Re: Reisebilderrätsel

Posted by: Thomas1976

Re: Reisebilderrätsel - 10/01/11 06:01 PM

Zitat:
Du kannst nach Betlehem/Beit Lam und dann zum Toten Meer fahren. So weit ist das nicht. Betlehem fand ich deutlich entspannter als Jerusalem.


Hallo Falk,

schöne Grüße aus dem Negev aus Sde Boker (En Avdat). Und nun kommst Du, wer liegt dort begraben?

Ich bin genauso gefahren, wie Du es geschrieben hast, von Jerusalem nach Bethlehem und dann nach En Gedi ans Tote Meer. Bethlehem wiederrum fand ich nicht so toll, die dort lebenden Palästinenser versuchen einen nur den Touris das Geld aus den Taschen zu locken. Ich bin natürlich darauf eingegangen und habe mir für teueres Geld ein Souvenir aufquatschen lassen.
In der Altstadt von Bethlehem fand ich Palästina nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Erst außerhalb, kurz vor dieser schäbigen Mauer (die Berliner Mauer war nichts dagegen, die von den Israelis ist doppelt so hoch und wohl noch besser bewacht) waren die Menschen freundlich und nicht mehr so aufdringlich zu mir und ich konnte dann doch noch das eine oder andere in einem Gespräch über den Alltag in den besetzten Gebieten erfahren.

Gestern war ich zum Sonnenaufgang im Toten Meer schwimmen (oder auf dem Rücken liegen), dann war ich 5 Stunden wandern im En Gedi Nationalpark (bei 50°C, ungelogen ich habe Beweisfotos davon) und nachmiitags habe ich mir noch die atemberaubende Massada-Festung angesehen. Mein vollbepacktes Rad war schon auf der Massada-Festung (die haben es tatsächlich ohne Beanstandung mit in der Seilbahn auf den Berg genommen), eigentlich wollte ich noch bis Arad radlen, aber fast 800 Höhenmeter auf 22 Kilometer und in 1,5 Stunden bis Sonnenuntergang wollte mein Körper gestern nicht mehr mitmachen. Auf gut deutsch gesagt: Gestern Abend ging es mir regelrecht beschissen! So habe ich mich für teures Geld (60€) in die Jugendherberge unterhalb der Massada Seilbahn einquartieren lassen. Das war im Endeffekt eine kluge Entscheidung, nämlich so konnte ich regelrecht aufgrund von Klimaanlage im Zimmer abkühlen.
Heute ging es dann zunächst am Toten Meer weiter, einschließlich einem 2. Bad im Toten Meer am scheußlichen Ort En Bokek. Danach ging es von -400 Meter auf + 700 Meter nach Dimona. Da ich mich heute gut gefühlt habe und es im Negev momentan erstaunlich kühl ist (tagsüber +30°C, jetzt sitze ich mit Fleecepulli auf der Terrasse meines Gastgebers), habe ich versucht den verlorenen Tag wieder rauszuholen, das ist mir heute auch gelungen (130km bei 2200 Höhenmeter). Morgen um 7Uhr steht ein weiterer Höhepunkt meiner Israeltour auf dem Plan, die Wanderung bei En Avdat ins Wilderness of Zin. Nachmittags werde ich dann noch die 30km gemütlich bis Mitspe Ramon radeln und dort dann in der Wüste bei hoffentlich sterneklarem Himmel übernachten.
Am Montagmorgen lege ich dann die restlichen Kilometer bis Eilat mit dem Bus zurück, bevor es dann über die Grenze nach Jordanien rübergeht.

Mir hat Israel bislang super gefallen. In noch keinem anderen Land bin ich bislang so oft zum Essen oder Übernachten eingeladen worden. Die Menschen hier sind superfreundlich und nett, hilfsbereit gegenüber einem Reiseradler aus Deutschland. Die halten mich sowieso alle für bekloppt bei so einer Topographie (flach war nur die Küstenstraße bis Akko und selbst dort hatte ich bei 100km fast 1200 Höhenmeter auf dem Tacho) und bei Temperaturen in der Mittagssonne von 50°C zu radeln (am Toten Meer, an der Mittelmeerküste waren es nur 40°C).
Landschaftlich waren die Strecken im Golan sowie von Jerusalem ans Tote Meer bis nach Massada am schönsten. Die Strecke von Jerusalem bis an die Abzweigung ans Tote Meer bin ich oftmals auf kleine gut befahrbare Schotterstrecken ausgewichen, sagenhaft die Landschaft in der Wüste.

So, das nächste Mal werde ich, so inshallah (So Gott will) aus Jordanien schreiben. Der erste Teil meiner Radreise in Israel nähert sich nun dem Ende. Ich habe auf jeden Fall nun Israel ganz anders erlebt, wie es soft in den Medien und in der Weltöffentlichkeit gemacht wird. Freundliche und hilfsbereite Menschen, was sich auf politische Ebene abspielt interessiert mich auf der momentanen Radreise gar nicht.

Gruss
Thomas