Posted by: Anonymous
Re: Wird das noch was? - 11/14/14 08:50 AM
Die Probleme, die Du als Untrainierter mit mangelhafter Ausrüstung (hatte früher selber ein HWE-Fahrrad mit Dreigang-Torpedo-Nabe, ich weiß, wovon ich rede...
) bei 100 km/Tag haben wirst, sehe ich genauso wie die Vorschreiber. Hier wäre ein "sanfterer" Anfang deutlich besser geeignet, um dich aus deinem Loch zu bringen. Viele kleine Erfolge motivieren viel mehr als ein großes Scheitern.
Weswegen ich aber eigentlich schreibe ist eine ganz andere Geschichte. Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich das Folgende schreiben soll, weil es sehr krass ist. Ich hoffe aber, dass es dir hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.
Ich hatte ab 1980 in der Schule einen Mathelehrer, der vorher an der deutschen Schule in Kabul unterrichtet hatte und wegen des Bürgerkrieges und des Einmarsches der Sowjetischen Truppen Kabul verlassen musste. Obwohl er sonst ein eher stiller und zurückhaltender Mensch war (und der didaktisch und methodisch beste Mathelehrer, den ich je hatte), blühte er immer auf, wenn er von Kabul und Afghanistan erzählt hat. Man hat deutlich gemerkt, dass er das Land wunderschön fand und dort glücklich war. Als die Lage in Kabul sich einigermaßen beruhigt hatte und die deutsche Schule wieder eröffnet wurde, hat er sich wieder dorthin versetzen lassen.
Er kam dann nach nicht allzu langer Zeit wieder, als der Krieg zwischen den Sowjets und den Mudschaheddin wieder eskaliert ist. Er kam zurück als offensichtlich gebrochener, völlig desillusionierter Mann. Er hat dann nicht mehr so viel erzählt, dem, was er erzählt hat, war aber mehr als deutlich zu entnehmen, dass das Land, in dem er vorher gelebt und unterrichtet hatte, nicht mehr existiert hat. Das hat ihn so mitgenommen, dass er hochgradig depressiv geworden ist. Im Nachhinein kann natürlich niemand feststellen, welchen Anteil evtl. andere Faktoren noch hatten, aber die Erlebnisse in Afghanistan waren mit Sicherheit einer der Auslöser für seine Krankheit. Einige Zeit später ist er dann gestorben, vermutlich durch Suizid.
Was ich damit sagen will: Das Land deiner Träume existiert seit über 30 Jahren nicht mehr. Die Lage dort hat sich seit Mitte der 80er nicht verbessert, sondern ist noch viel dramatischer geworden. Das weisst Du mit Sicherheit viel besser und viel detaillierter als ich. Insofern ist eine Reise in das Afghanistan deiner Träume mit absoluter Sicherheit zum Scheitern verurteilt.
Setz' dich auf's Fahrrad und fahr los. Fahrradfahren (oder jede andere Bewegung) ist auf jeden Fall ein besseres Mittel gegen deine Probleme als zuhause rumzusitzen. Fahr irgendwohin, wohin ist erstmal relativ egal, solange das Ziel erreichbar ist. Später, wenn Du etwas fitter bist, kannst Du dann auch weitere Touren unternehmen. Und Du wirst fitter werden, wenn Du regelmäßig fährst, das ist keine Frage. Aber tu' dir einen Gefallen und fahr' nicht nach Afghanistan. Es sei denn, Du willst unbedingt das gleiche Erlebnis wie mein ehemaliger Mathelehrer haben.

In Antwort auf: Yadgar
[ ... ]Aber diesen Afghanistan-Traum habe ich seit nunmehr 31 Jahren, die Vorstellung, irgendwann sterben zu müssen, ohne jemals Afghanistan gesehen zu haben (womit ich eigentlich das Afghanistan der Reiseberichte und Fotobände aus der Zeit vor dem Krieg, also vor 1978 meine - eigentlich bräuchte ich eine Zeitmaschine!), ist schwer zu ertragen...[ ... ]
Weswegen ich aber eigentlich schreibe ist eine ganz andere Geschichte. Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich das Folgende schreiben soll, weil es sehr krass ist. Ich hoffe aber, dass es dir hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.
Ich hatte ab 1980 in der Schule einen Mathelehrer, der vorher an der deutschen Schule in Kabul unterrichtet hatte und wegen des Bürgerkrieges und des Einmarsches der Sowjetischen Truppen Kabul verlassen musste. Obwohl er sonst ein eher stiller und zurückhaltender Mensch war (und der didaktisch und methodisch beste Mathelehrer, den ich je hatte), blühte er immer auf, wenn er von Kabul und Afghanistan erzählt hat. Man hat deutlich gemerkt, dass er das Land wunderschön fand und dort glücklich war. Als die Lage in Kabul sich einigermaßen beruhigt hatte und die deutsche Schule wieder eröffnet wurde, hat er sich wieder dorthin versetzen lassen.
Er kam dann nach nicht allzu langer Zeit wieder, als der Krieg zwischen den Sowjets und den Mudschaheddin wieder eskaliert ist. Er kam zurück als offensichtlich gebrochener, völlig desillusionierter Mann. Er hat dann nicht mehr so viel erzählt, dem, was er erzählt hat, war aber mehr als deutlich zu entnehmen, dass das Land, in dem er vorher gelebt und unterrichtet hatte, nicht mehr existiert hat. Das hat ihn so mitgenommen, dass er hochgradig depressiv geworden ist. Im Nachhinein kann natürlich niemand feststellen, welchen Anteil evtl. andere Faktoren noch hatten, aber die Erlebnisse in Afghanistan waren mit Sicherheit einer der Auslöser für seine Krankheit. Einige Zeit später ist er dann gestorben, vermutlich durch Suizid.
Was ich damit sagen will: Das Land deiner Träume existiert seit über 30 Jahren nicht mehr. Die Lage dort hat sich seit Mitte der 80er nicht verbessert, sondern ist noch viel dramatischer geworden. Das weisst Du mit Sicherheit viel besser und viel detaillierter als ich. Insofern ist eine Reise in das Afghanistan deiner Träume mit absoluter Sicherheit zum Scheitern verurteilt.
Setz' dich auf's Fahrrad und fahr los. Fahrradfahren (oder jede andere Bewegung) ist auf jeden Fall ein besseres Mittel gegen deine Probleme als zuhause rumzusitzen. Fahr irgendwohin, wohin ist erstmal relativ egal, solange das Ziel erreichbar ist. Später, wenn Du etwas fitter bist, kannst Du dann auch weitere Touren unternehmen. Und Du wirst fitter werden, wenn Du regelmäßig fährst, das ist keine Frage. Aber tu' dir einen Gefallen und fahr' nicht nach Afghanistan. Es sei denn, Du willst unbedingt das gleiche Erlebnis wie mein ehemaliger Mathelehrer haben.