Posted by: Valerio
Re: "Wilde" und "zahme" Campingplätze - 04/11/08 08:17 AM
In Antwort auf: borstolone
als Zelter ist man auf einem Campingplatz tatsächlich in der "Unterschicht" angekommen und gerade noch gelitten. Die meisten pennen in wohnmobilen Palästen.
Einspruch! Die "Unterschicht" kann sich wohnmobile Paläste gar nicht leisten. Als begeisterter Reiseradler (habe noch nie in meinem Leben ein motorisiertes Fahrzeug besessen) muss ich über fette Wohnmobile oft schmunzeln, aber gegen die Unterstellung "Unterschicht" muss ich die Wohnmobilreisenden dann doch in Schutz nehmen. Es widerspricht komplett meinen persönlichen Erfahrungen, die ich bisher auf Campingplätzen sammeln durfte. Eigentlich waren dort immer fast ausnahmslos alle Reisenden sehr hilfsbereit und freundlich und Wohnmobilfahrer sind nicht - wie hier von manchen dargestellt - durchweg Säufer und Proleten. Wir Reiseradler sollten uns selbst nicht zu sehr auf das hohe Podest stellen und andere pauschal niedermachen.
Hier wird viel zu sehr die Realität mit albernen RTL II-Reportagen vermengt, die Campingplätze als Kulisse für ihre reißerischen Trash-Komödien und unsäglichen Doku-Soaps entdeckt haben. Seht weniger fern und seid einfach mal ein bisschen offener gegenüber den Menschen im echten Leben, auch wenn diese keine Reiseradler, sondern andere Camper sind. Es sind auch Menschen! So wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es hinaus. Mir haben auch Nicht-Radler auf Campingplätzen schon bei einigen Problemen geholfen und dafür bin ich dankbar. Wohnmobilreisende haben natürlich deutlich mehr Platz für Werkzeug und helfen auch mal, wenn man seine Akkus laden möchte. Aber ich erzähle auch hinterher nicht, "die anderen" sind alle "Unterschicht", weil sie nicht mit dem Fahrrad verreisen.
Wer mit dem Wohnmobil auf Tour geht, ist noch lange kein Dauercamper. Und Dauercamperplätze erkennt man gleich auf den ersten Blick, da kann man einen Bogen drum machen (das sind ja im Grunde genommen immobile Laubenkolonien, jedem das Seine). Meine Erfahrung ist, je passiver jemand seinen Urlaub verbringt, desto krawalliger ist er nachts. Und von daher sind die Malle-Ballermänner in den Hotelhochhäusern für mich abschreckender, als die Menschen, die mit Auto oder Motorrad und Zelt oder mit dem Wohnmobil auf Tour gehen und abends auch müde sind. Da haben sich schon nette Kontakte ergeben und wenn man abends spontan zum Abendessen am Grill eingeladen wird, weil man sich sympathisch findet, dann freut mich das (ist mir schon manchmal passiert).