Posted by: naero
Re: Südamerika; neun Monate ohne Nassrasierer - 02/11/13 10:22 PM
Carretera Austral
Die Carretera Austral ist die südlichste Strasse Chiles. Ihr Bau began in 1976 unter dem Regime Pinochets um Territoriumclaims hart zu machen. Das infrastrukturelle Meisterwerk hat viele Menschen das Leben gekostet. Das letzte Stück, nach Villa O'Higgins, wurde erst in 2000 fertiggestelt.
Entlang der etwa 1200km langen Route wohnen in total nur 100.000 Menschen. Viel Natur also, und grandiose Landschaften, die sich im flottem Tempo abwechseln. Viel Radreisende haben diese Strasse für sich entdeckt: Von den insgesamt 96 Reiseradlern die wir auf der 9-monatigen Reise sprachen, begegneten wir 50 auf diesem Streckenabschnitt.
In Villa O'Higgims quartierten wir uns in einer kleinen Pension ein. Wir versuchten Kontakt aufzunehmen mit Eltern und Freunden; dass funktionnierte aber nicht: das Wetter war zu schlecht. Auch ansonsten wurde uns mehr und mehr klar, dass wir hier mehr am 'Ende der Welt' waren als in Ushuaia. Ganz Patagonien machte einen sehr 'westlichen' Eindruck, aber hier war eine warme Dusche nicht selbstverständlich.

Dusche. je weniger Wasser, desto heisser.
der Holzherd. Zentrum von Küche und Wohnzimmer.
Die Landschaft hier ist ziemlich anders als auf der anderen Seite der Anden, die hier noch relativ bescheidene Höhen erreichen.

Die Carretera Austral geht durch ein ziemlich bergiges Gebiet, ich glaube hier im Forum hatte jemand ausgerechnet, dass man pro 100km immer 1000hm klettern muss, obwohl die Strasse nie höher als 1300hm wird.
Bei Puerto Yungay wurde es dann kurz steil, aber auch wunderschön. Wir bekamen die ersten Eindrücke des (sehr seltenen!) gemässigtem Regenwald.
Wir nahmen einen Ruhetag vom Radeln, und erkletterten einen der umringenden Berge. Die Aussicht lohnte die Mühe.

Den Rag danach nahmen wir frei, um unseren versauerten Beinen Ruhe zu gönnen. Wir hatten den Aufstieg etwas unterschätzt.
Die Carretera Austral beeindruckt mit ihren ursprünglichen Landschaften, aber dann und wann wird der menschliche Einfluss sehr deutlich.Entwaldung und Erosion findet man auch schon hier.
Die Wände stehen hier nicht für nichts...


Ochsengespann bei der Siesta.
Am Wegesrand findet man viele bekannte Gartenpflanzen in der Wildnis wieder. Wir wissen selten, ob die Pflanzen Einheimisch sind, oder Eindringlinge.
Fuchsiawälder
Lupinen
Dieses Bambus-artige Gras ist einheimisch!
Weiter ging’s richtun Coyhaique, der grössten Sadt der Carretera Austral. Die Gegend hier wird auch ‘Patagonische Schweiz’ genannt. Warum wohl?

Nach Coyhaique wurde es feuchter. Bis jetzt hatten wir sehr viel gutes Wetter gehabt, aber nun sollte es auf der Carretera fast jeden Tag regnen. Auch nicht merkwürdig, wenn man bedenkt dass es in Parque Queulat pro Jahr bis zu 4000mm Niederschlag gibt (zum Vergleich: Rheinland-Pfalz: 800mm). Daraus entsteht eine einzigartige Flora und Fauna: Der gemässigte Regenwald. Mich hat dieses Gebiet schlichtweg umgehauen. Alles ist grün, alsob es keinen besseren Platz zu wachsen gäbe als hier.
Der 'hängende Gletscher', Glaciar Colgante.

So kochte ich an meinem Geburtstag mein Abendessen.
Wir fuhren weiter, aber die Carretera Austral endete für uns in Chaitèn. Der anliegende Vulkan hatte dieses Städtchen und die Strassen durch den Parque Pumalin im September 2009 mit einer Schlammlawine verwüstet. Ein Teil des Städtchen wurde ins Meer gespült, ein anderer verschüttet. Hier wurde uns wieder deutlich gemacht wer das Sagen hat. Nicht der Mensch ist Herrscher über die Natur, sondern anderstrum. Das wird uns immer erzählt, aber erst wenn man soetwas sieht, begreift man das wirklich.

Volcano Chaitèn. Die Wolken sind nicht nur Regenwolken.
man sollte sich nicht so an Strassenlaternen abstützen können...
Wir nahmen eine Fähre nach Puerto Montt, wo wir unsere Freundinnen trafen. Einen Monat lang liessen wir die Fahrräder stehen. Eine schöne Zeit; als die Damen geflogen waren, waren wir trotzdem froh, weiter fahren zu können.
Volcano Osorno
Wir waren in einer Region angekommen, die durch Deutsche besiedelt worden war. Es ist rundum Puerto Varas noch immer ein Statussymbol, wenn man einen Deutschen Nachnahmen, blaue Augen und einen Mitgliedsbeweis eines ‘Club Alleman’ hat. Ich traf eine Familie, die akzentfrei Deutsch sprach. Als ich sie fragte, wie lange sie schon hier wohnten, antwortete der Vater: ‘175 Jahre.’.
Frutillar, Deutsches fachwerk in Patagonien.
Zusammen mit Christian, einem Schweitzer der uns noch viele tolle Streckentips gab, kreuzten wir die Grenze nach Argentinien, und fuhren nach San Martin de Bariloche, einer Stadt die sich auskennt mit Touristen. Hier folgten wir zwei Wochen lang einen intensiven Spanischsprachkurs. Eine sehr sinnvolle Investition. Vielleicht hätten wir etwas länger bleiben müssen. Es gefiel uns auch hier, aber Bariloche ist ein teures Pflaster, und wir wollten noch lange nicht nach Hause.
Wir kauften ein Busticket nach San Rafael und machten uns vom Acker aus dem teurem und kalten Patagonien.
Trotz des Preisschildes ist Patagonien bei uns in herrlicher Errinnerung. Die Natur, die Weite, die Leere, haben diese ersten Monate zu einem tollem Erlebnis gemacht.
Die Carretera Austral ist die südlichste Strasse Chiles. Ihr Bau began in 1976 unter dem Regime Pinochets um Territoriumclaims hart zu machen. Das infrastrukturelle Meisterwerk hat viele Menschen das Leben gekostet. Das letzte Stück, nach Villa O'Higgins, wurde erst in 2000 fertiggestelt.
Entlang der etwa 1200km langen Route wohnen in total nur 100.000 Menschen. Viel Natur also, und grandiose Landschaften, die sich im flottem Tempo abwechseln. Viel Radreisende haben diese Strasse für sich entdeckt: Von den insgesamt 96 Reiseradlern die wir auf der 9-monatigen Reise sprachen, begegneten wir 50 auf diesem Streckenabschnitt.
In Villa O'Higgims quartierten wir uns in einer kleinen Pension ein. Wir versuchten Kontakt aufzunehmen mit Eltern und Freunden; dass funktionnierte aber nicht: das Wetter war zu schlecht. Auch ansonsten wurde uns mehr und mehr klar, dass wir hier mehr am 'Ende der Welt' waren als in Ushuaia. Ganz Patagonien machte einen sehr 'westlichen' Eindruck, aber hier war eine warme Dusche nicht selbstverständlich.
Dusche. je weniger Wasser, desto heisser.
der Holzherd. Zentrum von Küche und Wohnzimmer.
Die Landschaft hier ist ziemlich anders als auf der anderen Seite der Anden, die hier noch relativ bescheidene Höhen erreichen.
Die Carretera Austral geht durch ein ziemlich bergiges Gebiet, ich glaube hier im Forum hatte jemand ausgerechnet, dass man pro 100km immer 1000hm klettern muss, obwohl die Strasse nie höher als 1300hm wird.
Bei Puerto Yungay wurde es dann kurz steil, aber auch wunderschön. Wir bekamen die ersten Eindrücke des (sehr seltenen!) gemässigtem Regenwald.
Wir nahmen einen Ruhetag vom Radeln, und erkletterten einen der umringenden Berge. Die Aussicht lohnte die Mühe.
Den Rag danach nahmen wir frei, um unseren versauerten Beinen Ruhe zu gönnen. Wir hatten den Aufstieg etwas unterschätzt.
Die Carretera Austral beeindruckt mit ihren ursprünglichen Landschaften, aber dann und wann wird der menschliche Einfluss sehr deutlich.Entwaldung und Erosion findet man auch schon hier.
Die Wände stehen hier nicht für nichts...
Ochsengespann bei der Siesta.
Am Wegesrand findet man viele bekannte Gartenpflanzen in der Wildnis wieder. Wir wissen selten, ob die Pflanzen Einheimisch sind, oder Eindringlinge.
Fuchsiawälder
Lupinen
Dieses Bambus-artige Gras ist einheimisch!
Weiter ging’s richtun Coyhaique, der grössten Sadt der Carretera Austral. Die Gegend hier wird auch ‘Patagonische Schweiz’ genannt. Warum wohl?
Nach Coyhaique wurde es feuchter. Bis jetzt hatten wir sehr viel gutes Wetter gehabt, aber nun sollte es auf der Carretera fast jeden Tag regnen. Auch nicht merkwürdig, wenn man bedenkt dass es in Parque Queulat pro Jahr bis zu 4000mm Niederschlag gibt (zum Vergleich: Rheinland-Pfalz: 800mm). Daraus entsteht eine einzigartige Flora und Fauna: Der gemässigte Regenwald. Mich hat dieses Gebiet schlichtweg umgehauen. Alles ist grün, alsob es keinen besseren Platz zu wachsen gäbe als hier.
Der 'hängende Gletscher', Glaciar Colgante.
So kochte ich an meinem Geburtstag mein Abendessen.
Wir fuhren weiter, aber die Carretera Austral endete für uns in Chaitèn. Der anliegende Vulkan hatte dieses Städtchen und die Strassen durch den Parque Pumalin im September 2009 mit einer Schlammlawine verwüstet. Ein Teil des Städtchen wurde ins Meer gespült, ein anderer verschüttet. Hier wurde uns wieder deutlich gemacht wer das Sagen hat. Nicht der Mensch ist Herrscher über die Natur, sondern anderstrum. Das wird uns immer erzählt, aber erst wenn man soetwas sieht, begreift man das wirklich.
Volcano Chaitèn. Die Wolken sind nicht nur Regenwolken.
man sollte sich nicht so an Strassenlaternen abstützen können...
Wir nahmen eine Fähre nach Puerto Montt, wo wir unsere Freundinnen trafen. Einen Monat lang liessen wir die Fahrräder stehen. Eine schöne Zeit; als die Damen geflogen waren, waren wir trotzdem froh, weiter fahren zu können.

Volcano Osorno
Wir waren in einer Region angekommen, die durch Deutsche besiedelt worden war. Es ist rundum Puerto Varas noch immer ein Statussymbol, wenn man einen Deutschen Nachnahmen, blaue Augen und einen Mitgliedsbeweis eines ‘Club Alleman’ hat. Ich traf eine Familie, die akzentfrei Deutsch sprach. Als ich sie fragte, wie lange sie schon hier wohnten, antwortete der Vater: ‘175 Jahre.’.
Frutillar, Deutsches fachwerk in Patagonien.
Zusammen mit Christian, einem Schweitzer der uns noch viele tolle Streckentips gab, kreuzten wir die Grenze nach Argentinien, und fuhren nach San Martin de Bariloche, einer Stadt die sich auskennt mit Touristen. Hier folgten wir zwei Wochen lang einen intensiven Spanischsprachkurs. Eine sehr sinnvolle Investition. Vielleicht hätten wir etwas länger bleiben müssen. Es gefiel uns auch hier, aber Bariloche ist ein teures Pflaster, und wir wollten noch lange nicht nach Hause.
Wir kauften ein Busticket nach San Rafael und machten uns vom Acker aus dem teurem und kalten Patagonien.
Trotz des Preisschildes ist Patagonien bei uns in herrlicher Errinnerung. Die Natur, die Weite, die Leere, haben diese ersten Monate zu einem tollem Erlebnis gemacht.