Posted by: regenfahrer
Meine Erfahrungen mit Poison - 11/17/16 08:47 PM
Vorgeschichte:
Ich habe mehr als 1 Jahr an meinem neuen Rad geplant, im Spätsommer diesen Jahres war die Planung dann abgeschlossen, das Rad konnte gekauft werden.
Was ich wollte: Ein 28er Reise(ähnliches)rad, nicht für die ganz große Reise, eher für mittlere Distanz und für jeden Tag. Wartungsarm, zuverlässig, nicht zu schwer, für leichtes bis mittleres Gepäck mit hochwertiger Technik. Ein Stahlrahmen wollte ich - weil ich immer Stahl hatte. Ist ja ein bisschen Philosophie auch.
Lange habe ich gebraucht, um mich dann doch für einen Riemenantrieb zu entscheiden. Nicht, weil ich mir da ganz sicher war, aber zumindest, weil ich mir nicht sicher genug war, es nicht einmal zu wagen.
So ein Rad hätte ich bei Patria bekommen, auch bei Toutterrain. Vor Ort gibt es einen Händler, der beides im Angebot hat. Leider waren meine bisherigen (wenigen) Besuche dort nicht so, dass ich so richtig zufrieden den Laden wieder verlassen hätte. Aber auch nicht so, dass es mich gänzlich abgeschreckt hätte. Mit den Konfigurations-Tools der Hersteller konnte ich viele Wünsche erfüllen, der Rest wäre sicher auch über den Händler noch umsetzbar gewesen - so speziell war das nicht. Am Ende stand aber immer eine 4 an der Tausenderstelle, dahinter eine 2, 3 oder 4. Für mich fühlt(e) sich das „viel“ an.
Dann bin ich auf den Hersteller Poison gestoßen …
Poison:
Die Fa. Poison vertreibt ihre Räder im Direktvertrieb ohne Händler vor Ort. Das Rad kommt fertig montiert im großen Karton nach Hause. Nur der Lenker muss noch um 90° gedreht werden. Keine Beratung vor Ort – wenn man Beratung braucht, geht das telefonisch oder per E-Mail. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder – und zwar sehr deutlich. Bei gleicher oder fast gleicher Ausstattung (nicht jedes Teil lässt sich per Konfigurator auswählen bzw. exakt gleich wählen) stand da am Ende gerade noch so ein 2 an der Tausenderstelle.
Probefahren hätte ich können, wenn ich mich an einem Samstag für viele Stunden ins Auto gesetzt hätte (und gefahren wäre). Das wollte ich nicht. Für mich war es ein Experiment. Auch angesichts der Berichte, die man an verschiedenen Stellen verstreut im Netz findet, einiges auch hier im Forum (dort jedoch mehrheitlich nur auf Rahmenkäufe bezogen). Denn da findet man auch weniger Erfreuliches, teilweise wohl auch keine Einzelfälle.
Ich habe es dann gewagt. Ende August – nach zahlreichen E-Mails mit Nachfragen meinerseits zu diesem und jenem und einzelnen Sonderwünschen - habe ich „mein“ Rad dann bestellt. Lieferzeit war mit 30 Tagen angegeben. Und nach 30 Tagen kam das Rad. Nach dem Auspacken dann das, was ich im Grunde (aufgrund anderer Berichte) schon fast erwartet hatte und darum auch nicht sonderlich erstaunt war: Rückleuchte und Gepäckträger entsprachen nicht dem Bestellten (falsche Farbe), die Kurbellänge war falsch und die hintere Riemenscheibe hatte nicht die gewünschte Zähnezahl.
Auf meine Reklamation kam zunächst die Nachfrage, ob ich das Rad dennoch behalten wolle, ein (noch) nicht genannter Betrag würde mir als Entschädigung bezahlt. Wollte ich nicht (egal für welchen Betrag). Also wurde die Spedition von Poison mit der Abholung des Rades beauftragt und kam auch einige Tage später.
Das Rad wurde nun bei Poison umgebaut. Nach ein paar Tagen erhielt ich Nachricht, das Rad sei fertig, allerdings wäre die von mir gewünschte Übersetzung nicht möglich (zur Erinnerung: Riemenantrieb!), und es wurde mir eine Alternative angeboten. Die wollte ich allerdings nicht. Vor der Bestellung hatte ich mir nämlich vom Chef persönlich bestätigen lassen, dass diese Übersetzung (die nicht im Konfigurator auftaucht) möglich sei. Also bestand ich darauf. Am nächsten Tag dann die Nachricht, das Rad sei fertig, würde nun verschickt. Ein Wunder? Wie konnte es sein, dass eine Übersetzung, die am Tag zuvor nicht möglich war, nun doch möglich war? Ich habe die Zeit des Wartens also genutzt und noch mehr über den Riemenantrieb recherchiert. Gefunden habe ich u.a. einen Riemenlängenrechner der Fa. Gates. Der liefert den optimalen Abstand von Mitte Hinterradachse zu Mitte Tretlagerwelle bei vorgegebenen Ritzelzahlen und Riemenlängen. Und laut dieser Berechnung gibt es tatsächlich keine verfügbare Riemenlänge, die bei meiner Wunschübersetzung einen Abstand liefert, der im Einstellbereich des Exzenters liegt.
Wenige Tage später kam dann das Rad zum zweiten Mal. Nun stimmte alles. Allerdings: Die Riemenspannung war hoch. Zu hoch? Auf jeden Fall wurde der vom Gates-Rechner ausgeworfene Abstand um 2 mm unterschritten. Hört sich wenig an, ändert aber die Riemenspannung erheblich. Ein ausreichend gutes Messgerät hatte ich (noch) nicht. Musste mich mit dem behelfen, was u.a. von Gates vorgeschlagen wird. Laut Berechnung war die Spannung höher als optimal und die Vorgaben von Gates sehen vor, dass man bei meiner Fahrweise (hohe Trittfrequenz, eher ruhige Fahrweise) die Riemenspannung eher etwas geringer wählt. Da der Exzenter schon auf Minimalstellung war, konnte ich da nichts mehr regulieren.
Also: Erneut reklamiert. Zwar war man bei Poison der Meinung, das sei okay so („Erfahrung“ etc.), war aber gleichzeitig bereit, ohne großes Theater das Rad ein weiteres Mal abholen zu lassen und umzubauen auf eine andere Übersetzung (ohne Kosten für mich). Ich hatte zwischenzeitlich eine Alternativübersetzung gefunden, die fast gleiche Entfaltungswerte liefert und für die es eine Riemenlänge im Einstellbereich des Exzenters gab.
Das Rad wurde also erneut abgeholt und bei Poison nach meinen Vorgaben (Ritzelzahl vorne/hinten und erforderliche Riemenlänge hatte ich angegeben) umgebaut. Nach einigen Tagen die Info, das Rad sei nun fertig, könnte verschickt werden. Allerdings sei der Exzenter auch jetzt auf Minimalstellung und die Riemenspannung vergleichbar mit der vorherigen. Das konnte nun nicht sein, wenn die richtigen Ritzelgrößen und der richtige Riemen verbaut worden wären. Ich habe also darauf hingewiesen und um erneute Prüfung gebeten. Zeitnah kam dann die Rückmeldung: Ja, stimmt. Der Riemen war zu kurz. Rad wurde jetzt auf korrekte Riemenlänge umgebaut und geht in den Versand.
Einige Tage später kam mein Rad dann zum dritten Mal. Optisch nun alles okay. Riemenspannung fühlbar geringer als beim letzten Mal. Allerdings war die Schaltbox der Rohloff-Nabe nicht befestigt – hing lose an den Zügen. Um Schaltgriff und Schaltung richtig abzustimmen, habe ich das Rad auf den Montageständer gesetzt. Während des Einstellungsprozesses blockierte plötzlich das Hinterrad. Was war passiert? Die hintere Riemenscheibe hatte sich abgedreht und zwischen Nabe und Ausfallende verkeilt. Zum Glück hatte ich den Antrieb nur im leichten Handbetrieb gedreht, so dass außer etwas abgekratztem Lack kein Schaden entstanden ist.
Glücklicherweise braucht man zum Aufdrehen und Festziehen der Riemenscheibe kein Spezialwerkzeug, sondern kann das Festziehen über die Antriebskraft erledigen. Dabei habe ich das Ritzel vorher noch umgedreht, weil die Beschriftung innen war – bei den beiden vorherigen Auslieferungszuständen war die Beschriftung immer außen. Inzwischen weiß ich, dass gemäß den Vorgaben von Gates die Beschriftung nach innen gehört. Der Montageleiter von Poison hingegen erklärte, man montiere mal so und mal so herum, um die Riemenlinie anzupassen. (Da der gesamte Antriebsstrang abgesehen von den Ritzelgrößen unverändert war, ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar, warum hier eine Anpassung der Riemenlinie vorgenommen werden musste).
Auf meine entsprechende Reklamation hin hat man sich bei Poison ausdrücklich entschuldigt und auch noch einmal nachgefragt, ob denn funktionell nun alles in Ordnung sei. War und ist es aus meiner Sicht. Ansonsten hätte man das Rad auch ein weiteres Mal abgeholt ggf. den Schaden behoben …
Insgesamt ergibt sich damit einer Lieferzeit von 8 Wochen, Rad auspacken, prüfen, reklamieren, wieder einpacken, warten, wieder auspacken usw. usw. Mich persönlich stören die 8 Wochen selbst nur wenig. Ich habe vorher mehr als 1 Jahr geplant, da kommt es auf 4 Wochen mehr oder weniger nicht an. Das Rad soll ja viele Jahre seinen Dienst tun.
Positiv (trotz allem): Auf jeden Fall der Preis! Und die sehr vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten. Man ist wirklich bemüht, alles möglich zu machen. Ich wollte z.B. den Lenker gekürzt haben (hätte ich sonst selbst abgesägt) - war kein Problem. Wunschbreite angeben und der passend (und sauber!) gekürzte Lenker wird montiert.
Und die immer zeitnahe Reaktion auf meine E-Mails. Wenn nicht gerade Wochenende war, kam eigentlich immer innerhalb von 48 Stunden (meist früher) eine Rückmeldung. Ebenso auch die klaglose und für mich kostenfreie erneut Rückholung, Änderung und erneute Zusendung. Das ging immer ziemlich zeitnah.
Negativ: Naja, im Grunde sollte ein Rad so geliefert werden wie bestellt. Das wäre positiv. Dass der Prozess danach überhaupt noch weiterging, ist natürlich negativ.
Und: Wenn die Spedition das Rad bringt, bekommt man ein ziemlich großes Zeitfenster. Im Grund muss ganztägig jemand da sein, der das Rad in Empfang nehmen kann. Wenn die Spedition das Rad wieder abholt, ist es noch schlimmer: Es kommt nur die Meldung von Poison, dass die Spedition beauftragt wurde. Die Spedition selbst hat sich in beiden Fällen dann nicht mehr selbst gemeldet. Irgendwann standen sie vor der Tür.
Ob ich noch einmal ein Rad bei Poison kaufen würde? Vielleicht. Was mich am ehesten abhalten würde, ist ein irgendwie schlechtes Gefühl hinsichtlich der Beratungsqualität (eine bestimmte Übersetzung wird als möglich zugesagt, obwohl - wie ich inzwischen weiß - es keine Riemenlänge gibt, die für diese Übersetzung und den Exzentereinstellbereich passt) und - VOR ALLEM - der Montagequalität (Riemenscheibe nicht festgezogen; bei der ersten Lieferung war der Exzenter nicht fixiert; ein paar wenige [nicht sicherheitsrelevante] Schrauben nicht richtig festgezogen, Montage falscher Komponenten).
Nach nunmehr zwei Wochen und knapp 500 km (überwiegend im Regen …) gibt es allerdings nichts weiter zu bemängeln. Im Gegenteil. Das Rad fährt prima und macht richtig Spaß. Gerade auch der Riemenantrieb. Ach ja: Es ist dann doch ein Alu-Rahmen geworden. Der war günstiger und deutlich leichter als der (geometrisch) entsprechende Stahlrahmen und hat - anders als der Stahlrahmen - einen Exzenter.
Ich habe mehr als 1 Jahr an meinem neuen Rad geplant, im Spätsommer diesen Jahres war die Planung dann abgeschlossen, das Rad konnte gekauft werden.
Was ich wollte: Ein 28er Reise(ähnliches)rad, nicht für die ganz große Reise, eher für mittlere Distanz und für jeden Tag. Wartungsarm, zuverlässig, nicht zu schwer, für leichtes bis mittleres Gepäck mit hochwertiger Technik. Ein Stahlrahmen wollte ich - weil ich immer Stahl hatte. Ist ja ein bisschen Philosophie auch.
Lange habe ich gebraucht, um mich dann doch für einen Riemenantrieb zu entscheiden. Nicht, weil ich mir da ganz sicher war, aber zumindest, weil ich mir nicht sicher genug war, es nicht einmal zu wagen.
So ein Rad hätte ich bei Patria bekommen, auch bei Toutterrain. Vor Ort gibt es einen Händler, der beides im Angebot hat. Leider waren meine bisherigen (wenigen) Besuche dort nicht so, dass ich so richtig zufrieden den Laden wieder verlassen hätte. Aber auch nicht so, dass es mich gänzlich abgeschreckt hätte. Mit den Konfigurations-Tools der Hersteller konnte ich viele Wünsche erfüllen, der Rest wäre sicher auch über den Händler noch umsetzbar gewesen - so speziell war das nicht. Am Ende stand aber immer eine 4 an der Tausenderstelle, dahinter eine 2, 3 oder 4. Für mich fühlt(e) sich das „viel“ an.
Dann bin ich auf den Hersteller Poison gestoßen …
Poison:
Die Fa. Poison vertreibt ihre Räder im Direktvertrieb ohne Händler vor Ort. Das Rad kommt fertig montiert im großen Karton nach Hause. Nur der Lenker muss noch um 90° gedreht werden. Keine Beratung vor Ort – wenn man Beratung braucht, geht das telefonisch oder per E-Mail. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder – und zwar sehr deutlich. Bei gleicher oder fast gleicher Ausstattung (nicht jedes Teil lässt sich per Konfigurator auswählen bzw. exakt gleich wählen) stand da am Ende gerade noch so ein 2 an der Tausenderstelle.
Probefahren hätte ich können, wenn ich mich an einem Samstag für viele Stunden ins Auto gesetzt hätte (und gefahren wäre). Das wollte ich nicht. Für mich war es ein Experiment. Auch angesichts der Berichte, die man an verschiedenen Stellen verstreut im Netz findet, einiges auch hier im Forum (dort jedoch mehrheitlich nur auf Rahmenkäufe bezogen). Denn da findet man auch weniger Erfreuliches, teilweise wohl auch keine Einzelfälle.
Ich habe es dann gewagt. Ende August – nach zahlreichen E-Mails mit Nachfragen meinerseits zu diesem und jenem und einzelnen Sonderwünschen - habe ich „mein“ Rad dann bestellt. Lieferzeit war mit 30 Tagen angegeben. Und nach 30 Tagen kam das Rad. Nach dem Auspacken dann das, was ich im Grunde (aufgrund anderer Berichte) schon fast erwartet hatte und darum auch nicht sonderlich erstaunt war: Rückleuchte und Gepäckträger entsprachen nicht dem Bestellten (falsche Farbe), die Kurbellänge war falsch und die hintere Riemenscheibe hatte nicht die gewünschte Zähnezahl.
Auf meine Reklamation kam zunächst die Nachfrage, ob ich das Rad dennoch behalten wolle, ein (noch) nicht genannter Betrag würde mir als Entschädigung bezahlt. Wollte ich nicht (egal für welchen Betrag). Also wurde die Spedition von Poison mit der Abholung des Rades beauftragt und kam auch einige Tage später.
Das Rad wurde nun bei Poison umgebaut. Nach ein paar Tagen erhielt ich Nachricht, das Rad sei fertig, allerdings wäre die von mir gewünschte Übersetzung nicht möglich (zur Erinnerung: Riemenantrieb!), und es wurde mir eine Alternative angeboten. Die wollte ich allerdings nicht. Vor der Bestellung hatte ich mir nämlich vom Chef persönlich bestätigen lassen, dass diese Übersetzung (die nicht im Konfigurator auftaucht) möglich sei. Also bestand ich darauf. Am nächsten Tag dann die Nachricht, das Rad sei fertig, würde nun verschickt. Ein Wunder? Wie konnte es sein, dass eine Übersetzung, die am Tag zuvor nicht möglich war, nun doch möglich war? Ich habe die Zeit des Wartens also genutzt und noch mehr über den Riemenantrieb recherchiert. Gefunden habe ich u.a. einen Riemenlängenrechner der Fa. Gates. Der liefert den optimalen Abstand von Mitte Hinterradachse zu Mitte Tretlagerwelle bei vorgegebenen Ritzelzahlen und Riemenlängen. Und laut dieser Berechnung gibt es tatsächlich keine verfügbare Riemenlänge, die bei meiner Wunschübersetzung einen Abstand liefert, der im Einstellbereich des Exzenters liegt.
Wenige Tage später kam dann das Rad zum zweiten Mal. Nun stimmte alles. Allerdings: Die Riemenspannung war hoch. Zu hoch? Auf jeden Fall wurde der vom Gates-Rechner ausgeworfene Abstand um 2 mm unterschritten. Hört sich wenig an, ändert aber die Riemenspannung erheblich. Ein ausreichend gutes Messgerät hatte ich (noch) nicht. Musste mich mit dem behelfen, was u.a. von Gates vorgeschlagen wird. Laut Berechnung war die Spannung höher als optimal und die Vorgaben von Gates sehen vor, dass man bei meiner Fahrweise (hohe Trittfrequenz, eher ruhige Fahrweise) die Riemenspannung eher etwas geringer wählt. Da der Exzenter schon auf Minimalstellung war, konnte ich da nichts mehr regulieren.
Also: Erneut reklamiert. Zwar war man bei Poison der Meinung, das sei okay so („Erfahrung“ etc.), war aber gleichzeitig bereit, ohne großes Theater das Rad ein weiteres Mal abholen zu lassen und umzubauen auf eine andere Übersetzung (ohne Kosten für mich). Ich hatte zwischenzeitlich eine Alternativübersetzung gefunden, die fast gleiche Entfaltungswerte liefert und für die es eine Riemenlänge im Einstellbereich des Exzenters gab.
Das Rad wurde also erneut abgeholt und bei Poison nach meinen Vorgaben (Ritzelzahl vorne/hinten und erforderliche Riemenlänge hatte ich angegeben) umgebaut. Nach einigen Tagen die Info, das Rad sei nun fertig, könnte verschickt werden. Allerdings sei der Exzenter auch jetzt auf Minimalstellung und die Riemenspannung vergleichbar mit der vorherigen. Das konnte nun nicht sein, wenn die richtigen Ritzelgrößen und der richtige Riemen verbaut worden wären. Ich habe also darauf hingewiesen und um erneute Prüfung gebeten. Zeitnah kam dann die Rückmeldung: Ja, stimmt. Der Riemen war zu kurz. Rad wurde jetzt auf korrekte Riemenlänge umgebaut und geht in den Versand.
Einige Tage später kam mein Rad dann zum dritten Mal. Optisch nun alles okay. Riemenspannung fühlbar geringer als beim letzten Mal. Allerdings war die Schaltbox der Rohloff-Nabe nicht befestigt – hing lose an den Zügen. Um Schaltgriff und Schaltung richtig abzustimmen, habe ich das Rad auf den Montageständer gesetzt. Während des Einstellungsprozesses blockierte plötzlich das Hinterrad. Was war passiert? Die hintere Riemenscheibe hatte sich abgedreht und zwischen Nabe und Ausfallende verkeilt. Zum Glück hatte ich den Antrieb nur im leichten Handbetrieb gedreht, so dass außer etwas abgekratztem Lack kein Schaden entstanden ist.
Glücklicherweise braucht man zum Aufdrehen und Festziehen der Riemenscheibe kein Spezialwerkzeug, sondern kann das Festziehen über die Antriebskraft erledigen. Dabei habe ich das Ritzel vorher noch umgedreht, weil die Beschriftung innen war – bei den beiden vorherigen Auslieferungszuständen war die Beschriftung immer außen. Inzwischen weiß ich, dass gemäß den Vorgaben von Gates die Beschriftung nach innen gehört. Der Montageleiter von Poison hingegen erklärte, man montiere mal so und mal so herum, um die Riemenlinie anzupassen. (Da der gesamte Antriebsstrang abgesehen von den Ritzelgrößen unverändert war, ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar, warum hier eine Anpassung der Riemenlinie vorgenommen werden musste).
Auf meine entsprechende Reklamation hin hat man sich bei Poison ausdrücklich entschuldigt und auch noch einmal nachgefragt, ob denn funktionell nun alles in Ordnung sei. War und ist es aus meiner Sicht. Ansonsten hätte man das Rad auch ein weiteres Mal abgeholt ggf. den Schaden behoben …
Insgesamt ergibt sich damit einer Lieferzeit von 8 Wochen, Rad auspacken, prüfen, reklamieren, wieder einpacken, warten, wieder auspacken usw. usw. Mich persönlich stören die 8 Wochen selbst nur wenig. Ich habe vorher mehr als 1 Jahr geplant, da kommt es auf 4 Wochen mehr oder weniger nicht an. Das Rad soll ja viele Jahre seinen Dienst tun.
Positiv (trotz allem): Auf jeden Fall der Preis! Und die sehr vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten. Man ist wirklich bemüht, alles möglich zu machen. Ich wollte z.B. den Lenker gekürzt haben (hätte ich sonst selbst abgesägt) - war kein Problem. Wunschbreite angeben und der passend (und sauber!) gekürzte Lenker wird montiert.
Und die immer zeitnahe Reaktion auf meine E-Mails. Wenn nicht gerade Wochenende war, kam eigentlich immer innerhalb von 48 Stunden (meist früher) eine Rückmeldung. Ebenso auch die klaglose und für mich kostenfreie erneut Rückholung, Änderung und erneute Zusendung. Das ging immer ziemlich zeitnah.
Negativ: Naja, im Grunde sollte ein Rad so geliefert werden wie bestellt. Das wäre positiv. Dass der Prozess danach überhaupt noch weiterging, ist natürlich negativ.
Und: Wenn die Spedition das Rad bringt, bekommt man ein ziemlich großes Zeitfenster. Im Grund muss ganztägig jemand da sein, der das Rad in Empfang nehmen kann. Wenn die Spedition das Rad wieder abholt, ist es noch schlimmer: Es kommt nur die Meldung von Poison, dass die Spedition beauftragt wurde. Die Spedition selbst hat sich in beiden Fällen dann nicht mehr selbst gemeldet. Irgendwann standen sie vor der Tür.
Ob ich noch einmal ein Rad bei Poison kaufen würde? Vielleicht. Was mich am ehesten abhalten würde, ist ein irgendwie schlechtes Gefühl hinsichtlich der Beratungsqualität (eine bestimmte Übersetzung wird als möglich zugesagt, obwohl - wie ich inzwischen weiß - es keine Riemenlänge gibt, die für diese Übersetzung und den Exzentereinstellbereich passt) und - VOR ALLEM - der Montagequalität (Riemenscheibe nicht festgezogen; bei der ersten Lieferung war der Exzenter nicht fixiert; ein paar wenige [nicht sicherheitsrelevante] Schrauben nicht richtig festgezogen, Montage falscher Komponenten).
Nach nunmehr zwei Wochen und knapp 500 km (überwiegend im Regen …) gibt es allerdings nichts weiter zu bemängeln. Im Gegenteil. Das Rad fährt prima und macht richtig Spaß. Gerade auch der Riemenantrieb. Ach ja: Es ist dann doch ein Alu-Rahmen geworden. Der war günstiger und deutlich leichter als der (geometrisch) entsprechende Stahlrahmen und hat - anders als der Stahlrahmen - einen Exzenter.