Re: Spiegelreflex unterwegs

Posted by: _alexandros_

Re: Spiegelreflex unterwegs - 05/10/13 09:55 AM

In Antwort auf: Freundlich


Die Beispiele lassen sich fortsetzen. Erwünschter Marketingeffekt: Der Kunde soll mit dem Produkt unzufrieden sein, damit er bald ein neues Modell kauft. Mal sehen, wie lange das noch funktioniert.


Das klappt solange, wie an den Schulen und Unis den Jungs und Maedels gelehrt wird, wie man im Marketingbereich immer raffinierter und hinterfotziger arbeitet. Die Firmen wollen Profit sehen und die jungen Werbe - und Marketingkaufleute wollen cash in der Tasche haben. Sie tun dafuer bald alles.

Ich treffe in Dhaka junge Leute an Unis die Firmen genau in den Bereichen beraten - mir kommt fast das kotzen, wenn ich sehe wie raffiniert sie Konzepte ausarbeiten, den Firmen den Po lecken und in meetings zeigen, dass sie schlauer sind als die Generation vor ihnen.

Es ist schrecklich, aber es ist so. Die Jungs und Maedels muessen schauen wo sie bleiben. Moral zaehlt nicht / das Geld zaehlt. Firmen wie Nestle, UniLever, BAT, GSK, Pepsi, CocaCola, HSBC etc. locken mit guten Gehaeltern.

Dafuer verkaufen sich die jungen Leute, ohne mit der Wimper zu zucken. Frauen in Dhaka haben auch schon gecheckt wie der Hase laeuft...spielen krass mit ihren Reizen, auch wenn sie nicht so weit gehen koennen, wie das in USA und Europa der Fall ist.

Ich will nicht zu weit ausholen, doch ich erzaehlte hier letzte Woche, dass ich Jahre fuer Samsung gearbeitet hatte. Gestern erhielt ich ein Jobangebot in Dhaka. Allein, weil ich aus Europa bin, erhalte ich 15% mehr Gehalt als es mein Bangladeshi Freund tun wuerde. Betreuung und Beratung in einer Werbeagentur. Allein das meeting hat mich an etwas erinnert, dass ich aus der Vergangenheit kenne.

Es geht nur um Profit *egal auf welchem Weg*, Personaleinsparung, kurze Laufzeiten, schnelle Wege zum Kunden, viele Abnehmer, extrem auffaellige Werbung. Ich habe freundlich abgelehnt, da ich an einem Doku-Projekt arbeite, das eigentlich genau die Folgen von diesem System, was sich extrem schnell ueberall auf unserem Planeten ausbreitet, zeigen soll. Vor allem wie der Mensch doch in Wirklichkeit darunter leidet, da wir in einer ueberGeschwindigkeit leben, abseits von und mit der Natur.

Wir alle zahlen einen hohen Preis und nur wenige verdienen sich dabei global betrachtet eine goldene Nase.

Das meeting hat mir gut getan. Ich spuerte wie desillusioniert die Bewerber waren. *alle von der Uni, Frischfleisch, bereit 60 h die Woche zu ackern*
Es tat gut zu sehen, dass der Ton in solchen Etagen immer ein strenger, monotoner ist. Kein Spass, kein Scherz / es geht ums Geschaeft.

Ich frag mich nicht wie lange das noch funktioniert. Ich frag mich eher, was wirklich passieren muss, damit da mal ein krasser Einschnitt im System passiert. Es ist doch eigentlich offensichtlich, dass wir die Grenzen erreicht haben und nur noch als moderne Sklaven agieren.

Und dabei auch noch den Planeten zerstoeren, der ohne weiteres auch ohne uns auskommen wird...