Re: Wirbelstrombremsen?

Posted by: Khani

Re: Wirbelstrombremsen? - 09/06/07 06:37 AM

Hallo,

dann darf ich vielleicht noch ein bisschen präzisieren und daherschwafeln:

Unter Retarder versteht man (meist) ein hydraulisches Bremssystem. Dieses wird häufig bei Bussen und Lkws eingesetzt. Der Vorteil ist, dass es nahezu verschleißfrei ist und ohne großen Aufwand zusätzlich verbaubar ist. Die Funktion ist einfach die, dass vom Rotor mit Schaufeln (wie bei einer Turbine) ein Ölstrom (oder auch Wasserstrom) erzeugt wird, der auf andere Schaufeln am Stator (der Teil, der sich nicht dreht) gelenkt wird. Der Flüssigjkeitsstrom wird dann abhängig von der Schaufelstellung im Stator gebremst und damit entsteht Bremswirkung. Die Energie wird in Wärme umgewandelt. Daher braucht man bei großen Retarderleistungen auch anständige Kühlflächen und teilweise auch andere Schmierstoffe in den umgebenden Fahrzeugteilen, da sich die Achsen mit erhitzen.

Eine Wirbelstrombremse funktioniert völlig anders: Hier wird von Dauermagneten oder Elektromagnete ein Magnetfeld erzuegt. In dieses Feld taucht eine bewegte Metallfläche (z.B. eine kreisförmige Platte bei Achsen) ein. Das Magnetfeld erzeugt in der bewegten Fläche einen Strom, welcher ebenfalls ein Magnetfeld ausbildet. Dieses wirkt prinzipiell gegen das erzeugende Feld und bremst so den beweglichen Teil ab (man kann die Anordnung Stator/Rotor hier auch tauschen). Die freiwerdende Energie wird im elektrischen Widerstand des Metalls in Wärme umgewandelt. Auch hier hat man bei größeren Leistungen eine nicht unerhebliche Wärmeentwicklung.

So nun zum Einsatz der ganzen Gerätschaften: Retarder werden oft bei Fahrzeugenwie Bussen oder Lkw eingesetzt. Die Baugrößen richten sich nach der Leistung und das Gesamtsystem kann je nach Werkstoffen auch auf Gewicht optimiert werden. Das Problem bei Retardern ist, dass man manchmal auch eine gewisse Bremswirkung ohne Betätigung hat.
Wirbelstrombremsen werden hauptsächlich bei Zügen (ICE 3) und feststehenden Einrichtungen eingesetzt. Das Problem dieser Systeme ist das prinzipbedingte Gewicht: Dauermagnete können zwar mittlerweile sehr hohe Feldstärken bei kleinem Gewicht erzeugen, die anderen Metallteile müssen allerdings zwangsweise eine gewisse Baugröße und Gewicht aufweisen, das von der Leistung abhängt. Das liegt in der maximalen mangnetischen Flussdichte in einem Material begründet. Toll an den Wirbelstrombremsen ist, dass sie auch völlig ohne Fremdenergie bremsen können, daher werden sie auch in kritischen Bereichn eingesetzt (Achterbahnen, Freefalltower, usw.).

Meiner Meinung nach können beide System ihre jeweiligen Vorteile nur schwer auf Fahrräder übertragen. Zumal es genug Systeme gibt, die ein Rad lange und sicher bremsen können. Dazu muss man auch noch sehen, dass vielleicht die Anforderungen des Pässefahrens mit schwerem Gepäck nur auf einen minimalen Bruchteil der Gesamtnutzer zutrifft und so vielleicht keine große Kundengruppe für eine solche Entwicklung zusammen kommt.

MfG, Daniel.