Re: Brooks Swift - Erfahrungsbericht

Posted by: stephan_7171

Re: Brooks Swift - Erfahrungsbericht - 04/30/06 07:50 AM

Brooks Swift Erfahrungsbericht Teil 3

Hallo!

Der Sattel hat mittlerweile ungefähr 2.100 km auf der Decke. Nach etwa 1.200 km haben sich die Sitzknochen sehr deutlich erkennbar in die Satteldecke eingearbeitet.

Die Spannschraube habe ich bislang nicht betätigen müssen, und nach Erfahrungen von Brooks-Nutzern mit mehr km-Leistung soll man damit auch nicht ohne Not anfangen.

Der Sattel ist seitdem sehr bequem und passt wie angegossen. Allerdings muss ich sagen, daß man gerade auf den ersten Kilometern wenig Komfort erfährt. Kürzere Strecken so bis 15 km waren recht unkritisch, bei längeren Strecken (z.B. 100 km Tour am Anfang) hatte ich mir in der Einfahrphase einen anderen Sattel gewünscht - das waren echt Schmerzen.

Mittlerweile bietet der Sattel aber auch bei längeren Touren einen sehr guten Komfort (ich hatte ihn von Anfang an mit einer gefederten Sattelstütze verbaut), und ich habe meine Sattelwahl letztlich nicht bereut und bin nun sehr zufrieden.

Allerdings sind Ledersättel schon empfindlicher und pflegebedürftiger. Mindestens 1 x im Monat wird der Sattel sorgfältig eingefettet. Das war schon öfters von Nutzen, wenn ich nämlich vergessen hatte, eine Plastiktüte über den Sattel zu machen (das Alltagsrad steht oft draußen). Ist der Sattel gut gefettet, macht Regen nicht viel aus, da das meiste abperlt. Allerdings nimmt das Leder schon etwas Feuchtigkeit auf - aber richtig durchnässt war die Lederdecke bislang nie.

Einmal bin ich mit einer Regenhose (Löffler Colibri) und leicht feuchtem Sattel gefahren. Daraufhin hat sich die Lederdecke an einer Stelle, wo die Naht der Regenhose war, leicht farblich verändert (das dunkle antik-braun hat einige helle Sprenkel bekommen), die Oberfläche ist aber noch ganz in Ordnung. Trotzdem ist die Regenempfindlichkeit verglichen mit einem Kunststoffsattel ein Nachteil.

Einen Diebstahlsversuch gab es auch zu vermelden, da ich aber meine Sattelstütze trickreich fixiert hatte, konnte der Dieb diese nicht ganz herausziehen und hat dann zum Glück aufgegeben. Das ist passiert, als der Sattel noch relativ neu war. Ich bin der Meinung, einen eingefahrenen Brooks zu stehlen ist nun für den Dieb (hoffentlich) recht sinnlos, so daß er gar nicht erst auf die Idee kommt.

Thema abfärben: Ich fahre meistens mit dunklen Hosen, und konnte in dieser Hinsicht nichts negatives feststellen. Ich gehe aber davon aus, daß der Sattel bei Feuchtigkeit und hellen Farben etwas abfärben wird wie fast jedes Leder. Das Proofide-Fett lasse ich immer über Nacht einwirken und poliere vor der Fahrt mit einem weichen Tuch.

Fazit: Bevor man mit einem Brooks Swift auf Radreise geht, sollte man sich Zeit nehmen, ihn gut einzufahren. Dafür m.E. mindestens 1000 km einplanen, besteht die Einfahrzeit weitgehend aus Kurzstrecken, ist die Einfahrzeit weitgehend schmerzfrei, wagt man sich gleich an längere Touren, muß man schon viel Durchhaltevermögen haben. Nach der Einfahrzeit ist er auch bei längeren Touren ein sehr komfortabler Sattel, da er sich dann dem Fahrer sehr gut angepasst hat.

Den Pflegebedarf und Regenschutz muss man beachten, ein klarer Schwachpunkt im Vergleich mit Kunststoffsätteln. Allerdings ist der Brooks-Sattel nicht gleich kaputt, wenn das Leder einmal etwas nass wird (habe ich unfreiwillig ein paar mal probiert). Mit einer völlig durchnässten Satteldecke würde ich allerdings auch nicht fahren.

Abgesehen von der Einfahrzeit bin ich nun sehr zufrieden, das neue Rad wird wieder einen Brooks-Sattel bekommen.

Gruß Stephan