Hallo Max,
es gibt mindestens so viele unterschiedliche Arten von Liege- wie von „Aufrecht“rädern; und da die im Prinzip ja richtige Empfehlung, viele Räder Probe zu fahren, oft nicht zu realisieren ist (welcher Liegeradhändler hat schon eine umfassende Palette verschiedenster Hersteller im Angebot, und verleiht die Dinger dann auch noch für längere Ausritte - möglichst natürlich kostenlos?!), rate ich dir, nach dem Prinzip der Exklusion vorzugehen.
1. Einen Punkt hast du schon genannt: Du willst mit Deinem Rad längere Touren - ich nehme an, mit entsprechendem Gepäck - unternehmen. Damit sind ausgesprochene Tieflieger und extreme Leichtbauten, die sich vor allem für Rennen eignen, ausgeschlossen. Ausgeschlossen sind m.E. ebenfalls Räder ohne - zumindest - gefederte Schwinge, es sei denn, du fährst ausschließlich auf gut asphaltierter Straße. (Aber welcher Reiseradler macht das heute noch?) Im Lieger kann man nämlich nicht aus dem Sattel gehen! Eine Vorderradfederung erhöht den Komfort beträchtlich; je kürzer der Radstand, desto mehr. Nur bei den heute fast ausgestorbenen Langliegern (das Tagun von Hase ist wohl das einzige, das noch dem aktuellen „state of the arts“ entspricht) halte ich sie für überflüssig.
2. Wie groß bist du? Falls unter 1,80 m, kommen Liegeräder mit zwei 26-Zoll-Laufrädern für dich kaum in Frage; falls unter 1,65, auch so gut wie keins, das ein 26-Zoll-Hinterrad hat. Falls du größer als 1,80 (und kleiner als 2 m) bist, geht so ziemlich alles; insbesondere für Leute zwischen (ca.) 1,65 und 1,80 sind auch die neuerdings z.B. von den holländischen Herstellern Challenge und Nazca angebotenen Lieger mit zwei 24“-Zoll-Laufrädern interessant.
3. Ich bin ein Reiseradler ohne Geschwindigkeitsambitionen und schwöre auf den Untenlenker; nächst dem Umstand, dass seit dem Wechsel vom Upright auf den Lieger meine Nackenprobleme so gut wie verschwunden sind, sind die entspannte Haltung und die freie Sicht (auch im Stadtverkehr!) beim Fahren mit Untenlenker für mich die wichtigsten Argumente fürs Liegerad. Mit einem Klapplenker („Tiller“) kam ich nicht recht klar, mit Aerolenker schon - aber, wie gesagt, der Untenlenker bringt’s erst richtig.
4. Meine inzwischen 3 Jahre alte Streetmachine Gte ist mit einem Schalensitz ausgestattet, mit dem ich sehr zufrieden bin; andere Fahrer ziehen, vor allem wegen der größeren Luftdurchlässigkeit, z.B. Sitze mit Spanngurten vor. Ich bin diese nie gefahren, kann deshalb darüber auch nicht urteilen.
5. Fast alle Liegeräder werden heute mit Entfaltungen angeboten, die allenfalls für leicht hügliges Gelände geeignet sind. Falls du also gelegentlich auch mit Gepäck in den Bergen radeln willst, sorge also dafür, dass du vorne (beim 26er Hinterrad) ein 22er oder 24er Kettenblatt, und hinten ein 32er oder 34er Ritzel kriegst. Bzw. eine in der Entfaltung entsprechende Kombination für das 20er Hinterrad oder die DualDrive Nabe. Bergab rollt’s auch von alleine...
6. Alles andere ist kaum anders als bei einem anderen Rad. Zumindest einen guten Nabendynamo halte ich heute für unverzichtbar,.
7. Hersteller? Ich fahre, wie schon gesagt, eine Streetmachine Gte von HP Velotechnik, bin damit sehr zufrieden. Die Speedmachine (sportlicher, mehr in Richtung Rennrad ausgelegt, aber ebenfalls reisetauglich) und das Grasshopper (mit zwei 20-Zoll-Rädern) desselben Herstellers kämen für dich sicher ebenfalls in Frage. Die Räder von HP Velotechnik liegen inzwischen allerdings am oberen Ende der Preisskala; dasselbe gilt für die Flux-Räder C 500 bzw. S 800, die ähnliche Charakteristika wie die Streetmachine bzw. das Grasshopper aufweisen. Im Preis günstiger sind die Räder einiger holländischer Hersteller; für das sehr schöne Paseo von Nazca z.B. zahlst du, bei gleichwertiger Ausstattung und ebenso guter Verarbeitung, etliche hundert Euro weniger als für die Streetmachine. Allerdings ist das Paseo um gut 1 kg schwerer als diese. Dasselbe gilt für das mit dem Grasshopper vergleichbare Fiero. Zwei andere wichtige holländische Hersteller von Reiseliegerädern sind Challenge (z.B. Hurricane, Mistral) und Optima (z.B. Stinger).
8. Gerade für den Anfang kann es sinnvoll sein, ein Gebrauchtrad zu kaufen; entsprechende Angebote finden sich, in Deutschland, vor allem auf der Homepage
www.humanpoweredvehicles.de/shop/gebraucht/, in Holland unter
www.ligfiets.net/markt/ oder
www.marktplaats.nl (unter Fietsen en brommers, ligfietsen nachsehen). Die Preise liegen bei einem bzw. zwei Dritteln eines neuen Rads.
Gruß Gori