Posted by: veloträumer
Re: Was bedeutet Euch Eure Heimat? - 02/02/08 08:59 PM
Nun das Thema Heimat/Zuhause hatte ich selbst mir schon vor Jahren mal zum "poetischen" und "philosophischen" Thema gemacht. Ich käme jetzt schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Daher beschränke ich mal auf das wenige Folgende:
Von Geburt und Jugend her bin ich Rheinländer, war aber nie so toll integriert. Gute Ohren hören das sogar, ich selbst würde mich aber nie als echten Rheinländer bezeichnen. Mein elterliches Zuhause ist mit einer Reihe von Konflikten belastet, ich strebte folglich nach Schule bzw. Bw-Zeit weit weg - ganz ans Südende an den Bodensee. Als erklärter Kosmopolit sollte es nur eine kurze Zeit sein, es wurden über 13 Jahre. Wenn überhaupt, habe ich allenfalls dort so etwas wie Heimatgefühl etntwickelt - am Ehesten wegen der Landschaft - Dialekte, Heimatkult etc. blieben mir immer fremd. Seit fast 10 Jahren fühlen ich mich als "Zwangsstuttgarter", mit der großen Liebe zur Stadt der zwei Autokonzerne wird's als derzeit überzeugter Nur-Radler wohl nichts mehr.
Ich sehe mich heute nicht mehr als "Kosmopolit", eher als Europäer. Mehr als früher sehe ich mich aber heute an meine Sprachraum gebunden - wohl weil es mir bisher nicht gelungen ist, die Sprachen meiner Reiseländer zu beherrschen. Nach einer großen Radtour gibt es kein einheitliches Gefühl. Viele Radtouren der letzen Jahre endeten auch im sogenannten Heimatbereich. Die Wohnung ist manchmal etwas fremd - meist empfinde ich sie größer als bei der Abreise (wohl wegen Zelt und kleiner Hotelzimmer). Ggf. sehne ich mich nach dem Bett nach vielen Zeltübernachtungen - bei zuvor erlebten Hotelübernachtungen fällt das aber auch weg.
Gewiss, es gibt mal die Sehnsucht, Reiseerlebnisse an Freunde zu erzählen - manchmal habe ich aber das Gefühl, nach 1-2 Ruhetagen sollte es wieder weiter auf Tour gehen. Der Arbeitsalltag ist meist danach erlebnisarm und erstaunlich ermüdend, obwohl keine große physische Leistung erbracht wird.
Intensiver als die Rückkehr erlebe ich eigentlich die Abreise. Es gibt ein leichtes Kribbeln vorher. Wenn ich wie im letzten Jahr aus der Bahn aussteige, wenige Kilometer später in eine einsame Berglandschaft fahre, die Natur mich in allen Facetten überwältigt und mir sogar noch ein vorbeifliegendes Lob entgegen hallt - oder wenn mir wie bei ersten Radreise abseits des Flughafens nur noch Mondschein die Straße erhellt, ein intensiver Macchia-Duft in die Nase steigt, Nachtvögel geheimnissvoll die Dunkelheit durchbrechen - dann bin ich zutiefst gerührt - ja, ich bin der Hektik, der städtischen Eitelkeiten, der verbiesterten Menschenfassaden überdrüßig. Ein gefühl von Freiheit, von Selbstbestimmung - wohl auch eine illusorische - aber so ist's wohl häufig ohne echte Heimat.
Von Geburt und Jugend her bin ich Rheinländer, war aber nie so toll integriert. Gute Ohren hören das sogar, ich selbst würde mich aber nie als echten Rheinländer bezeichnen. Mein elterliches Zuhause ist mit einer Reihe von Konflikten belastet, ich strebte folglich nach Schule bzw. Bw-Zeit weit weg - ganz ans Südende an den Bodensee. Als erklärter Kosmopolit sollte es nur eine kurze Zeit sein, es wurden über 13 Jahre. Wenn überhaupt, habe ich allenfalls dort so etwas wie Heimatgefühl etntwickelt - am Ehesten wegen der Landschaft - Dialekte, Heimatkult etc. blieben mir immer fremd. Seit fast 10 Jahren fühlen ich mich als "Zwangsstuttgarter", mit der großen Liebe zur Stadt der zwei Autokonzerne wird's als derzeit überzeugter Nur-Radler wohl nichts mehr.
Ich sehe mich heute nicht mehr als "Kosmopolit", eher als Europäer. Mehr als früher sehe ich mich aber heute an meine Sprachraum gebunden - wohl weil es mir bisher nicht gelungen ist, die Sprachen meiner Reiseländer zu beherrschen. Nach einer großen Radtour gibt es kein einheitliches Gefühl. Viele Radtouren der letzen Jahre endeten auch im sogenannten Heimatbereich. Die Wohnung ist manchmal etwas fremd - meist empfinde ich sie größer als bei der Abreise (wohl wegen Zelt und kleiner Hotelzimmer). Ggf. sehne ich mich nach dem Bett nach vielen Zeltübernachtungen - bei zuvor erlebten Hotelübernachtungen fällt das aber auch weg.
Gewiss, es gibt mal die Sehnsucht, Reiseerlebnisse an Freunde zu erzählen - manchmal habe ich aber das Gefühl, nach 1-2 Ruhetagen sollte es wieder weiter auf Tour gehen. Der Arbeitsalltag ist meist danach erlebnisarm und erstaunlich ermüdend, obwohl keine große physische Leistung erbracht wird.
Intensiver als die Rückkehr erlebe ich eigentlich die Abreise. Es gibt ein leichtes Kribbeln vorher. Wenn ich wie im letzten Jahr aus der Bahn aussteige, wenige Kilometer später in eine einsame Berglandschaft fahre, die Natur mich in allen Facetten überwältigt und mir sogar noch ein vorbeifliegendes Lob entgegen hallt - oder wenn mir wie bei ersten Radreise abseits des Flughafens nur noch Mondschein die Straße erhellt, ein intensiver Macchia-Duft in die Nase steigt, Nachtvögel geheimnissvoll die Dunkelheit durchbrechen - dann bin ich zutiefst gerührt - ja, ich bin der Hektik, der städtischen Eitelkeiten, der verbiesterten Menschenfassaden überdrüßig. Ein gefühl von Freiheit, von Selbstbestimmung - wohl auch eine illusorische - aber so ist's wohl häufig ohne echte Heimat.