Re: Magura HS11 entlüften oder neue Klötze?

Posted by: Anonymous

Re: Magura HS11 entlüften oder neue Klötze? - 10/03/19 08:26 AM

In Antwort auf: irg
Hallo!

Bremsenquietschen ist nach wie vor eines der vielschichtigsten Themen beim Radbauen bzw -warten. Die allgemeingültige Abhilfe gibt es nicht.
Das ist (leider) richtig.
In Antwort auf: irg
Allgemein bedeutet Quietschen Schwingen, das ist grundsätzlich harmlos, wenn auch teilweise mehr als lästig. Es gibt V-Brakes wie die Shimano XT mit Parallelogramm, die nach einer gewissen Zeit (wohl, wenn sie leicht ausgeleiert sind), eine besondere Quietschneigung aufweisen, bei unseren Maguras (HSS 11 und HS 33) war das in den vielen Jahren noch kein Thema.
Ja, es braucht nur wenige Zutaten, die leider immer vorhanden sind: mindestens eine elastische Stelle im Kraftverlauf, was bei bremsenden Fahrrad gleich mehrfach vorhanden ist: die Gabel in sich, die Gabel gegen den Rahmen, das Speichengerüst, die Bremsarme selbst, .... Die zweite Zutat ist entweder eine rhythmische Anregung (z.B. ein blödes Lochmuster einer Scheibe) oder eine variable Reibung (z.B. der immer vorhandene Stick-Slip-Effekt). Gerne auch beides zusammen. Die dritte Zutat ist Masse, die an dem elastischen Teil hängt und die ist auch immer vorhanden. Jetzt muss nur eine der vielen Resonanzstellen getroffen werden und wer Glück hat, erlebt mehreres gleichzeitig: von niederfrequentem Gurgeln bis zum hochfrequenten Quietschen. Wenn sich neben der Elastizität über den Verschleiß auch noch eine Lose in Gelenken einstellt, gibt es weitere Möglichkeiten.
In Antwort auf: irg
Da du die Felgen bereits gereinigt hast, und die Beläge angeraut, sehe ich allenfalls noch die Möglichkeit, die Einstellung der Bremskolben zu überprüfen, falls sie sich verstellt haben sollten. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Einfacher wird es sein, die Beläge testhalber zu tauschen und zu sehen, welchen Effekt das hat.
Solche Maßnahmen sollen das "schwingende System" verändern und eventuell hat man Glück, also auf jeden Fall probieren.
In Antwort auf: irg
Die einfachste Lösung wäre, einfach quietschend weiter zu fahren. Das kann unangenehm sein, wenn es sehr laut ist, oder, wie ich gerade auf Tour erlebt habe, wenn ich in einem Dorf, in dem aggressive Hunde zu befürchten sind, bremsen musste. Quietschen weckt, wenn man Pech hat, schlafende Hunde. Die Bremsleistung sollte es nicht beeinträchtigen.
Das ist (leider) manchmal die richtige Wahl, wenn man eine an sich gute Bremskraft nicht verderben will, um ein Quietschen zu vermeiden. Eine etwas exotische, aber über Jahre wirksame Methode habe ich mit den Avid-Single-Digit-7 praktiziert: Mit den lachsfarbenen Koolstop war die Bremskraft sehr gut bis übertrieben brachial. Leider auch infernalisches Quietschen, so dass sich Befestigungsschrauben gelöst haben. Da ich die Beläge nicht schief stellen wollte (sie schleifen sich ja sowieso wieder gerade), wurde die Bremsflanke der Felge nur mit etwas Graphitpulver abgezogen. Effekt: Bestens dosierbare Bremse, kein Quietschen, keine Alu-Späne. Das hat Wochen gehalten und ist nur bei starken Regen langsam wieder verschwunden. Der Graphit arbeitet sich nämlich in die Transferschicht der Felge und des Belages ein und spült sich nicht sofort ab. Im Reisewerkzeug war einfach ein kleines Döschen Graphitpulver - Thema erledigt.
In Antwort auf: irg
(Seltene Ausnahme: Bei einem Tandem habe ich mich einmal gewundert, dass eine Scheibenbremse zu quietschen begonnen hat. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um zu entdecken, dass diese Bremse wegen auslaufender Bremsflüssigkeit nur mehr quietschte, aber nicht mehr bremste.)
Öl auf Bremsbelägen ist einer der wenigen Klassiker, der reproduzierbar zu Problemen führt und sich glücklicherweise einfach beseitigen Lässt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Stick-Slip-Effekt bei solchen verölten Belägen sehr deutlich ist. Mit Wasser kann es ähnlich gehen, hier wird es meist wesentlich hochfrequenteres Quietschen. Das lässt sich auch schön testen, nämlich wenn die trocken gebremste Bremse nicht mehr quietscht und bei erneuter Benetzung wieder anfängt. Die Scheibenbremsen am neuen Rad quietschen bei Nässe massiv, weil die steife Carbongabel und der steife Alurahmen eben eine hohe Federsteifigkeit hat und damit die Resonanzfrequenz zu hohen Werten hin verschiebt. Und das wird zufällig mit nassen Belägen getroffen. Bisher keine Abhilfe gefunden, die die ansonsten perfekte Bremse nicht verdirbt. Wenn endlich die Beläge mal verschlissen sind, ändern die dann neu gelieferten, sicher mit minimal anderer Belagmischung vielleicht das Ganze - oder auch nicht . Wenn der Thread auch über HS11 geht, alle Bremsentypen leiden unter diesen Effekten.