Re: Reiseberichte: wie macht ihr das auf Reisen?

Posted by: veloträumer

Re: Reiseberichte: wie macht ihr das auf Reisen? - 03/13/13 12:45 PM

Einen Bericht während der Tour zu verfassen erfordert Muße. Ich habe das früher immer versucht, kam aber irgendwann nicht mehr nach. Zeit habe ich eigentlich nur beim Abendessen. Heute bin ich froh, wenn ich wenigstens ein paar Postkarten auf einer Reise schaffe. Ansonsten halte ich nur statistische Daten fest. Neben die vom Fahrradcomputer möglichst auch mein Essen, die Preise samt Unerkunft, auch mal Eintrittsgelder. Viele Fotos kommen dazu - mehr als früher. Ich werde in Zukunft versuchen, manch andere Dinge noch festzuhalten - z.B. Namen von Menschen, die ich getroffen usw., da gibt es bei mir schnell Gedächtnislücken. Wichtige Gedanken aber bleiben im Gedächtnis.

Intersessant ist, dass meine tagesaktuellen Notizen, sofern ich welche habe, im Nachhinein ziemlich unbrauchbar sind. Man merkt, dass man verweifelt Dinge beschreibt, die nicht unbedingt im Rückblick wichtig sind, auch nicht schön zu lesen. Trotzdem vergisst man selbst dann Details, an die man sich später verweifelt erinnern möchte. Manchmal fehlen dir auf Reise auch Informationen, um etwas zu beschreiben - man müsste erst recherchieren - du hast eine Burg gesehen, aber weißt nicht, wie sie heißt usw. Hier ist es besser, sich mit Reiseführer vor und während der Reise zu informieren. Dann bleibt das Gesehene auch besser im Geddächtnis, du bekommst die Geschichte zum Bild geliefert, du kannst mehr Beziehung zur Umgebung entwickeln. Die Reise ist ja besonders gut gelungen, wenn sie in dir weiterlebt. Es ist dabei weniger wichtig, wie genau das dem Erlebten entspricht - es muss nur den Gesit der Reise weiterspinnen.

Düfte und Gerüche wahrzunehmen ist das eine, sie wirkunsgvoll zu beschreiben das andere. Ich glaube nicht, dass das Problem sich mit einem Sprechgerät samt Geruchsfühler lösen lässt. Nicht zuletzt bekommt manches schriftliche Bild erst seine Wirkung, indem es im Nachhinein verklärt dagestellt wird. Eine Realbeschreibung wäre weniger intensiv, weniger eindrücklich. Realität ohne Fiktion, ohne Fantasie wäre öde, langweilig, ernüchternd. Die schönsten Dinge entstehen erst im Kopf, unsere Sinne sind nur ein leicht zu täuschender Mittler. Schöne Worte brauchen Verklärung, Distanz zum Erlebten, zum Gesehenen. Ansonsten gilt der Spruch, der mir der bayerische Wanderer in Tirol letztes Jahr ins Ohr gesetzt hat: "Ja mei, ist das schee hier, gibts was Schöneres? - Da musst du einfach doa sein, das kann man nicht beschreiben." Das ist eine schöne Reisewahrheit, aber eine schlechte Grundlage, um einen Reisebericht zu schreiben - also ein Dilemma.