtens: keine Züge, die einfrieren, verschmanden oder reißen können. Nachteil ist die schlechte Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Ein Bleed Kit mit Leitungen nimmt in der Packtasche zudem deutlich mehr Platz weg als ein paar Züge.
Dann möchte ich gleich eine weitere Grundsatzfrage anstoßen: Scheibe oder Felge? Den Rahmen müsste ich vor der Reise ohnehin neu lackieren lassen, warum also nicht gleich eine Schreibenbremsaufnahme dranbraten? An sich bin ich recht emotionslos, was die Bremstechnik angeht und komme mit Felgenbremsen gut zurecht. Aber ich frage mich, ob Scheibenbremse bei den klimatische Bedingungen im südamerikanischen Winter nicht sinnvoll wären. Zum einen nervt das bei Felgenbremsen während der Fahrt regelmäßig erforderliche Trockenbremsen (und das könnte im falschen Moment sogar sehr gefährlich werden). Zum anderen habe ich etwas Sorge wegen des Bremsbelagverschleißes - die vermutlich meist nassen und dreckigen Wege könnten zu einem extrem hohen Verschleiß an Felgenbremsbelägen führen. Wie denkt ihr darüber? Wenn Scheibenbremse, würde ich vermutlich gleich in die Vollen gehen und mir ein neumodisches hydraulisches System für Disccrosser zulegen. STIs wären nicht nötig, Lenkerendschalter finde ich großartig.
Alternativ besteht die Idee, mir einen weiteren Traum zu erfüllen und mir einen Maßrahmen braten zu lassen, der für die Reise mit 26"-Laufrädern bestückt wird. 26"x50mm-Reifen sollten ungefähr so hoch bauen wie 650b-Reifen in 42mm, damit hätte ich für Europa eine flotte langstreckentaugliche Option. Dann wären Scheibenbremsen natürlich gesetzt (oder ich nehme nutzlose Cantisockel in Kauf - damit könnte ich vermutlich gut leben).
So, erst einmal vielen Dank für eure Aufmerksamkeit - die wesentlichen Fragen habe ich für alle, die sich nicht durch den ganzen Text wühlen mögen, hervorgehoben
Ich freue mich auf die Diskussion!
es ist soweit - ein Traum wird wahr. Von Juli bis einschließlich September werde ich mit dem Rad von Rio über Buenos Aires und Santiago nach Lima.
Nachdem ich das Ganze mit meiner Arbeitsstelle durchgesprochen habe, nimmt das Projekt Formen an und ich kann mich den angenehmen Seiten der Planung widmen: dem richtigen Rad für den Einsatzzweck, und dem richtigen Equipment für Rad und Reiter. Da setze ich auf euer Wissen und auf eure Erfahrung.
Ausgangslage
Es zeichnen sich insbesondere zwei Optionen ab: entweder nehme ich das, was ich bereits habe und schaue, wie ich damit durchkomme. Oder ich gönne mir zu dieser vermutlich einmaligen Gelegenheit etwas ganz Besonderes. Noch tendiere ich dazu, das Vorhandene zu nutzen, da ich vermutlich unterm Strich glücklicher bin, wenn ich mir zwischendurch nicht aufgrund knappen Budgets Dinge verkneifen muss, die ich so schnell nicht nachholen kann. Ersparnisse sind vorhanden, aber nicht unbegrenzt. Je weniger ich vor der Reise ausgebe, desto mehr kann ich mir währenddessen leisten - und da möchte ich möglichst keine Abstriche machen.
Vorhanden ist mein liebgewonnenes Reisevelo. Ein Villiger, vermutlich aus den 80ern, derzeit nicht ganz glücklich bestückt mit Moustache Bar und ner HS66. Mit dem Ding bin ich durch Spanien und in der Schweiz rumgegurkt und habe es immerhin an die Ostsee geschafft.
Zwei Dinge hindern mich daran, den Moustache einfach durch einen Randonneur zu ersetzen und das Ding in eine Kiste zu packen:
1. die Laufradgröße.
Angeblich gibt es in Südamerika fast ausschließlich 26"-Laufräder und dementsprechend nur reisetaugliches Zubehör dafür (Reifen, Felgen). Der eine oder andere hier ist dort ja schon mal unterwegs gewesen oder kennt jemanden, der dort war. Ist das völlig übertrieben oder halbwegs zutreffend? Ich möchte mir ungern irgendwo in der Pampa den letzten Mantel zerschlitzen und die 34km bis zum nächsten Dorf schiebend zurücklegen, um dort festzustellen, dass es (wenn überhaupt) nur Rennradmäntel gibt. Das ist mir in Spanien exakt so passiert, der dritte Radhändler in der (nicht kleinen) Stadt hatte dann nach hartnäckigem Nachfragen irgendwo tief im Lager Nokian-Cyclocrossreifen (eine nie abgeholte Kundenorder), die zum Glück bis zum Ende der Reise gute Dienste geleistet haben.
2. die Bremsen. Ein Rennlenker muss sein. Das Systemgewicht wird einigermaßen hoch sein: ich selbst wiege 90 kg, das Rad wird streng zu Gunsten der Haltbarkeit aufgebaut. Früher waren an dem Rad Cantibremsen. Die funktionierten überraschend gut, ich hatte aber Ärger mit dem an der Gabel immer außermittig verlaufenden Seilzug und nach dem Winter musste ich die Bremsen erst einmal runternehmen, weil sie auf den (großzügig gefetteten) Sockeln festgegammelt waren.
Was lag also näher, als auf Hydraulik umzusteigen? Mir fiel dann ein Satz HS66 in die Hände, die ich kurzerhand verbaut habe. Bis jetzt habe ich die Maguras nicht wirklich auf Herz und Nieren testen können, hier im Forum sind sie ja sehr beliebt. Ich finde sie miserabel einzustellen und die Bremsleistung ohne Brakebooster ist beschämend (die Verbiegung von Gabel und Rahmen nach außen hingegen ziemlich beeindruckend). Ich gehe aber davon aus, dass alle diese Probleme eher mit menschlichem Versagen begründbar sind

Es geht mir eher um die Grundsatzfrage: Seilzug oder Hydraulik? Bei einer Hydraulikbremse würde ich auf Stahlflexleitungen umsteigen, die einen Sturz und ähnliche Unbillen hoffentlich besser überstehen. Vorteile sind meines Erachtens: keine Züge, die einfrieren, verschmanden oder reißen können. Nachteil ist die schlechte Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Ein Bleed Kit mit Leitungen nimmt in der Packtasche zudem deutlich mehr Platz weg als ein paar Züge.
Dann möchte ich gleich eine weitere Grundsatzfrage anstoßen: Scheibe oder Felge? Den Rahmen müsste ich vor der Reise ohnehin neu lackieren lassen, warum also nicht gleich eine Schreibenbremsaufnahme dranbraten? An sich bin ich recht emotionslos, was die Bremstechnik angeht und komme mit Felgenbremsen gut zurecht. Aber ich frage mich, ob Scheibenbremse bei den klimatische Bedingungen im südamerikanischen Winter nicht sinnvoll wären. Zum einen nervt das bei Felgenbremsen während der Fahrt regelmäßig erforderliche Trockenbremsen (und das könnte im falschen Moment sogar sehr gefährlich werden). Zum anderen habe ich etwas Sorge wegen des Bremsbelagverschleißes - die vermutlich meist nassen und dreckigen Wege könnten zu einem extrem hohen Verschleiß an Felgenbremsbelägen führen. Wie denkt ihr darüber? Wenn Scheibenbremse, würde ich vermutlich gleich in die Vollen gehen und mir ein neumodisches hydraulisches System für Disccrosser zulegen. STIs wären nicht nötig, Lenkerendschalter finde ich großartig.
Alternativ besteht die Idee, mir einen weiteren Traum zu erfüllen und mir einen Maßrahmen braten zu lassen, der für die Reise mit 26"-Laufrädern bestückt wird. 26"x50mm-Reifen sollten ungefähr so hoch bauen wie 650b-Reifen in 42mm, damit hätte ich für Europa eine flotte langstreckentaugliche Option. Dann wären Scheibenbremsen natürlich gesetzt (oder ich nehme nutzlose Cantisockel in Kauf - damit könnte ich vermutlich gut leben).
So, erst einmal vielen Dank für eure Aufmerksamkeit - die wesentlichen Fragen habe ich für alle, die sich nicht durch den ganzen Text wühlen mögen, hervorgehoben

Ich freue mich auf die Diskussion!