Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig?

Posted by: macrusher

Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig? - 05/04/11 07:27 AM

In Antwort auf: Raramuri
Hallo,

Seit einiger Zeit überlege ich ernsthaft, mit dem Fahrrad eine Reise rundherum um den Erdball (bzw. nahezu) zu machen, der Begriff Weltreise gefällt mir nicht so.
Nach dem Motto der Weg ist das Ziel, Zeithorizont: mehrere Jahre. Gut, die Planung wird sicherlich im Vorfeld einige Monate in Anspruch nehmen.

Seit ich vor ca. drei Jahren von meiner einjährigen Radtour durch Südamerika zurück kam, (ca. ein Jahr davor war ich für acht Wochen auf Neuseeland, Südinsel) habe ich das Gefühl in Deutschland nicht mehr richtig zurecht zu kommen, wie man so sagt, schwer zu beschreiben, bzw. würde den Rahmen sprengen. Eigentlich bin ich auch das Problem und nicht Deutschland, schließlich kann man hier in Gegensatz zu anderen Ländern gut, sicher, abgesichert leben, wenn man denn will.

Das Gefühl in diesem einen Jahr in Südamerika richtig und intensiv gelebt zu haben beschreibt es ein wenig, hatte immer ein großes Grinsen im Gesicht auf meinem Fahrrad, - zwar nicht immer auf Feuerland bei Gegenwind aber auf dem bolivianischen Altiplano kokakauend schon - jetzt lebe ich so vor mich hin... (Naja fehlt halt auch eine Partnerin, wäre dann vielleicht auch anders.) Mache mir halt so wie jeder Gedanken , was ist wirklich wichtig im Leben? Welche Werte zählen für Dich? Allerdings bin jetzt knapp 40, müsste meinen Platz im Leben eigentlich schon gefunden haben, habe ich aber nicht, bin immer noch auf der Suche...

Damals vor der Südamerikatour kündigte ich meinen Job, habe jetzt seit 2 Jahren wieder eine Beschäftigung in der Verwaltung, Öffentl. Dienst, allerdings befristet. Der Job ist überhaupt nicht mein Ding. Konnte jetzt zwar finanziell ein Polster quasi für die Reise ansparen. Wenn ich dann allerdings zurück komme stehe ich finanziell so ziemlich vor dem Nichts und müsste mit ca. 45 wieder einen Job suchen... was die Rente betrifft halt auch nicht viel eingezahlt bisher. Meinen Platz in Deutschland zu finden, ist dann vielleicht noch schwieriger, aber vielleicht ergeben sich unterwegs neue Perspektiven, ist halt ein Abwägen, Pro und Kontra

Vielleicht hat jemand einen Rat, der mir zur Entscheidungsfindung hilfreich sein kann. Letztendlich muss ich Nägel mit Köpfen machen...

Einen schönen 1. Mai !!!

Mit einem Gruß
Raramuri


Hallo,

was du schreibst koennte auch von mir gewesen sein. Ich bin etwa dein Alter und hab den Konflikt jetzt (hoffentlich) hinter mir. Ich befinde mich zur Zeit mental in der Rueckkehrphase nach dem ich mit Pausen seit Fruehjahr 2007 unterwegs war. Fuer die PAusen gab es Gruende die den Rahmen hier sprengen wuerden. KUrz gesagt, mir waere es lieber gewesen es haette diese Gruende nicht gegeben und ich haette meine Reise wie geplant fortsetzen koennen. Aber so ist es eben mit dem "Abenteuer Leben", es kommt meist anders als man plant.

Jedenfalls kann ich deinen Konflikt gut nachvollziehen, kann dir aber ausser eventuellen Anregungen oder Einsichten wahrscheinlich keinen Rat geben - es waere auch vermessen, denn letzten Endes musst du nach bestem Wissen und Gewissen eine Entscheidung treffen. Diese Entscheidung wird nicht leicht und ich persoenlich finde es auch meist nicht leicht die schon erwaehnte innere Stimme aus dem Grundrauschen heraus zu hoeren, aber vielleicht ist es bei dir anders. Den einzigen Rat den ich dir vielleicht geben kann ist, waege ab, geh in dich, lass dir Zeit, triff diese Entscheidung und dann marschier in diese Richtung ohne zurueck zu blicken.

Was die Reise angeht:
Du hattest jetzt eine super Erfahrung. Und deine Erwartungshaltung wird so sein, dass du (unter dem Hintergedanken der "Flucht") die neue Reise an der alten messen wirst. Und je besser deine Erfahrungen waren desto schwerer werden diese zu "toppen" sein. Ich will damit nicht sagen dass es keine Steigerung mehr geben wird - muss es auch nicht es koennen auch einfach anders geartete Erlebnisse sein, als grandiose Landschaften, gute Begegnungen mit Einheimischen, das Gefuehl etwas erreicht zu haben, sich an einem fitten Koerper zu erfreuen oder was auch immer (obwohl das natuerlich essentielle Gluecksgefuehlsbringer sind). Meiner MEinung nach ist ein Ziel oder eine "Exitstrategie" psychologisch sehr wichtig, denn wenn du "Open End" unterwegs bist kommt irgendwann mal der Punkt wo die motivation sinkt, und du das Ganze in Frage stellst. Das ist anders als bei einer befristeten Tour, wo man gern weiterfahren will aber aufhoeren muss, den die hat ein Ziel: naemlich das Ende. Wenn so ein Punkt erreicht ist musst du ein neues Ziel definieren und ich kann dir aus eigenem Erleben sagen, dass es nicht damit getan ist zu entscheiden hier hin oder hin zu fahren. Wahrscheinlich wirst du an irgendwann an einen Punkt kommen wo du eine laengere Zeit brauchst, das Erlebte zu verdauen - was durchaus auch mehrere Monate oder sogar Jahre dauern kann, andernfalls faehrst du rum wie wie ein Zombie.

Bzgl. Deutschland bzw. dem Leben nach der Reise:
Einen "richtigen Job" (also einen von dem man Leben kann) im Ausland zu finden ist heutzutage, vor allem bei fortgeschrittenem Alter nicht ganz so trivial. Ich hatte mich auch der romantischen Illusion hingegeben, dass sich unterwegs schon was ergeben wird - nun jobtechnisch tat es das nicht. In Asien insbesondere in China z.B. kann man trotz dass die Latte hoeher gelegt wurde immer noch als Englischlehrer arbeiten. ISt vor allem gut um einen Fuss in die Tuer zu bekommen und Kontakte zu knuepfen (wenn man dort bleiben und das machen will) - reich wird man als Nicht-Muttersprachler ohne Studium und Zertifikat wohl eher nicht. Abgesehen davon kann ich persoenlich mir das nicht mehr vorstellen das zu machen.

Kurz gesagt, wenn du flexibel bist und nicht mehr nach Deutschland zurueck willst ist deine beste Option eine einheimische Frau zu heiraten und dort dann irgend ein Business aufzuziehen.

Hoffe es hilft dir...