Re: Die Nase voll von Rohloff

Posted by: Hesse

Re: Die Nase voll von Rohloff - 08/14/07 03:58 PM

Ich antworte einfach mal auf diesen Beitrag hier, weil ich denke, mit ca. 15 bis 20 Mm mit ner Rohloff wirklich schon ein wenig "Erfahrung" zu haben (und außerdem ist mein Popcorn alle, und bin zu faul neues zu holen zwinker )

Also:
- Am Reiserad hab ich eine Rohloff Speedhub. Das Ding ist einfach nur gut und es hat bisher außer einem Ritzel- und zwei Ölwechseln keine verschleißbedingten Arbeiten benötigt. (Nicht verschleißbedingt: Zugwechsel, weil ich eine Zughülle grob fahrlässig abgeknickt hatte)
Ansonsten funktioniert das Teil einfach. Nichts von Schwergängigkeit, ...


- Am Reserverad habe ich eine Shimano Deore LX, nicht mehr ganz so neu. Und die Schaltung finde ich absolut gewöhnungsbedürftig, vielleicht weil ich die Vorteile von Nabenschaltungen, u.a. im Stand schalten zu können, gewohnt bin. Den Vorteil, unter Last schalten zu können, will ich nicht wirklich komplett ausnutzen (mehrere Ritzel auf einmal mit Kettenblattwechsel), weil die Geräusche, die sich dabei ergeben einfach nicht gesund sein können. So kommt es hin und wieder vor, dass ich kurze steile Rampen (wie bspw. unsere Tiefgaragenrampe) hoch schieben muss, weil ich nicht rechtzeitig aufs kleine Kettenblatt, respektive große Ritzel komme und der Schaltung das Lastschalten nicht antun will, zumal ich als Last fast immer noch meinen Nachwuchs im Schlepptau habe. Bei der Rohloff bin ich sehr viel schneller von einer 6m Entfaltung auf einer knapp 2m Entfaltung und brauche sehr viel weniger Strecke dafür. Damit musste ich noch nie wegen Gangwechselproblemen schieben.

- Am Rennrad fahre ich die Campagnolo Record aus 1995 und bin nach wie vor von ihr begeistert. Hier kommen die Vorteile der Kettenschaltung zum Tragen: feine Abstufung (Im Mittel 9% im Vergleich zu 13,5%), geringes Gewicht, Geräuscharmut. Der Nachteil von wegen nicht im Stand schalten können, kommt hier nicht ganz so zum Tragen, da als Last meist nur mein Körpergewicht und das Rennrad selbst zählt und das kann ich am Berg meist noch lang genug auf Geschwindigkeit halten, bis ich den kleineren Gang drin habe. Nur an Ampeln ist es doof einen großen Gang drin zu haben. Ich weiß: Vorderradbremse halten, etwas vor schieben und bei gehobenem Hinterrad schalten und kurbeln geht auch. Am Rennrad wollte ich auch unter keinen Umständen eine Rohloff haben. Das passt von der Optik und dem Gewicht einfach nicht.


Meine Kritkpunkte an der Rohloff:

- Es gibt kein wirklich rennlenkergeeignetes Betätigungsinstrument vergleichbar zu Campa Ergopower, SRAM Double Tab Control oder das Pendant vom Angelhakenkombinat. Weniger um ein Rennrad damit aufzubauen, als einen Randonneur. Drehgriff am Rennlenker ist für mich inakzeptabel, da ich ungern die Hand von der Bremse weg bewege, um zu schalten.
- Der Drehgriff, insbesondere die Ganganzeige nutzt sich sehr schnell ab. Stört mich aber nicht wirklich, da ich schon immer den Gang eingelegt habe, den ich brauchte und mich nicht wirklich nach der Gangeinzeige gerichtet habe, wozu auch?
- Hin und wieder beschleicht mich das Gefühl, dass doch etwas von der Energie, die ich in die Nabe einleite dort in Wärme und nicht in Vortrieb umgesetzt wird. Das ist bei Kettenschaltungen in den ordentlichen Gängen definitiv nicht der Fall.
- Die Geräuschentwicklung im 7. Gang enttarnt mich schon von weitem als Rohlofffahrer, selbst nach dieser Distanz.

Nochwas: Mich interessiert, wie du auf ein Spektrum von 635% (9,46 / 1,49) kommst.
Wenn ich mir die Spezifikationen der aktuellen XT anschaue, komme ich auf ein theoretisch maximales Spektrum von 618% (maximale vordere Differenz 22 Zähne laut Datenblatt: 22,32,44 vorne und 11-34 hinten) Und so wirklich fein sind die Abstufung dann auch nicht. Im Mittel bei etwa 15 %