Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig?

Posted by: Lord Helmchen

Re: Langzeitreise_ einmal rundherum_unschlüssig? - 05/01/11 04:07 PM

Hmmm.

Nach meinen Reisen hat es mich auch immer in die Ferne gezogen. Ich war fest der Meinung, dass all meine (nicht greifbaren) Probleme sich auflösen dürften, wenn ich erstmal auf der weiten Welt unterwegs bin (war ja auf Reise auch so).
Inzwischen arbeite ich im Außendienst (gut, ich wollte eigentlich lieber nach Asien oder Südamerika, nicht nach Finnland).

Was ich gelernt habe: Man hat sich selbst immer im Gepäck. Unzufriedensein hat sehr viel damit zu tun, dass man Ansprüche ans Leben stellt und sich mit anderen vergleicht, anstatt über die tollen Dinge glücklich zu sein, die einem widerfahren. Unzufriedensein hat auch sehr viel damit zu tun, dass man den falschen Anspruch entwickelt, ständig zufrieden zu sein zwinker Und Entrücktheit kommt auf, wenn man nicht loszieht, um sich seine Umgebung (sozial wie geographisch) unter die Lupe zu nehmen.
Und: Reisen ist Luxus pur - man tut ausschließlich, wonach einem gerade ist. Weiterhin ist man als Reisender fast überall willkommen, bringt Geld und kulturelle Würze ins Gastland. Dass das Leben und Arbeiten im Ausland hingegen voller Zwänge und Schwierigkeiten ist, und die engstirnigen Einheimischen aller Länder denken, Ausländer würden ihnen die Arbeitsplätze rauben, geht einem erst später auf.

Meine Flucht war sehr lehrreich. Durch Entbehrung und das Ausbaden der Folgen meines Exkapismus habe ich viel über mich gelernt, konnte mich teilweise neu ausrichten. Auf eine Krise folgt fast immer eine Anpassung und ein Wachsen.



Meiner Meinung nach zählen hauptsächlich die Menschen, mit denen man sich umgibt. Und die besonderen Erlebnisse (da zählt eine Radreise natürlich dazu). Alles andere hat man doch nach 1-2 Jahren vergessen. Für mich glaube ich inzwischen, dass ein langweiliger Bürojob in Ordnung ist, wenn man danach mit tollen Menschen (Mitbewohner, befreundete WG oder Partnerin, Familie) was kochen und den Tag/das Wochenende genießen kann. Deutschland ist dazu ein sehr schönes Land, in dem man sorglos leben kann und unheimlich viele Freiheite und Gelegenheiten hat.
Wie Du schreibst - mit einer Partnerin würde das alles ganz anders aussehen. Meine Rangehensweise war bisher immer: Das beste aus der Situation machen; das Leben auskosten und lernen, damit zufrieden zu sein, was man hat (es ist viel). Wenn das mal alles geradegezogen ist, geht einem früher oder später auch ein Fisch ins Netz ...

Wobei ich nicht so sicher bin, wie ich das mit 40 sehen werde. Vielleicht habe ich bis dahin auch eine kleine Herberge an einem Strand stehen und liege mit den Hunden im Schatten, wenn grad keine Kundschaft Aufmerksamkeit einfordert zwinker

Ob meine frühre, deutsche Unzufriedenheit darin begründet war, dass die stressige Ausbildung mir einfach zu viel Energie geraubt hat, ist nicht geklärt. Der Ansatz, weniger (hart) zu arbeiten, ist jedenfalls auch eine Prüfung wert.



Ist es denn verkehrt, einfach so vor sich hinzuleben und seinen Weg und die Frau der Kinder noch nicht gefunden zu haben? Wenn das Hier und Jetzt stimmig ist und meist genug Spaß macht - ist es dann nicht ok, vielleicht bis ans Ende so weiterzutreiben?
Andererseits hast Du natürlich mit deiner jetzigen Ungebundenheit eine Chance. Und wenn dir das Reisen ein ganzes Jahr über so viel gegeben hat, vielleicht ist es dann einfach das, was Du verfolgen solltest.
Bist Du denn in Deutschland viel rumgezogen? Bist Du sozial gut eingebunden?