Posted by: Salamander
Re: Trainingsbügel (war: Plädoyer f. Randonneur) - 11/17/07 04:31 PM
In Antwort auf: Sonntagsradler
Nachdem mehrere Händler meinten, das Trainingsbügel mit den modernen Schalthebeln (außer Drehgriff) ergonomischer Quatsch ist, ...
Manche Fahrradhändler erzählen auch viel Quatsch, wenn der Tag lang ist. Als ausgebilderter Ergotherapeut kann ich Dir versichern, daß - wenn es passt - diese Kombination höchst ergonomisch ist. Für einen bestimmten Zweck, aber "ergonomisch" bezieht sich immer auf eine bestimmte Aufgabe. Deshalb ist auch der Glaubenskrieg Randonneur- versus Trainingslenker ziemlich sinnfrei. Und ich kann Dir versichern, daß mit dem Begriff ergonomisch viel Quatsch erzählt wird (zB werden Brezellenker als angeblich "ergonomische Lenker" verkauft)
"Ergonomisch" bedeutet kurzgesagt, daß eine Tätigkeit mit möglichst geringer Belastung ausgeführt werden kann. Beim Lenker heisst das zuallererst, daß im Handgelenk keine unphysiologische Haltung eingenommen werden darf. Hand und Unterarm sollen nicht abgewinkelt oder abgeknickt sein, sondern eine Linie bilden. Andernfalls kommen die bekannten Problem wie Taubheitsgefühle oder eingeschlafene Finger. Von daher taugen Besenstiellenker nur für Kurzzstrecke oder fürs Gelände wo man so viel rumturnt, daß die Flossen gar keine Zeit haben einzuschlafen. Ausserdem sollte ein Lenker möglichst viele verschiedene Griffpositionen bieten, um sowohl Händen wie auch dem Bereich Schulter/Hals/Nacken und dem Rücken Entlastung zu bieten.
Beide Bedingunen erfüllt der Trainingsbügel: Aus diesem Grund hatten Trainingsbügel früher auch keine Griffgummis, sondern waren über die Bremsgriffe hinaus mit Lenkerband umwickelt. Durch die geschwungene Form ergibt sich beim Wechsel der Griffposition auch eine Änderung in der Rückenneigung - ganz im Gegensatz den meisten Brezellenkern übrigens.
Ein weiterer Aspekt der Ergonomie ist, daß Betätigungselemete da sein sollten wo sich üblicherweise die Hände befinden, um ein Umgreifen und möglicherweise verminderte Kontrolle in diesem Moment zu vermeiden. Ist ebenfalls mit Lenkerschaltern möglich -sofern es passt (mehr dazu später). Sogar besser als mit Lenkerendschalter, die zudem gefährlich exponiert sind. Das für mich besonder hervorragende am Trainingsbügel ist, daß am Lenkerende gegriffen bei guter Sicht nach vorne die Bremsen sehr gut erreichbar sind, im Gegensatz zum Rennlenker mit Oberlenkergriff.
So gesehen ist ein Rad mit Trainingsbügel eine überaus ergonomische Sache. Für einen bestimmten Zweck, nämlich im gemischten Betrieb wo man zwar mal auf freier Strecke Gas gibt, aber auch Kontrolle und Übersicht braucht wie im Stadtverkehr oder auf nicht ganz so guten Wegen. Oder für jemand, der keinen Rennlenker fahren kann oder will, warum auch immer.
In Antwort auf: Sonntagsradler
... wollt ich mich hier vergewissern, ob das nicht doch geht - bevor ich die große Umbauaktion starte und dann z.B. feststelle: "da kann man nur mit verrenkten Fingern schalten".
Ob die Kombination Trainingsbügel und Lenkerschalthebel passt - kommt drauf an...
