Re: El Patu - Fahrradwohnwagen

Posted by: El Patu

Re: El Patu - Fahrradwohnwagen - 12/11/15 04:14 PM

Lieber Jürgen

Vielen Dank für deinen Post - hat mich natürlich besonders gefreut, denn dein Projekt "Maus" habe ich intensiv studiert und es hat mich (wie ich ja bereits an anderer Stelle erwähnte) sehr inspiriert! Zum Beispiel deine Idee, die Räder ganz weit hinten zu platzieren und mit dem aufklappbaren Dach gleich eine Sitzgelegenheit mit Vordach zu haben, finde ich sehr gelungen! Allerdings frage ich mich bis heute, wie du die Deichsellast in einen annehmbaren Bereich gebracht hast ... ?! (Mit deinem Leichtbau geht das natürlich noch, aber ich mit meinen 60kg hätte hier keine Chance!;-) Ausserdem bin ich dann auch von einem aufklappbaren Dach wieder weggekommen, weil die Festigkeit der gesamten Kabine dadurch leidet. Zudem bringt jedes Klappteil weitere Komplikationen mit sich (z.B. auch mit Dichtigkeit). In Bezug auf Festigkeit / Stabilität habe ich mit elpatu sicher ein Maximum erreicht (man kann eigentlich überall problemlos anlehnen oder sogar darauf sitzen), allerdings ist der "Preis" in Form des höheren Gewichtes, wie du richtig schreibst, relativ hoch. Nun da ich ungefähr weiss, worauf ich bei einem Konzept wie elpatu achten muss, wäre das nächste Ziel wohl, die Sache ohne allzu grosse Stabilitätsverluste vielleicht 10-15 kg leichter hinzukriegen ... ;-)

Zum Schwingen der Kupplung: auch bei mir ist es vor allem das Halteblech, das schwingt! Die Weber-Kupplung hält somit zwar die 80 kg aus, allerdings denke ich, dass es hier über kurz oder lang zu Ermüdungserscheinungen kommen wird (deshalb meine Anmerkung, dass ich nicht glaube, dass man damit auf Dauer 100 kg ziehen kann). Als Lösung sehe ich hier eigentlich nur, das Halteblech stärker zu machen ...
Beim Stromer wird die Schwingung noch verstärkt durch die Adapter-Platte, da diese leicht über den Rahmen (und den Fixierungspunkt) hinausschaut. Hier bin ich allmählich der Meinung, dass das Stromer nicht unbedingt die beste Wahl ist, um so schwere Lasten zu ziehen: eben wegen dieser Adapter-Platte, die zu wenig steif ist.
Die Länge kann durchaus einen Einfluss auf die Schwingung haben: bei einem Kinderanhänger (wie Stephan anmerkt) ist die Last sehr nahe bei der Achse platziert (somit wenig Hebelwirkung). Bei elpatu, der die Räder in der Mitte hat, schaut die Kabine hinten und vorne gute 70 cm über die Achse hinaus. Auch die Höhe (90 cm) entwickelt hier beim Beschleunigen und Bremsen Hebelwirkung. Eine horizontale Deichsel kann die Sache hier vielleicht etwas verbessern (ehrlich gesagt, glaube ich aber nicht, dass die Auswirkungen wesentlich sind: die Hebelwirkungen bleiben mehr oder weniger dieselben, ob die Achse nun horizontal oder leicht geneigt - von einem 16"-Rad (Anhänger) zu einem 28"-Rad (Fahrrad) verläuft).
Die Deichsel selber trägt aus meiner Sicht sehr wenig zur Schwingung bei: ich habe diese massiv (= mit mehreren Lagen) mit Epoxy und Glasfaser verstärkt und sie ist somit sehr steif!

Mein Lösungsansatz für das Kupplungsproblem wird vermutlich sein:
- Fahrrad, bei welchem die Weber-Kupplung direkt (d.h. ohne Adapter-Platte) angebracht werden kann.
- Verstärkung des Halteblechs der Weber-Kupplung (sofern möglich)

Dass bei dir schon 150W reichen, um deine superleichte Konstruktion den Berg hochzuziehen, glaube ich dir gerne. Bei mir muss das schon mehr sein (das Stromer liefert offiziell 500W). Allerdings muss ich auch hier sagen: ein Radnabenmotor ist nicht unbedingt die beste Wahl! Bei Steigungen läuft der Motor schnell in sehr ineffizienten Bereichen. Ich überlege mir deshalb, ob ich in der nächsten Zeit Ausschau nach einem Bike mit Mittelradmotor halte: die Effizienz dürfte dank der Schaltung wesentlich höher sein - allerdings erkauft man sich auch diesen Vorteil wieder mit dem Nachteil eines höheren Kettenverschleisses!

Akkus und Regler auf dem Rad zu platzieren hatte ich mir auch überlegt, allerdings wollte ich den Wohnwagen möglichst "autark" gestalten. Wenn du Fahr- und Wohnwagenakku auf dem Bike platzierst, dann wird zwar der Anhänger leichter, allerdings kannst du dann nicht einfach den Anhänger abkuppeln und hast einen voll funktionsfähigen Wagen (inklusive Strom). Aber meine Überlegungen gehen schon auch in diese Richtung: nur 1 Akku für alles + keinen Wechselrichter, sondern direktes Laden mit einer geeigneten Spannung ab Solarzelle. In dem Fall dann vielleicht keinen Anhänger, sondern gleich ein solides Lastenrad (z.B. Musketier, siehe www.radkutsche.de) auf dem gewissermassen ein Fahrradwohnmobil aufgebaut wird (dies ist aber Zukunftsmusik - erst möchte ich dann mit elpatu mal eine etwas längere Tour unternehmen ... ;-)

Gewicht sparen: ist ein ewiges Thema! Ich glaube nächstes Mal würde ich es mit XPS versuchen: aussen 1 Lage Epoxy+Glasfaser+Bootslack, in der Mitte den XPS-Schaum, innen 1mm Holzfurnier für den Feuchtigkeitsausgleich. Wird aber sehr, sehr aufwändig: besonders das Holzfurnier innen dürfte sehr viel zu tun geben ...

Bei der Stützlast bin ich nicht ganz deiner Meinung: ich denke, dass man hier mit tendenziell mit dem "Nullsummenspiel" am besten fährt. D.h. der Anhänger sollte meiner Meinung nach möglichst ausgeglichen sein und lediglich eine sehr geringe Deichsellast (vielleicht so 1-2 kg) aufweisen. (Als Vergleich: ein Anhänger von 1 Tonne fürs Auto hat idealerweise eine Deichsellast von 75 kg - also vergleichsweise wenig!)

Arbeitsaufwand: es waren ganz sicher 200 Stunden (eher mehr) - und dies ohne die unzähligen Wochen davor, wo ich mir über das Projekt den Kopf zerbrochen habe (ich habe voraus vielleicht 50 Zeichnungen angefertigt und etwa 10 Modelle in Karton gebaut, bevor ich mich dann definitiv ins Projekt stürzte ... ;-)

Für die Bremsen mache ich mir eigentlich keine allzu grossen Sorgen. Allerdings bin ich hier auch ziemlich vorsichtig unterwegs. Die 52 km/h, die du erwähnst, können schnell waghalsig werden (die kinetische Energie wächst gemäss 0.5 x m v^2 mit der Geschwindigkeit im Quadrat - da werden auch leichte Anhänger sehr schnell unkontrollierbar, wenn sie mal ausbrechen oder sonst etwas passiert ... !)

Schau mir gerne mal an, wie dein "Maus2"-Projekt weitergeht - und vielleicht ergibt sich tatsächlich mal eine Gelegenheit, um noch mehr über das Thema zu fachsimpeln. Im Moment bin ich zwar zu beschäftigt, um mich diesem Hobby zu widmen (und nun kommt ja auch nicht gerade die Hochsaison für Ausfahren mit dem Fahrrad:-), aber im Frühjahr dürfte es dann wieder aktuell werden. Wir sind auf jeden Fall über das Forum im Kontakt und ich freu mich natürlich immer, Fragen rund um das Thema zu diskutieren!

Mit liebem Gruss,
Marcel