Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig?

Posted by: faltblitz

Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig? - 05/05/11 10:20 AM

In Antwort auf: StephanZ
In Antwort auf: faltblitz

Das halte ich für eine ganz und gar arrogante Position.


selbstreflektierten, humanistisch achtsamen Arbeit in sozialen Berufen allgemein.


Kannst Du nachvollziehen, dass man der Ansicht sein kann, dass Du den Ansprüchen mit dieser Formulierung bei weitem nicht genüge getan hast?


Hallo Stephan,

Du missverstehst meinen Anspruch. zwinker Ich bin hier nicht als professioneller Was-Auch-Immer unterwegs - habe also den Anspruch gar nicht, in alle Richtungen empatisch zu wirken und habe daher auch stillschweigend in Kauf genommen, dass Du Dich jetzt angegriffen fühlen musst.

Also lasse ich den Rest mal so stehen. zwinker

Und um auf eine sachliche Ebene zurückzukommen: Die Ursache für psychische Erkrankungen und seelische Leiden nur bei den Betroffenen zuzuschreiben, ist eine einseitige Sichtweise. Mobbing, physische und psychische Gewalt, Missbrauch, massiver Leistungsdruck sowie viele andere Gründe sind Ursachen, die nicht in "mangelnden Kompetenzen" der Betroffenen begründet sind, sondern in massiven Mängeln des Umfeldes.

Desweiteren haben sich seelische Leiden und psychische Erkrankungen nach aktuellen Daten inzwischen in Deutschland zur Volkskrankheit entwickelt und beinahe jeder Zweite ist im Laufe seines Lebens mehr oder weniger mal davon betroffen, zeigt Erscheinungen von Krankheitswert und nimmt deswegen ärzliche/therapeutische Hilfe in irgend einer Form in Anspruch (und sei es psychosomatisch). Dies lässt sich nicht damit erklären, dass dieser Bevölkerungsanteil "partiell mit extremer Inkompetenz geschlagen" sei. Es ist vielmehr eine relativ neue Erscheinung und deutet auf massive Fehlleistungen des gesellschaftlichen Systems hin. Welche, das lässt sich in der einschlägigen Fachliteratur nachlesen

Von daher konnte ich Deine Pauschalierung so nicht stehen lassen und stehe weiterhin insofern zu meiner Aussage, dass Du Dich damit in gewissem Sinne auch über die Betroffenen stellst.



Zitat:
Man muss nämlich das Leben nicht hinterfragen, wenn das eigene Leben so läuft wie gewünscht. Also "das Leben hinterfragen" ist nicht Ursache sondern ein Symptom.


Das sehe ich ähnlich.
"Hinterfragen" bezog ich auf die Ansprüche, die das Umfeld an den Einzelnen stellt. zwinker



Zitat:
das ein gesellschaftliches System nicht unendlich geduldig ist


Die etablierten Systeme (u.a. Wirtschaftssystem, Verwaltung, Rechssystem) sind weder geduldig noch ungeduldig, lediglich auf Reproduktion ihrer selbst bedacht. Es sind Merkmale einer Verselbständigung der Systeme, erkennbar u.a. in Monetarisierung, Bürokratisierung und Verrechtlichung. Ursprünglich zur Verbesserung und Unterstützung des Lebens der Menschen vom Menschen geschaffen, haben sie sich dessen Kontrolle teilweise entzogen, nehmen den Menschen in Funktion, um sich selbst zu reproduzieren. Sie reagieren entsprechend auf alles, was diesen Prozess irgendwie stört, um die "Störung" zu beseitigen. Wie der Mensch das in seiner subjektiven Wahrnehmung erlebt, ist relativ nebensächlich und nur insofern partiell interessant, inwiefern er unter Nutzung dieser Perspektive wieder zum Funktionieren gebracht werden kann (Stichwort: z.B. Psychotherapie).

Als Einstiegslektüre hierzu kann man u.a. die "Theorie des kommunikativen Handels" lesen... zwinker

Was ich sagen will: Solange das Problem so gesehen wird, dass ein Großteil der Bvölkerung "mit Defiziten behaftet" oder gar "partiell mit extremer Inkompetenz geschlagen" ist, der Rest des Systems aber nicht infrage gestellt wird, wird sich unsere Gesellschaft mit diesem Problem auseinandesetzen müssen. Und wie ich hier im Thread lese, wird das wohl noch eine ganze Weile so sein. zwinker

Nix für ungut. zwinker

Viele Grüße
Christoph

P.S.: Zum Thema dieses Threads allgemein passend und ganz lustig ist Bölls " Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral ". zwinker