Re: Radreisen und Gewitter

Posted by: irg

Re: Radreisen und Gewitter - 09/24/13 05:57 AM

Seufz. Irgendwie entgleitet die Diskussion dem eigentlichen Thema.
Ich kann mich dunkel erinnern, (vor Monaten???) dazu geschrieben zu haben.

Die Diskussion über den Fahradayschen Käfig mit und ohne leitenden Zeltstangen kommt mir eher als Streit um des Kaisers Bart vor. Dabei ist es ganz einfach: Bei einem direkten oder sehr nahen Blitzeinschlag wird ein Zelt gar nicht schützen können, da die Strommenge einfach zu hoch ist. (Wieweit das ein Auto schaffen könnte, ist für mich auch nicht sicher.)
Ein Zelt wird also allenfalls eine eventuelle Schrittspannung vermindern können. Das abhängig vom Abstand zum Einschlagsort und der Menge des fließenden Stroms. Blitz ist ja nicht gleich Blitz, dazu lässt sich, soweit ich mich erinnern kann, laut Fachleuten auch ganz und gar nicht immer nur ein Ort für den Stromaustritt lokalisieren.
Ein Metallgestänge dürfte mit etwas Glück wenigstens einen Teil des fließenden Stroms vom Körper abziehen und daher die Risiken vermindern. Aber auch Fiberglasgestänge oder Kohlefasergestänge helfen indirekt: Wer trocken in einem Zelt hockt, am besten mit kleiner Oberfläche, also eher eingerollt und sonst möglichst gut isoliert auf Liegematte und/oder anderen Dingen, bekommt weit weniger Schrittspannung ab als jemand, der im Freien im strömenden Regen steht. Entsprechend steigen die Überlebenschancen.

Allgemein zu Blitzeinschlägen und Schrittspannungen:
Ich habe weder einen direkten Blitzeinschlag, noch Schrittspannungen selbst genossen, Gott sei Dank. Ein Freund wurde mit seiner Seilschaft an der Kleinen Zinne von Schrittspannung durchflossen, das blieb glücklicherweise folgenlos, sie waren offenbar vom Ort des Blitzaustrittes weit genug entfernt.

Etwas bedenklich finde ich die Ansicht, Blitze würden nur an besonders exponierten Stellen einschlagen. Die Beobachtung von Blitzspuren im Gelände zeigt, dass an exponierten Orten das Risiko eines Blitzeinschlages weit höher ist als anderswo. Es gibt aber auch mehr als heftige Blitzspuren irgendwo im Gelände, wo sich weit und breit kein Grund ablesen lässt. Die Suche nach einem halbwegs blitzsicheren Ort für das Zelt ist also vernünftig und anzuraten, einen wirklich "blitzsicheren" Ort gibt es ohne Blitzableiter nicht, außer, man schafft es, ziemlich weit in eine Höhle zu kommen.

Gegen Blitzschlag hilft also am meisten vorausschauendes Verhalten in der Natur. Wer das Wetter zu mindestens im "Hinterkopf" behält und eventuelle Umplanungen überlegt, kann vielen Risiken ausweichen. Natürlich geht das nicht immer, es macht auch nicht immer Sinn. Wer allen Risiken möglichst vollkommen ausweicht riskiert vor allem, an krankhafter Angst im Bett zu sterben. Ich musste auch manchmal Gewitter im Zelt überstehen (manchmal auch ohne Zelt) und es sei dahin gestellt, ob ich nicht manchen hätte ausweichen können. Schließlich möchte ich auch etwas erleben und nicht immer nur im Wohnzimmer hocken.

lg! georg