Re: Gefahr durch giftige Vorderradbremse

Posted by: StefanTu

Re: Gefahr durch giftige Vorderradbremse - 03/25/09 08:57 AM

Servus Martin,
In Antwort auf: MartinSW

Das Blockieren eines Vorderrades finde ich an sich nicht so schlimm.

Genau da fangen die Probleme bei der Auslegung eines ABS für das Fahrrad an. Was ist die richtige Abstimmung. Für mich besonders beeindruckend war in diesem Zusammenhang die Erfahrung mit einem Tourenwagen mit ABS eine Runde fahren zu dürfen. Wie ein normales Auto verfügen auch diese heutzutage über ABS, das jedoch nicht die leichte Kontrollierbarkeit des Fahrzeugs sondern das erzielen einer möglichst extremen Verzögerung als oberstes Ziel verfolgt. Ich wusste von früher, dass slickbereifte Autos bei warmen Reifen eine schier unglaubliche Verzögerung erreichen, aber das, was das ABS gebremste Auto dann hingelegt hat, hat mich regelrecht erschreckt. Für Fahrer normaler Autos nicht vorstellbar, wie so eine Kiste den Anker wirft. Nachteil: So richtig lenkbar ist dann nicht mehr. Hier erkennt man leicht, dass man davon ausgeht, dass sich der Fahrer dessen bewusst ist, was es bedeutet, wenn ein Fahrzeug maximal verzögert wird und entsprechend beim Einlenken den Bremsdruck reduziert. Von einem normalen PKW Fahrer kann ich das nicht erwarten, hier wird die leichte Beherrschbarkeit des Fahrzeugs immer im Vordergrund stehen.

Beim Fahrrad ist die Einstufung, mit welchen Kenntnissen und Fähigkeiten man rechnen darf und welche Erwartung der Kunde an das System hat ungleich schwieriger da der Einsatzzweck nur schwer festzumachen ist und das Spektrum das ein und dasselbe Modell abdecken muss sehr groß ist. Wie viele All-Mountain werden gekauft, dann aber eher als Prestigeobjekt zum nächsten Biergarten gefahren und das auch nur zweimal im Jahr bei Sonnenschein. Andererseits gibt es auch genug, die diese Räder ihrem eigentlichen Einsatzzweck entsprechend bewegen. Letztere würden sich mit Sicherheit bedanken, wenn sich das Hinterrad nicht mehr überbremsen ließe oder kein Nosewheelie möglich wäre, während erstere mit Sicherheit vom Fahrrad steigen, wenn das Hinterrad hochkommt.
Noch schwerer dürfte die richtige Auslegung aber bei Reise-, Touren- und Crossrädern ausfallen. Hat man bei den diversen Sportradvarianten noch die mögliches Argumentation, das System eben entsprechend des eigentlichen Einsatzzweckes abzustimmen, sehe ich gerade hier das Problem die richtige Abstimmung zu finden. Ein ABS für das Fahrrad müsste deshalb aus meiner Sicht einstellbar sein, so dass es den Erwartungen des Fahrers und dem aktuellen Einsatz angepasst werden kann.

Die für die Regelung notwendigen Eingangsgrößen sind heutzutage günstig zu bekommen. Die Erfassung der Raddrehzahl lässt sich auch einfach und leicht realisieren. Ob, um das abhebende Hinterrad festzustellen eine zusätzliche Sensorik z.B. in Form eines Beschleunigungssensors notwendig ist, müsste man klären, beim Motorrad errechnet man das aus den Raddrehzahlen.
Die echten Probleme werden wohl wirklich im Bereich der Druckspeicherung liegen. Vorstellen könnte ich mir da was in der Art der Plungersysteme. Das sollte sich, für das Rad dimensioniert, in den akzeptablen Gewichtsbereich drücken lassen und auch ein gutes Regelverhalten (keine Drucksprünge) bringen.

Eine Semester- oder Diplomarbeit in diesem Bereich dürfte wirklich sehr interessant sein!

Ciao,
Stefan