Posted by: radius
Re: Wie war España? Zwischen Stier und Autobahn - 07/19/12 07:34 PM
(Fortsetzung )
Von Tarifa aus hätten wir eigentlich die Fähre nach Tanger nehmen sollen. Die Schnellboote ab hier erreichen den marokkanischen Hafen schon in etwas mehr als einer halben Stunde und kosten auch nicht mehr als von Algeciras aus. Warum unser Entschluss, nicht ab Tarifa zu fahren, der falsche war, erzähle ich später. Zu frustriert von Regen und mieser Unterkunft sind wir, um Tarifa noch weiter zu erkunden. Wir bekommen aber mit, dass der Tourismus dieses Landstrichs total auf Wind- und Kite-Surfen abfährt oder -fliegt. Alle Naselang gibt es "kite schools".

Am Horizont: Afrika
Zu Tode betrübt gestern, himmelhoch jauchzend heute: Ein langgezogener Anstieg mit herrlichen Aussichten ins Landesinnere und hinüber nach Afrika lässt uns nicht länger Trübsal blasen. Blasen tun die Winde, die oben auf den Höhen über dem Meer zahlreiche Windräder antreiben. Die Sonne hat sich endlich durchgerungen, und nach eineinhalb Stunden zähen Ringens mit dem Aufstieg und mit uns selbst gibt´s auch endlich ein Frühstück. Oder was man hier so Frühstück nennt: Ein trockenes Brötchen mit zwischengeklemmtem Käse, runtergespült mit 2 Tassen café con leche. Eine Busladung polnischer Touristen, keiner unter 60, fällt in die Bar über den Hügeln, über dem Meer, ein und wir machen, dass wir weiterkommen. Nur ein Katzensprung ist es von Tarifa zu unserem nächsten Ziel Algeciras.
Einzug in Algeciras in ein wirklich nobles hochherrschaftliches Haus! Hotel "Regina Cristina" heißt es, ist ein Vier-Sterne-Haus, und vier Sterne hat es wahrlich verdient. Alter kolonialer Stil, gediegene weitläufige Einrichtung, gepflegt und sauber. Dabei kostet das Zimmer, inklusive Frühstück, nur 47 Euro. In so einer Umgebung hat man doch richtig Lust auf große Wäsche, Radlerhemd, Socken und Unterhose! In der klammen Höhle in Tarifa musste ich die Sachen so feucht einpacken, wie sie am Vortag geworden waren. Hier im Regina Cristina hab ich sogar einen wunderschönen Balkon zum Trocknen meiner Wäsche.
Ansonsten ist auch hier die Stadt mal wieder ziemlich trostlos leer; es ist schließlich Sonntag. Am Hafen erfahren wir, dass etliche Schiffe täglich nach Tanger übersetzen. Mit der Fährgesellschaft Balearia werden unsere Räder kostenlos mitbefördert. Die Hin- und Rückfahrt kostet 39 Euro. So kaufen wir denn an dem einzigen von 6 bis 8 Schaltern, hinter dem eine hübsche Frau sitzt, Fährscheine für den nächsten Tag. Hätten wir mal nicht auf die schönen Augen geachtet!
Als wir uns nämlich am nächsten Mittag (die Fähre braucht etwa eine Stunde für die Überfahrt) dem Hafen nähern, reibe ich mir doch ziemlich verwundert die Augen. Vor 12 Jahren hatte ich schon mal die gleiche Tour gemacht, und damals fand ich die Hafeneinfahrt nach Tanger ziemlich imposant: Wie sich da die Altstadt den Hang hoch zog, die enge Hafeneinfahrt, das quirlige Treiben am Kai.
Jetzt aber sehe ich beim Näherkommen nur ödes unbebautes Land, riesengroße Öltanks und qualmende Laster. Total verunsichert frage ich einen der Schiffsangestellten: "Is this Tanger? Cést Tanger, ici?" "Yes," sagt er, "Tanger Harbor. Tanger City is 55 kilometer."
Meine Güte, da hat uns doch die Dame der Fährgesellschaft "Balearia" ein bisschen reingelegt, indem sie verschwiegen hat, dass ihre Gesellschaft NICHT die Stadt anläuft, sondern nur den neuerrichteten Industriehafen. So müssen wir in den sauren Apfel beißen und ein Taxi nehmen, das uns samt Rädern in die Stadt bringt. Taxi? Na ja, wie die Taxis hier halt so sind. Schon ein wenig älter, schon einige Hunderttausend auf dem Tacho. Aaaaber Mercedes! Mercedes Diesel. So ungefähr Jahrgang 1985. Da passen sogar noch unsere beiden Fahrräder in den Kofferraum. Übereinandergeklemmt,
Kofferraumklappe offen. Den Fahrpreis konnten wir mit 20 Euro aushandeln.
(Fortsetzung folgt)
Von Tarifa aus hätten wir eigentlich die Fähre nach Tanger nehmen sollen. Die Schnellboote ab hier erreichen den marokkanischen Hafen schon in etwas mehr als einer halben Stunde und kosten auch nicht mehr als von Algeciras aus. Warum unser Entschluss, nicht ab Tarifa zu fahren, der falsche war, erzähle ich später. Zu frustriert von Regen und mieser Unterkunft sind wir, um Tarifa noch weiter zu erkunden. Wir bekommen aber mit, dass der Tourismus dieses Landstrichs total auf Wind- und Kite-Surfen abfährt oder -fliegt. Alle Naselang gibt es "kite schools".

Am Horizont: Afrika
Zu Tode betrübt gestern, himmelhoch jauchzend heute: Ein langgezogener Anstieg mit herrlichen Aussichten ins Landesinnere und hinüber nach Afrika lässt uns nicht länger Trübsal blasen. Blasen tun die Winde, die oben auf den Höhen über dem Meer zahlreiche Windräder antreiben. Die Sonne hat sich endlich durchgerungen, und nach eineinhalb Stunden zähen Ringens mit dem Aufstieg und mit uns selbst gibt´s auch endlich ein Frühstück. Oder was man hier so Frühstück nennt: Ein trockenes Brötchen mit zwischengeklemmtem Käse, runtergespült mit 2 Tassen café con leche. Eine Busladung polnischer Touristen, keiner unter 60, fällt in die Bar über den Hügeln, über dem Meer, ein und wir machen, dass wir weiterkommen. Nur ein Katzensprung ist es von Tarifa zu unserem nächsten Ziel Algeciras.
Einzug in Algeciras in ein wirklich nobles hochherrschaftliches Haus! Hotel "Regina Cristina" heißt es, ist ein Vier-Sterne-Haus, und vier Sterne hat es wahrlich verdient. Alter kolonialer Stil, gediegene weitläufige Einrichtung, gepflegt und sauber. Dabei kostet das Zimmer, inklusive Frühstück, nur 47 Euro. In so einer Umgebung hat man doch richtig Lust auf große Wäsche, Radlerhemd, Socken und Unterhose! In der klammen Höhle in Tarifa musste ich die Sachen so feucht einpacken, wie sie am Vortag geworden waren. Hier im Regina Cristina hab ich sogar einen wunderschönen Balkon zum Trocknen meiner Wäsche.
Ansonsten ist auch hier die Stadt mal wieder ziemlich trostlos leer; es ist schließlich Sonntag. Am Hafen erfahren wir, dass etliche Schiffe täglich nach Tanger übersetzen. Mit der Fährgesellschaft Balearia werden unsere Räder kostenlos mitbefördert. Die Hin- und Rückfahrt kostet 39 Euro. So kaufen wir denn an dem einzigen von 6 bis 8 Schaltern, hinter dem eine hübsche Frau sitzt, Fährscheine für den nächsten Tag. Hätten wir mal nicht auf die schönen Augen geachtet!
Als wir uns nämlich am nächsten Mittag (die Fähre braucht etwa eine Stunde für die Überfahrt) dem Hafen nähern, reibe ich mir doch ziemlich verwundert die Augen. Vor 12 Jahren hatte ich schon mal die gleiche Tour gemacht, und damals fand ich die Hafeneinfahrt nach Tanger ziemlich imposant: Wie sich da die Altstadt den Hang hoch zog, die enge Hafeneinfahrt, das quirlige Treiben am Kai.
Jetzt aber sehe ich beim Näherkommen nur ödes unbebautes Land, riesengroße Öltanks und qualmende Laster. Total verunsichert frage ich einen der Schiffsangestellten: "Is this Tanger? Cést Tanger, ici?" "Yes," sagt er, "Tanger Harbor. Tanger City is 55 kilometer."
Meine Güte, da hat uns doch die Dame der Fährgesellschaft "Balearia" ein bisschen reingelegt, indem sie verschwiegen hat, dass ihre Gesellschaft NICHT die Stadt anläuft, sondern nur den neuerrichteten Industriehafen. So müssen wir in den sauren Apfel beißen und ein Taxi nehmen, das uns samt Rädern in die Stadt bringt. Taxi? Na ja, wie die Taxis hier halt so sind. Schon ein wenig älter, schon einige Hunderttausend auf dem Tacho. Aaaaber Mercedes! Mercedes Diesel. So ungefähr Jahrgang 1985. Da passen sogar noch unsere beiden Fahrräder in den Kofferraum. Übereinandergeklemmt,
Kofferraumklappe offen. Den Fahrpreis konnten wir mit 20 Euro aushandeln.
(Fortsetzung folgt)