Posted by: peterxtr
Heavyweight oder: Bergsteigen in Chile - 05/06/12 09:26 PM
Chile ist ein Land der Gegensätze, gegensätzlich war auch die Fahrzeugwahl bei dieser Reise. Links das Gespann, mit dem ich in Chile unterwegs war, rechts die leichtere Alternative, die ich in Deutschland bevorzuge.


Warum der schwere Panzer? Der Anhänger war beladen mit 40 Kilo Ausrüstung plus Wasservorräte (bis zu 15 Liter) und Essen. Das Reiseziel heiligt allerdings die Mittel:

Es handelt sich um den höchsten aktiven Vulkan der Erde, den Ojos del Salado (6891m), gelegen an der chilenisch-argentinischen Grenze auf der Höhe der Stadt Copiapo, das ist der Ort der Schlagzeilen machte wegen der verschütteten Bergleute, die mit deutscher Technik geborgen wurden. Brave Schwarzwaldgipfel wirken im Vergleich zu diesem Berg wie Gutenachtgeschichten, die jungfräulich gebliebene Großmütter Ihren Enkeln erzählen. Diesen kessen Spruch habe ich übrigens nicht selbst erfunden, er stammt aus dem Klappentext der französischen Romanvorlage zum Film „Lohn der Angst“, einem Streifen der die Beförderung von Nitroglyzerin zum Löschen einer brennenden Ölquelle in Südamerika beschreibt. Der Film ist spannend wie Dynamit-es geht darum einen Lkw mit der empfindlichen Ladung heil über holprige Pisten zu steuern. Die Landschaften ähneln denen, die ich durchfahren habe. Der Film ist eine empfehlenswerte Einstimmung für jeden, der zum „Gran Norte“, dem großen Norden Chiles aufbricht, mit dem Ziel Sechstausender zu sammeln. In manchen Situationen kann es nicht schaden, sich an der Hartgesottenheit der Filmdarsteller ein Beispiel zu nehmen. Im Verlaufe der Reise habe ich insgesamt 6 Berge bestiegen, davon drei Sechstausender und drei andere deutlich über 5000m. Für die Berge sind ein sturmfestes Zelt, Schalenschuhe, Steigeisen und reichlich warme Kleidung nötig, daher also keine andere Wahl als ein „Panzerfahrzeug“: Fahrrad mit Anhänger. Es bleibt aber immer noch eine Radreise, die Berge habe ich alle per Rad angefahren, zwischendurch dann immer längere Unterbrechungen für die fußläufige Besteigung der Berge. Ich bin also nicht im falschen Forum gelandet.
Bei der Vorbereitung der Reise war zunächst mal die Reisezeit festzulegen, eine recht schwierige Aufgabe. Grundsätzlich gelten als beste Zeit fürs Bergsteigen im Großen Norden die Monate Januar und Februar. Da ich jedoch bei San Pedro de Atacama den Lincancabur und weitere Berge besteigen wollte, war zu beachten, daß in dieser Gegend ein Mikroklima herrscht, welches vom „bolivianischen Winter“ beeinflußt wird. Dies führt zu heftigen Niederschlägen in ebendiesen Monaten. Deshalb bin ich dann im März-April gefahren. Soweit die Theorie.
Bei der Ankunft in San Pedro präsentierte sich der Lincancabur dann ziemlich stark eingeschneit:

Oha! Da kamen Zweifel auf. Ob das klappen wird, auf diesen Berg raufzukommen? Schneeschuhe hatte ich keine dabei, das hätte den Rahmen des möglichen Gepäcks definitiv gesprengt. Schließlich bin ich nicht mit einem 4x4 sondern einem 2x4 Fahrzeug unterwegs, Leistung 200 Watt (bestenfalls) contra sagen wir mal 100 kW. In San Pedro sagen die Touristenagenturen nur, daß momentan keine Touren zu den „Volcanes“ laufen, denn es läge dort *viel* Schnee. Ich habe mich dann nicht weiter drum gekümmert, denn Berg-Agenturen sind immer so eine Sache, da wird von eleganten Empfangsdamen mit mehr oder weniger Bergerfahrung allerhand erzählt. Üblicher Trick ist auch, den Kunden auf Parkposition zu stellen, indem man sagt, er solle morgen wiederkommen und nochmal fragen. Klar- dann hat die Angentur vielleicht Glück gehabt und noch jemanden gefunden, der auf den Pickel rauf will. Ermutigend wirkte für mich die Tatsache, daß aus der Nähe betrachtet doch immer noch schneefreie Rippen sichtbar waren:

Deshalb bin ich von San Pedro dann erstmal zum Grenzübergang Paso Hito Cajon hochgefahren, eine kernige Paßfahrt von San Pedro (ca. 2500m hoch) auf 4500m Höhe, gut zur Akklimatisierung. Allerdings fast alles auf Asphalt, es handelt sich um die gut ausgebaute Straße zum Paso Jama. Für potentielle Nachahmer noch ein paar Informationen zur Anreise: ich bin mit Delta Airlines nach Santiago geflogen, denn nur die Amerikaner nehmen das viele Gepäck mit:60 kg, 30 kg für den Radkarton mit Schloß, Anhängerfahrwerk und Anhänger-Laufräder, sowie die zweiten 30kg für die Zarges-Alubox des Anhängers, in der die ganze Bergausrüstung war und dann noch 11 kg für einen vollen Berg-Rucksack. Die Zusatzgebühr für das Gepäck liegt bei 300 Dollar (für den Rücktransport wird diese nochmal fällig), für mich vertretbar, denn vor Ort fallen kaum Kosten an, in den Bergen kann man notgedrungenerweise kein Geld ausgeben. Von Santiago aus geht es dann per Bus nach Calama. Beim Bus ist es so geregelt, daß man beliebig viel Gepäck haben kann, man bezahlt ein Zusatzgeld, welches der Fahrer festlegt. Die Gebühr ist aber moderat, liegt bei etwa 20 Euro für 2000 km Busfahrt. Dieses Zusatzgeld darf die Busbesatzung (Fahrer und Ladeschaffner) behalten, daher ist man mit Gepäck gerne gesehen und wird zuvorkommend behandelt. In Calama gab es beim Auspacken des Anhängers noch einen Begrüßungs-Schock. An der Alukiste war an der Stelle der Befestigung der Deichsel ein Riß entstanden, dieser war zuhause nicht aufgefallen, da die Stelle nur bei abgenommer Deichsel sichtbar wird. In Calama fand ich jedoch eine Hinterhof-Autowerkstatt mit angeschlossenem Schrotthandel. Einen Bohrer mußte ich mir selbst anschleifen auf einer abenteuerlichen Schleifmaschine, die von einer Auto-Lichtmaschine angetrieben wurde. Dann konnte ich ein robustes Winkelblech über die Stelle nieten.
Vom Grenzübergang Hito Cajon (dort ist auch das erste Bild dieses Beitrags vor dem Zollgebäude/Migracion Bolivia entstanden) sind es dann nur ein paar Kilometer bergab zum Refugio Laguna Verde, welches von der bolivianischen Naturparkbehörde betrieben wird (Parque Nacional Eduardo Avaroa). Dort kann man übernachten und vor allen Dingen Trinkwasser bekommen, denn die Laguna Verde ist ein Salzsee-das Wasser ist ungenießbar. Im Refugio ist auch ein bolivianischer Bergführer, welcher einen uralten Landcruiser hat (Blattfedern teilweise mit Draht selbst zusammengebunden). Der Führer bewundert meine Ausrüstung und eventuelle Probleme erledigen sich von selbst: er ist nicht scharf auf eine Besteigung des Lincancabur, so vereinbaren wir, daß er mich für 40 Dollar um 6 Uhr morgens die 17 km zur Basis fährt und ich mache den Berg alleine, was natürlich viel billiger ist und zunächst mal a priori angenehmer für mich, denn ich vermute/befürchte daß der Führer viel besser akklimatisiert ist und ich deswegen kaum eine Chance gegen ihn hätte. Später wird sich noch zeigen, Bergführer sind nicht immer so schnell wie vermutet. Ich beschließe, den Berg in 2 Tagen zu machen, mit Hochlager auf etwa 5200m. Dies ist unbedingt nötig, denn die Führer starten mit Touristen in der Dunkelheit um 3 Uhr morgens, was ich mir allein nicht erlauben kann, da ich den Weg nicht kenne und daher bei Dunkelheit kaum gute Fortschritte machen würde, außerdem ist es nicht ganz ungefährlich, denn die Umgebung ist recht ruppig:

Man muß dabei auch bedenken: es gibt keinen festen Pfad. Den Weg an solch einem Berg wählt man selber, das geht bei Dunkelheit schlecht. Für die Nachahmer noch die wichtige Information: den Berg niemals von Chile aus besteigen, dort liegen noch Minen aus der Pinochet-Ära. Von Bolivien aus ist es aber völlig ungefährlich. Auf obigem Bild sieht man unterhalb des Berges links die Laguna Verde liegen.
Das Schneeproblem entschärft sich. Die Schneedecke ist relativ fest, das ist zusammengepappter Schnee, der jeden Tag antaut. Daher sinkt man nicht allzu tief ein. Die Steigeisen helfen auch, geben etwas Auftrieb, da die Zacken zusätzliche Fläche bieten. Deshalb geht der Plan auf, ich erreiche am zweiten Tag gegen Mittag den Gipfel (5914m).

Dort ist an sich ein interessanter Kratersee zu sehen, welcher allerdings dieses Jahr völlig eingeschneit und vereist ist. Auf einen Abstieg in den Krater verzichte ich, ich hatte auch ausgemacht mit dem Führer, daß ich abends zurück komme ins Refugio. Daher wollte ich nicht einen dritten Tag anhängen, um nicht eine eventuelle Suchaktion zu provozieren. Ein schweizerischer Tourist, der auch im Refugio nächtigte und sich als Bergführer ausgab, hatte mir einen peinvollen Anstieg prophezeit, wegen mangelnder Akklimatisation, dies konnte ich nicht nachvollziehen. Es war natürlich kein Spaziergang, aber durchaus machbar und vor allen Dingen nicht peinvoll sondern wahnsinnig interessant. Zum Wetter auch noch einige Infos. Bei der Besteigung hatte ich Glück, an beiden Tagen blieb es trocken. An den beiden Tagen zuvor gab es Regen (lluvia) und Gewitter (tormenta) ab 15 Uhr, davon blieb ich am Berg verschont. Die ganzen Wetter-Theorien, die ich eingangs erklärt habe, sind also nur Richtschnüre und keine „Gutwetter-Garantie“. Der etwas neunmalkluge schweizerische Bergführer meinte, es sei normal für die Jahreszeit, daß so viel Regen falle, schließlich seien wir auf der Südhalbkugel. Später jedoch habe ich von Leuten erfahren: keineswegs, das war ein Ausreißer. Im weiteren Verlauf der Reise sollten das sogar meine einzigen Regentage bleiben, lediglich am letzten Reisetag bei Santiago gab es nochmal Nässe. Schweizer Bergführer haben also nicht immer Recht. Nach der Besteigung hatte ich noch doppeltes Glück beim Abstieg. Es gab ein interessantes Tier zu sehen, eine lagartija (Eidechse):

und danach traf ich den bolivianischen Bergführer auf halben Rückweg in der Ebene, so daß ich bequem wieder ins Refugio kam-per 4x4. Im Refugio dann eine bolivianische Gemüsesuppe, welche zwar wohlschmeckend, aber nicht sauber war. Quittung war ein Durchfall, der sich gewaschen hatte. Ich fuhr wieder zurück nach San Pedro und schaltete dort zwei Ruhetage im Hotel ein, um den Durchfall loszuwerden. Dies gelang aber nur unvollständig, am dritten Tag fuhr ich dann einfach weiter, in der Vermutung, daß die Hitze in der Atacama-Wüste beim Besiegen des Durchfalls helfe, einfach indem der Körper sich wohl bei Hitze eher dazu besinnen würde, mit dem Wasser etwas Vernünftigeres zu machen als es immer gleich auszuscheiden. Die Rechnung ging auf, mittags war das Thema erledigt.
Das nächste Ziel sollte der Vulkan Pili sein, ein überaus formschöner Berg, der dann auch höher als 6000m ist:

Allerdings hatte ich mir das zu leicht vorgestellt. Der Anmarsch zur Basis des Pili stellt das unterschätzte Problem dar. Es führt zwar eine Straße zur Ortschaft Talabre, von der aus die Besteigung unternommen wird. In Talabre habe ich dann 15 Liter Wasser getankt, in der Annahme, es gebe weiter oben kein Wasser, so stand es auch im Reiseführer. Das war jedoch eine falsche Angabe. Bei MEGAPOZO gibt es noch eine üppige Wasserstelle, die Ortschaft Talabre bezieht nämlich ihr Wasser aus einem kunstvoll gebauten Leitungsnetz. Die Verteiler sind offen zugänglich:

Hinweis: Groß geschriebene Wörter sind ein Hinweis auf meine Wegpunkte-Datei, welche
hier herunterladbar ist. Dort ist auch der komplette Track der Reise hinterlegt. Mit diesem Track wurde das Geotagging der Fotos durchgeführt. Die Nachahmer können also genaue Informationen zur Tourplanung auf den Bergen erhalten. Auch noch ein Hinweis zum Bilderalbum in Picasa-Webalben. Mit dem Internet-Explorer läuft Picasa nicht richtig unter Windows 7. Es erscheint die Meldung „Stack overflow in Line 0“ und die Foto-Orte werden nicht angezeigt. Mit Firefox läuft Picasa hingegen einwandfrei und viel schneller. Noch ein technischer Hinweis zur Landkarte. Ich habe für die ganze Reise die kostenlose opensource-Karte von viajerosmapas.com, herunterladbar hier benutzt. Die Karte ist einwandfrei, bietet Höhenlinien und reicht für die Reiseplanung voll aus. Wer sich bei Garmin noch kostenlos Basecamp oder Mapsource herunterlädt (diese Programme sind frei verfügbar), der kann mit meinem Track also die Reise auf der Karte verfolgen, ohne dafür irgendeine Software anschaffen zu müssen.
Ich hatte also schon mal viel Kraft unnötig vergeudet, indem ich Wasser hunderte Höhenmeter unnötig bergauf geschleppt habe. Die Straße endet etwa 12 km vor dem Pili. Ich hatte vor, einfach querfeldein weiter zum Berg zu gehen. Der Berg ist jedoch nicht mehr sichtbar am Ende der Straße. So stellte sich heraus, daß ich den Anmarsch im falschen Tal begonnen hatte. Zudem wurde absehbar, daß die mitgeführte Nahrungsmenge nicht ausreichen würde. Als Nahrung in den Bergen habe ich übrigens immer Müsli und Milchpulver verwendet. Das Müsli muß man in größeren Städten kaufen, ich habe meins aus Calama mitgebracht. Man muß darauf achten, echtes Müsli zu bekommen (in Chile hat die Marke „Quaker“ ein quasi Monopol dafür), Cornflakes und Co. haben weit weniger Kalorien und können keine Kraft geben für die Berge. Gut geeignet sind auch Haferflocken („avena instantanea“) welche man mit Rosinen aufwerten kann. Koch-Aktionen kann man in den Bergen vergessen, dafür ist es zu windig. Müsli ist ideal, da es keine Zubereitung benötigt.
Wegen des Fehlstarts beschloß ich daher, den einfacheren Berg Lascar zu machen. Der Anstieg war unproblematisch, ein Hochlager war erforderlich, weil ich durch den Fehlstart bereits etliche Zeit verloren hatte. Der Gipfel ist ein sehr weitläufiger Krater (im Hintergrund der Pili):

Beim Anstieg gibt es eine schöne Aussicht auf den Pili:
Kurz vor dem Gipfel ist ein steiler Abschnitt mit vereisten Schneeresten zu überwinden, Steigeisen sind nützlich.
Der Abstieg ist etwa 3 Stunden zu schaffen, dabei probierte ich auch schon mal meine Sistech-Solaranlage mit flexiblem Solarmodul Chepre aus:
Im Rucksack ist eine Li-Ion Pufferbatterie, mit welcher dann abends im Zelt GPS, Foto und Kopfbandleuchte aufgeladen werden können. Aufgrund der großen Fläche der Solarzelle bekommt man an einem Nachmittag genug Strom für das Aufladen von etwa 5-6 Mignonzellen. Sehr günstig ist die flexible Ausführung der Solarzelle, diese ist dadurch optimal für Outdoor-Einsatz geeignet. Durch eine spezielle Beschichtung werden die eingefangenen Sonnestrahlen im Innern der Zelle mehrfach reflektiert, was zu hoher Ausbeute führt, der Wirkungsgrad ist ähnlich dem von gläsernen Solarzellen (sog. Triple Junction Technologie). Also sehr empfehlenswert, besonders für Wandern/Bergsteigen oder für langsames Radfahren im Gelände, wo ein Nabendynamo niemals genug Strom zum Aufladen von Batterien liefern würde.
Spät abends kam ich dann an meinem Zeltplatz an, wo ich das Fahrrad und den Anhänger in einer Senke versteckt hatte. Nach dem spartanischen Hochlager in der Kälte auf 5000 m Höhe war die Übernachtung im komfortablen Macpac Kuppelzelt eine Wohltat:

Fazit vom Pili-Versuch: der Berg ist durchaus noch machbar. Man muß aber den Anmarsch besser planen, evtl. eine gedruckte Karte der Gegend besorgen. Vor allen Dingen: Wasser erst spät bei MEGAPOZO auffüllen, dafür viel Nahrung mitnehmen. Am Pili selbst ist dann Wasser kein Problem mehr, da genug Schnee zum Schmelzen mit dem Kocher da ist.
Mittlerweile war auch der weitere Reiseverlauf klar geworden. Zunächst hatte ich vor, den Lullaillaco (6739m) als nächsten Berg in Angriff zu nehmen. Die Anreise führt über den ca. 120km entfernten Paso Socompa und danach sind es nocheinmal 60 km über extrem versandete Pisten. Wasser ist ein großes Problem. Man müßte 20 Liter dabei haben, insbesondere wenn man die Gegend nicht kennt. Nach den Erfahrungen beim Pili wurde klar: diese Unternehmung würde viel Zeit beanspruchen, der Erfolg wäre fraglich. Interessiert war ich vor allen Dingen an den Erfahrungen mit der Höhenluft an einem wirklich hohen Berg. Deshalb aktivierte ich den bereits zuhause ausgearbeiteten Ersatz-Plan. Ich beschloß die Gegend bei San Pedro zu verlassen, um 1000 km weiter südlich in der Gegend von Copiapo den Ojos del Salado (6891m) zu besteigen. Zum einen ist der Berg noch höher als der Lullaillaco und bietet am Gipfel noch eine Kletterei im 3. Grad. Bergsteigerisch also ein interessanterer Berg. Zum anderen prophezeite das Internet hier eine vergnügliche Anfahrt über super asphaltierte Straßen. Da der Berg ohnehin schwer war, erschien es mir vernünftig bei der Anreise eine „leichte“ Variante zu wählen. Das wird dann aber später ganz anders aussehen... Ein weiteres Risiko war das Wetter. Meine Reisezeit war ja eigentlich auf das Mikroklima in der Region San Pedro de Atacama/Paso Socompa ausgelegt. Im mittleren Teil Chile (Copiapo und Region Santiago), welcher 1000 km weiter südlich liegt, ist hingegen der Sommer schon weiter fortgeschritten und der Winter klopft an die Tür. Laut Reiseführer sollte die Gegend bei Copiapo noch so gerade eben tragbar sein, in der Region Santiago hingegen bereits seien winterliche Bedingungen zu erwarten. Beim Ojos del Salado (Gegend von Copiapo) war also durchaus ein Wetter-Risiko dabei.
Ich entschloß mich aber, dieses zu ignorieren und fuhr dann von Talabre die Schotterstraße (welche ich bergauf geschoben hatte) zügig herunter, auf dem Anhänger lief das Solarkraftwerk auf Hochtouren, da ab 10 Uhr die Sonne in der Atacama-Wüste richtig heftig scheint:

Bei solchen Sonnen-Etappen bewährte sich ein Bettlaken mit einem Loch in der Mitte hervorragend. Dieses habe ich mir über den Kopf geworfen, ansonsten am Körper nur eine Radhose (mit Sitzpolster). Der Vorteil dabei: das Laken wirkt wie ein Sonnenschirm. Darunter zirkuliert die Luft, dadurch wird die Sonne ferngehalten, aber es bildet sich nicht ein warmes Mikroklima, wie es bei Kleidung aller Art entsteht. Dieses Prinzip wenden auch die Touaregs an: in der Sahara trägt niemand enge Kleidung wie wir in Europa, man wickelt sich in weitläufige Tücher ein. Ganz ohne Sonnenschutz fahren geht auch nicht, da müßte man den ganzen Körper einreiben mit Sun-Blocker, das ist teuer und schmierig und wirkt immer noch nicht so gut wie ein Stück Stoff. Ohne den Sonnenschutz heizte sich übrigens der schwarze Stoff meiner Radhose binnen kürzester Zeit unerträglich auf. Hier ein Bild dieser exklusiven Bekleidung (das Bild entstand später bei der Anfahrt zum Ojos del Salado):

Auf der Landstraße in der Atacama-Wüste wird man von den Insassen der Autos mitleidig angesehen, über die Mittagszeit von 13 bis 16 Uhr etwa verkriechen sich alle in die Häuser. Ohne Sonnenschutz würde Radfahren dann kaum gehen. Hilfreich ist aber die extreme Trockenheit der Luft. Schwitzen tut man kaum, jedenfalls nicht fühlbar, denn der Schweiß verdunstet sofort. Deshalb funktioniert die „natürliche Klimaanlage“ hervorragend und man hält es im Schatten (unter dem Bettlaken) gut aus.
In San Pedro stand an der Zollstation ein interessanter Schwertransport:

Der Transport wird dann weiter zum Paso Jama gefahren sein, also muß die Lok von 2500 m Höhe hinauf auf 4600m, auf der Straße, die ich für die Anfahrt zum Lincancabur benutzt habe. Da werden einige Liter Diesel verbraucht werden.
Am nächsten Tag ging es dann morgens per Bus nach Calama. Die Fahrt dauert 12 Stunden, bei Ankunft konnte ich mir also noch ein Hotel suchen, es war allerdings schon dunkel. Am Busbahnhof zunächst Zusammenbau von Fahrrad und Anhänger, dann Hotelsuche, das gefundene Etablissement war allerdings recht unverschämt. Preis etwa 35 Euro, was in Chile schon teuer ist, dafür aber ein Leichtbau-Hotelzimmer vom Typ Baracke, die verzogene Tür konnte nicht verschlossen werden. In der Dusche gab es Schnecken als Zugabe:

Das Frühstück bestand aus knallharten Fladenbrötchen, serviert von der toupierten Dame des Hauses, welche für die Zubereitung einer heißen Milch eine Viertelstunde brauchte. Aus dem Geotag kann der Nachahmer die Koordinaten dieses Etablissements gewinnen. Vorteil solcher „einfachen“ Hotels ist, daß man das Rad inklusive Anhänger mit ins Zimmer nehmen darf, so kann man bequem alles auspacken und sich reorganisieren.
Am nächsten morgen kaufe ich dann im „Lider“ (das ist die größte Supermarktkette in Chile) 15 Packungen Müsli („con uvas“, mit Rosinen), und ein Kilo Milchpulver. Auch noch etwas Obst, das wird es auf der Fahrt zum Paso San Francisco nicht mehr geben.
An der Ortsausfahrt von Copiapo lagern die Überreste der Industriegesellschaft:

Die Landschaft wandelt sich schnell zur Wüste, ich fülle die Dromedary Bags beim Pförtner einer de zahlreichen Minen mit reichlich Wasser.

Die Straße ist zwar nicht mehr asphaltiert, aber hat eine gesalzene harte Oberfläche und läßt sich daher gut fahren.
Am ersten Tag erreiche ich den Ort La Puerta, gelegen auf 1700m Höhe, das macht von Copiapo aus schon etwa 1300 geschaffte Höhenmeter auf dem Weg zum 6891 m hohen Berg. In La Puerta gibt es wieder Erwarten eine einfache Gaststätte:

Eine willkommene Gelegenheit, die Müsli-Vorräte zu schonen. Schließlich ist das Ziel noch weit weg, es sind noch rund 180 km bis zum Basislager. Zelten auf dem Hof ist kein Problem, am nächsten Morgen gibt es bereits um 7 Uhr ein schmackhaftes Soja-Gericht als Frühstück.
Der Aufstieg auf 2200m gestaltet sich dann recht heftig, es ist eine Cuesta zu bewältigen, so heißen die steilen Abschnitte. Die Straßenoberfläche wird rauher, bleibt aber hart und fahrbar. Allerdings ist jetzt der kleinste Gang gefordert (22/34):

Nach der Cuesta kommt noch einmal eine kleine Oase mit wenigen Hütten (Vega San Andres) , hier bekommt man nochmal Trinkwasser (GPS: RINCON AGUA DULCE), da hätte ich mir die Mühe sparen können, bereits von La Puerta Wasser mit hochzuschleppen. Auch mein Bergführer (Hermann Kiendler, Die Anden, Panico Alpinverlag, ISBN 978-3-936740-36-3 lieferte hierzu falsche Informationen, indem er prophezeite: kein Wasser von Calama bis zum Ojos del Salado! Später wird noch die „Mina Can Can“ am Wegesrand erscheinen (GPS: MINA CAN CAN SA), wo man auch problemlos Wasser bekäme. Es ist kaum nötig, mehr als 5 Liter Wasser dabei zu haben bei der Anfahrt zum Ojos del Salado, da sich genug Gelegenheiten zum Nachfüllen bieten. Außerdem ist auf der Straße für südamerikanische Verhältnisse reichlich Verkehr, mindestens 10-20 Autos am Tag. Die Autofahrer bieten manchmal von sich aus schon Wasser an, wenn man fragt oder eine Flasche hochhält, bekäme man sofort etwas. In der kleinen Oase Vega San Andres treffe ich den Mann der Frau, die den Gasthof in La Puerta führt, er hat gerade für umgerechnet 35 Euro ein Lama erworben, dem das Fell schon abgezogen wurde:

Riesige Steinbrocken säumen die Straße:

Übernachtet wird im Zelt, direkt neben der Straße (Ruta 31), nachts ist sowieso kein Verkehr. Sonnenuntergang ist gegen 18 Uhr 30, morgens wird es um 6 hell. Am nächsten Tag erwartet mich dann der Anstieg von 3000 auf 4300 Meter, das ist die Cuesta Codocedo. Eine gute Karte der Strecke zum Ojos del Salado läßt sich herunterladen aus dem Album, der Link ist: Karte Zum Anschauen muß man sich die Karte herunterladen auf den eigenen Rechner, denn Picasa stellt das Foto nur in Standardauflösung dar und dann ist die Schrift nicht lesbar.
Am Anfang der Cuesta Codocedo ist eine alte Schwefelmine mit schönen Farbenspielen:

Danach geht es steil bergauf von 3600 auf 4300m, die Straße ist relativ schlecht, aber noch fahrbar im kleinsten Gang. Für einen vorbeifahrenden Touristen-Jeep bin ich Film- und Fotomotiv. Den Touristen gruselt es sichtbar, bei der Vorstellung hier radfahren zu müssen. Die Umgebung könnte auch einwandfrei als Set für Filme wie „Lohn der Angst“ dienen. Besonders über 4000m Höhe wird man belohnt mit grandioser Aussicht auf die Berge der Umgebung. Zweifelsohne eine exklusiver Ort für eine Radtour.
Von der Cuesta Codocedo, welche von Copiapo 154 km entfernt ist (es steht ein entsprechendes Schild bei GPS: COPIAPO 154) geht es über eine steile, aber noch fahrbare Abfahrt hinunter zum Salar de Maricunga. Die Bergkette der Tres Cruces wird sichtbar:

Man kommt an einem Ort mit dem vielsagenden Namen Caballo Muerto (Totes Pferd) vorbei, welcher hoffentlich kein schlechtes Omen bedeutet, dort gibt es auch nochmal die Möglichkeit, Wasser aufzufüllen an einem sauberen Rinnsal:
Beeindruckend ist der Salar de Maricunga mit dem Volcan Copiapo im Hintergrund. Diesen Berg, benannt nach der gleichnamigen Stadt, werde ich auch noch besteigen:

Beim Salar de Maricunga ist auch die Grenzstation für den Paso San Francisco installiert, obwohl dieser noch 90 km entfernt ist. Die Paßkontrolle für Ausreisende nach Argentinien muß bereits hier erledigt werden, es ist aber außerordentlich wenig Verkehr dort, die Zöllner boten mir ungefragt an, in der Halle zu übernachten:

Das nahm ich natürlich gerne an, Toiletten gibt es dort auch, gespült wird aber Eimer, denn alles Wasser befindet sich in Tanks und wird per Lkw herangekarrt. Ursprünglich war zwar ein Leitungssystem installiert, wegen der Kälte nachts wird es aber nicht betrieben, weil es immer einfriert.
Es folgt nun der zweite Teil des Postings. Wegen der großen Bilderzahl kommt es bei der Darstellung in einem einzigen Posting zu Fehlern.
Warum der schwere Panzer? Der Anhänger war beladen mit 40 Kilo Ausrüstung plus Wasservorräte (bis zu 15 Liter) und Essen. Das Reiseziel heiligt allerdings die Mittel:
Es handelt sich um den höchsten aktiven Vulkan der Erde, den Ojos del Salado (6891m), gelegen an der chilenisch-argentinischen Grenze auf der Höhe der Stadt Copiapo, das ist der Ort der Schlagzeilen machte wegen der verschütteten Bergleute, die mit deutscher Technik geborgen wurden. Brave Schwarzwaldgipfel wirken im Vergleich zu diesem Berg wie Gutenachtgeschichten, die jungfräulich gebliebene Großmütter Ihren Enkeln erzählen. Diesen kessen Spruch habe ich übrigens nicht selbst erfunden, er stammt aus dem Klappentext der französischen Romanvorlage zum Film „Lohn der Angst“, einem Streifen der die Beförderung von Nitroglyzerin zum Löschen einer brennenden Ölquelle in Südamerika beschreibt. Der Film ist spannend wie Dynamit-es geht darum einen Lkw mit der empfindlichen Ladung heil über holprige Pisten zu steuern. Die Landschaften ähneln denen, die ich durchfahren habe. Der Film ist eine empfehlenswerte Einstimmung für jeden, der zum „Gran Norte“, dem großen Norden Chiles aufbricht, mit dem Ziel Sechstausender zu sammeln. In manchen Situationen kann es nicht schaden, sich an der Hartgesottenheit der Filmdarsteller ein Beispiel zu nehmen. Im Verlaufe der Reise habe ich insgesamt 6 Berge bestiegen, davon drei Sechstausender und drei andere deutlich über 5000m. Für die Berge sind ein sturmfestes Zelt, Schalenschuhe, Steigeisen und reichlich warme Kleidung nötig, daher also keine andere Wahl als ein „Panzerfahrzeug“: Fahrrad mit Anhänger. Es bleibt aber immer noch eine Radreise, die Berge habe ich alle per Rad angefahren, zwischendurch dann immer längere Unterbrechungen für die fußläufige Besteigung der Berge. Ich bin also nicht im falschen Forum gelandet.
Bei der Vorbereitung der Reise war zunächst mal die Reisezeit festzulegen, eine recht schwierige Aufgabe. Grundsätzlich gelten als beste Zeit fürs Bergsteigen im Großen Norden die Monate Januar und Februar. Da ich jedoch bei San Pedro de Atacama den Lincancabur und weitere Berge besteigen wollte, war zu beachten, daß in dieser Gegend ein Mikroklima herrscht, welches vom „bolivianischen Winter“ beeinflußt wird. Dies führt zu heftigen Niederschlägen in ebendiesen Monaten. Deshalb bin ich dann im März-April gefahren. Soweit die Theorie.
Bei der Ankunft in San Pedro präsentierte sich der Lincancabur dann ziemlich stark eingeschneit:
Oha! Da kamen Zweifel auf. Ob das klappen wird, auf diesen Berg raufzukommen? Schneeschuhe hatte ich keine dabei, das hätte den Rahmen des möglichen Gepäcks definitiv gesprengt. Schließlich bin ich nicht mit einem 4x4 sondern einem 2x4 Fahrzeug unterwegs, Leistung 200 Watt (bestenfalls) contra sagen wir mal 100 kW. In San Pedro sagen die Touristenagenturen nur, daß momentan keine Touren zu den „Volcanes“ laufen, denn es läge dort *viel* Schnee. Ich habe mich dann nicht weiter drum gekümmert, denn Berg-Agenturen sind immer so eine Sache, da wird von eleganten Empfangsdamen mit mehr oder weniger Bergerfahrung allerhand erzählt. Üblicher Trick ist auch, den Kunden auf Parkposition zu stellen, indem man sagt, er solle morgen wiederkommen und nochmal fragen. Klar- dann hat die Angentur vielleicht Glück gehabt und noch jemanden gefunden, der auf den Pickel rauf will. Ermutigend wirkte für mich die Tatsache, daß aus der Nähe betrachtet doch immer noch schneefreie Rippen sichtbar waren:
Deshalb bin ich von San Pedro dann erstmal zum Grenzübergang Paso Hito Cajon hochgefahren, eine kernige Paßfahrt von San Pedro (ca. 2500m hoch) auf 4500m Höhe, gut zur Akklimatisierung. Allerdings fast alles auf Asphalt, es handelt sich um die gut ausgebaute Straße zum Paso Jama. Für potentielle Nachahmer noch ein paar Informationen zur Anreise: ich bin mit Delta Airlines nach Santiago geflogen, denn nur die Amerikaner nehmen das viele Gepäck mit:60 kg, 30 kg für den Radkarton mit Schloß, Anhängerfahrwerk und Anhänger-Laufräder, sowie die zweiten 30kg für die Zarges-Alubox des Anhängers, in der die ganze Bergausrüstung war und dann noch 11 kg für einen vollen Berg-Rucksack. Die Zusatzgebühr für das Gepäck liegt bei 300 Dollar (für den Rücktransport wird diese nochmal fällig), für mich vertretbar, denn vor Ort fallen kaum Kosten an, in den Bergen kann man notgedrungenerweise kein Geld ausgeben. Von Santiago aus geht es dann per Bus nach Calama. Beim Bus ist es so geregelt, daß man beliebig viel Gepäck haben kann, man bezahlt ein Zusatzgeld, welches der Fahrer festlegt. Die Gebühr ist aber moderat, liegt bei etwa 20 Euro für 2000 km Busfahrt. Dieses Zusatzgeld darf die Busbesatzung (Fahrer und Ladeschaffner) behalten, daher ist man mit Gepäck gerne gesehen und wird zuvorkommend behandelt. In Calama gab es beim Auspacken des Anhängers noch einen Begrüßungs-Schock. An der Alukiste war an der Stelle der Befestigung der Deichsel ein Riß entstanden, dieser war zuhause nicht aufgefallen, da die Stelle nur bei abgenommer Deichsel sichtbar wird. In Calama fand ich jedoch eine Hinterhof-Autowerkstatt mit angeschlossenem Schrotthandel. Einen Bohrer mußte ich mir selbst anschleifen auf einer abenteuerlichen Schleifmaschine, die von einer Auto-Lichtmaschine angetrieben wurde. Dann konnte ich ein robustes Winkelblech über die Stelle nieten.
Vom Grenzübergang Hito Cajon (dort ist auch das erste Bild dieses Beitrags vor dem Zollgebäude/Migracion Bolivia entstanden) sind es dann nur ein paar Kilometer bergab zum Refugio Laguna Verde, welches von der bolivianischen Naturparkbehörde betrieben wird (Parque Nacional Eduardo Avaroa). Dort kann man übernachten und vor allen Dingen Trinkwasser bekommen, denn die Laguna Verde ist ein Salzsee-das Wasser ist ungenießbar. Im Refugio ist auch ein bolivianischer Bergführer, welcher einen uralten Landcruiser hat (Blattfedern teilweise mit Draht selbst zusammengebunden). Der Führer bewundert meine Ausrüstung und eventuelle Probleme erledigen sich von selbst: er ist nicht scharf auf eine Besteigung des Lincancabur, so vereinbaren wir, daß er mich für 40 Dollar um 6 Uhr morgens die 17 km zur Basis fährt und ich mache den Berg alleine, was natürlich viel billiger ist und zunächst mal a priori angenehmer für mich, denn ich vermute/befürchte daß der Führer viel besser akklimatisiert ist und ich deswegen kaum eine Chance gegen ihn hätte. Später wird sich noch zeigen, Bergführer sind nicht immer so schnell wie vermutet. Ich beschließe, den Berg in 2 Tagen zu machen, mit Hochlager auf etwa 5200m. Dies ist unbedingt nötig, denn die Führer starten mit Touristen in der Dunkelheit um 3 Uhr morgens, was ich mir allein nicht erlauben kann, da ich den Weg nicht kenne und daher bei Dunkelheit kaum gute Fortschritte machen würde, außerdem ist es nicht ganz ungefährlich, denn die Umgebung ist recht ruppig:
Man muß dabei auch bedenken: es gibt keinen festen Pfad. Den Weg an solch einem Berg wählt man selber, das geht bei Dunkelheit schlecht. Für die Nachahmer noch die wichtige Information: den Berg niemals von Chile aus besteigen, dort liegen noch Minen aus der Pinochet-Ära. Von Bolivien aus ist es aber völlig ungefährlich. Auf obigem Bild sieht man unterhalb des Berges links die Laguna Verde liegen.
Das Schneeproblem entschärft sich. Die Schneedecke ist relativ fest, das ist zusammengepappter Schnee, der jeden Tag antaut. Daher sinkt man nicht allzu tief ein. Die Steigeisen helfen auch, geben etwas Auftrieb, da die Zacken zusätzliche Fläche bieten. Deshalb geht der Plan auf, ich erreiche am zweiten Tag gegen Mittag den Gipfel (5914m).
Dort ist an sich ein interessanter Kratersee zu sehen, welcher allerdings dieses Jahr völlig eingeschneit und vereist ist. Auf einen Abstieg in den Krater verzichte ich, ich hatte auch ausgemacht mit dem Führer, daß ich abends zurück komme ins Refugio. Daher wollte ich nicht einen dritten Tag anhängen, um nicht eine eventuelle Suchaktion zu provozieren. Ein schweizerischer Tourist, der auch im Refugio nächtigte und sich als Bergführer ausgab, hatte mir einen peinvollen Anstieg prophezeit, wegen mangelnder Akklimatisation, dies konnte ich nicht nachvollziehen. Es war natürlich kein Spaziergang, aber durchaus machbar und vor allen Dingen nicht peinvoll sondern wahnsinnig interessant. Zum Wetter auch noch einige Infos. Bei der Besteigung hatte ich Glück, an beiden Tagen blieb es trocken. An den beiden Tagen zuvor gab es Regen (lluvia) und Gewitter (tormenta) ab 15 Uhr, davon blieb ich am Berg verschont. Die ganzen Wetter-Theorien, die ich eingangs erklärt habe, sind also nur Richtschnüre und keine „Gutwetter-Garantie“. Der etwas neunmalkluge schweizerische Bergführer meinte, es sei normal für die Jahreszeit, daß so viel Regen falle, schließlich seien wir auf der Südhalbkugel. Später jedoch habe ich von Leuten erfahren: keineswegs, das war ein Ausreißer. Im weiteren Verlauf der Reise sollten das sogar meine einzigen Regentage bleiben, lediglich am letzten Reisetag bei Santiago gab es nochmal Nässe. Schweizer Bergführer haben also nicht immer Recht. Nach der Besteigung hatte ich noch doppeltes Glück beim Abstieg. Es gab ein interessantes Tier zu sehen, eine lagartija (Eidechse):
und danach traf ich den bolivianischen Bergführer auf halben Rückweg in der Ebene, so daß ich bequem wieder ins Refugio kam-per 4x4. Im Refugio dann eine bolivianische Gemüsesuppe, welche zwar wohlschmeckend, aber nicht sauber war. Quittung war ein Durchfall, der sich gewaschen hatte. Ich fuhr wieder zurück nach San Pedro und schaltete dort zwei Ruhetage im Hotel ein, um den Durchfall loszuwerden. Dies gelang aber nur unvollständig, am dritten Tag fuhr ich dann einfach weiter, in der Vermutung, daß die Hitze in der Atacama-Wüste beim Besiegen des Durchfalls helfe, einfach indem der Körper sich wohl bei Hitze eher dazu besinnen würde, mit dem Wasser etwas Vernünftigeres zu machen als es immer gleich auszuscheiden. Die Rechnung ging auf, mittags war das Thema erledigt.
Das nächste Ziel sollte der Vulkan Pili sein, ein überaus formschöner Berg, der dann auch höher als 6000m ist:
Allerdings hatte ich mir das zu leicht vorgestellt. Der Anmarsch zur Basis des Pili stellt das unterschätzte Problem dar. Es führt zwar eine Straße zur Ortschaft Talabre, von der aus die Besteigung unternommen wird. In Talabre habe ich dann 15 Liter Wasser getankt, in der Annahme, es gebe weiter oben kein Wasser, so stand es auch im Reiseführer. Das war jedoch eine falsche Angabe. Bei MEGAPOZO gibt es noch eine üppige Wasserstelle, die Ortschaft Talabre bezieht nämlich ihr Wasser aus einem kunstvoll gebauten Leitungsnetz. Die Verteiler sind offen zugänglich:
Hinweis: Groß geschriebene Wörter sind ein Hinweis auf meine Wegpunkte-Datei, welche
hier herunterladbar ist. Dort ist auch der komplette Track der Reise hinterlegt. Mit diesem Track wurde das Geotagging der Fotos durchgeführt. Die Nachahmer können also genaue Informationen zur Tourplanung auf den Bergen erhalten. Auch noch ein Hinweis zum Bilderalbum in Picasa-Webalben. Mit dem Internet-Explorer läuft Picasa nicht richtig unter Windows 7. Es erscheint die Meldung „Stack overflow in Line 0“ und die Foto-Orte werden nicht angezeigt. Mit Firefox läuft Picasa hingegen einwandfrei und viel schneller. Noch ein technischer Hinweis zur Landkarte. Ich habe für die ganze Reise die kostenlose opensource-Karte von viajerosmapas.com, herunterladbar hier benutzt. Die Karte ist einwandfrei, bietet Höhenlinien und reicht für die Reiseplanung voll aus. Wer sich bei Garmin noch kostenlos Basecamp oder Mapsource herunterlädt (diese Programme sind frei verfügbar), der kann mit meinem Track also die Reise auf der Karte verfolgen, ohne dafür irgendeine Software anschaffen zu müssen.
Ich hatte also schon mal viel Kraft unnötig vergeudet, indem ich Wasser hunderte Höhenmeter unnötig bergauf geschleppt habe. Die Straße endet etwa 12 km vor dem Pili. Ich hatte vor, einfach querfeldein weiter zum Berg zu gehen. Der Berg ist jedoch nicht mehr sichtbar am Ende der Straße. So stellte sich heraus, daß ich den Anmarsch im falschen Tal begonnen hatte. Zudem wurde absehbar, daß die mitgeführte Nahrungsmenge nicht ausreichen würde. Als Nahrung in den Bergen habe ich übrigens immer Müsli und Milchpulver verwendet. Das Müsli muß man in größeren Städten kaufen, ich habe meins aus Calama mitgebracht. Man muß darauf achten, echtes Müsli zu bekommen (in Chile hat die Marke „Quaker“ ein quasi Monopol dafür), Cornflakes und Co. haben weit weniger Kalorien und können keine Kraft geben für die Berge. Gut geeignet sind auch Haferflocken („avena instantanea“) welche man mit Rosinen aufwerten kann. Koch-Aktionen kann man in den Bergen vergessen, dafür ist es zu windig. Müsli ist ideal, da es keine Zubereitung benötigt.
Wegen des Fehlstarts beschloß ich daher, den einfacheren Berg Lascar zu machen. Der Anstieg war unproblematisch, ein Hochlager war erforderlich, weil ich durch den Fehlstart bereits etliche Zeit verloren hatte. Der Gipfel ist ein sehr weitläufiger Krater (im Hintergrund der Pili):
Beim Anstieg gibt es eine schöne Aussicht auf den Pili:
Kurz vor dem Gipfel ist ein steiler Abschnitt mit vereisten Schneeresten zu überwinden, Steigeisen sind nützlich.
Der Abstieg ist etwa 3 Stunden zu schaffen, dabei probierte ich auch schon mal meine Sistech-Solaranlage mit flexiblem Solarmodul Chepre aus:
Im Rucksack ist eine Li-Ion Pufferbatterie, mit welcher dann abends im Zelt GPS, Foto und Kopfbandleuchte aufgeladen werden können. Aufgrund der großen Fläche der Solarzelle bekommt man an einem Nachmittag genug Strom für das Aufladen von etwa 5-6 Mignonzellen. Sehr günstig ist die flexible Ausführung der Solarzelle, diese ist dadurch optimal für Outdoor-Einsatz geeignet. Durch eine spezielle Beschichtung werden die eingefangenen Sonnestrahlen im Innern der Zelle mehrfach reflektiert, was zu hoher Ausbeute führt, der Wirkungsgrad ist ähnlich dem von gläsernen Solarzellen (sog. Triple Junction Technologie). Also sehr empfehlenswert, besonders für Wandern/Bergsteigen oder für langsames Radfahren im Gelände, wo ein Nabendynamo niemals genug Strom zum Aufladen von Batterien liefern würde.
Spät abends kam ich dann an meinem Zeltplatz an, wo ich das Fahrrad und den Anhänger in einer Senke versteckt hatte. Nach dem spartanischen Hochlager in der Kälte auf 5000 m Höhe war die Übernachtung im komfortablen Macpac Kuppelzelt eine Wohltat:
Fazit vom Pili-Versuch: der Berg ist durchaus noch machbar. Man muß aber den Anmarsch besser planen, evtl. eine gedruckte Karte der Gegend besorgen. Vor allen Dingen: Wasser erst spät bei MEGAPOZO auffüllen, dafür viel Nahrung mitnehmen. Am Pili selbst ist dann Wasser kein Problem mehr, da genug Schnee zum Schmelzen mit dem Kocher da ist.
Mittlerweile war auch der weitere Reiseverlauf klar geworden. Zunächst hatte ich vor, den Lullaillaco (6739m) als nächsten Berg in Angriff zu nehmen. Die Anreise führt über den ca. 120km entfernten Paso Socompa und danach sind es nocheinmal 60 km über extrem versandete Pisten. Wasser ist ein großes Problem. Man müßte 20 Liter dabei haben, insbesondere wenn man die Gegend nicht kennt. Nach den Erfahrungen beim Pili wurde klar: diese Unternehmung würde viel Zeit beanspruchen, der Erfolg wäre fraglich. Interessiert war ich vor allen Dingen an den Erfahrungen mit der Höhenluft an einem wirklich hohen Berg. Deshalb aktivierte ich den bereits zuhause ausgearbeiteten Ersatz-Plan. Ich beschloß die Gegend bei San Pedro zu verlassen, um 1000 km weiter südlich in der Gegend von Copiapo den Ojos del Salado (6891m) zu besteigen. Zum einen ist der Berg noch höher als der Lullaillaco und bietet am Gipfel noch eine Kletterei im 3. Grad. Bergsteigerisch also ein interessanterer Berg. Zum anderen prophezeite das Internet hier eine vergnügliche Anfahrt über super asphaltierte Straßen. Da der Berg ohnehin schwer war, erschien es mir vernünftig bei der Anreise eine „leichte“ Variante zu wählen. Das wird dann aber später ganz anders aussehen... Ein weiteres Risiko war das Wetter. Meine Reisezeit war ja eigentlich auf das Mikroklima in der Region San Pedro de Atacama/Paso Socompa ausgelegt. Im mittleren Teil Chile (Copiapo und Region Santiago), welcher 1000 km weiter südlich liegt, ist hingegen der Sommer schon weiter fortgeschritten und der Winter klopft an die Tür. Laut Reiseführer sollte die Gegend bei Copiapo noch so gerade eben tragbar sein, in der Region Santiago hingegen bereits seien winterliche Bedingungen zu erwarten. Beim Ojos del Salado (Gegend von Copiapo) war also durchaus ein Wetter-Risiko dabei.
Ich entschloß mich aber, dieses zu ignorieren und fuhr dann von Talabre die Schotterstraße (welche ich bergauf geschoben hatte) zügig herunter, auf dem Anhänger lief das Solarkraftwerk auf Hochtouren, da ab 10 Uhr die Sonne in der Atacama-Wüste richtig heftig scheint:
Bei solchen Sonnen-Etappen bewährte sich ein Bettlaken mit einem Loch in der Mitte hervorragend. Dieses habe ich mir über den Kopf geworfen, ansonsten am Körper nur eine Radhose (mit Sitzpolster). Der Vorteil dabei: das Laken wirkt wie ein Sonnenschirm. Darunter zirkuliert die Luft, dadurch wird die Sonne ferngehalten, aber es bildet sich nicht ein warmes Mikroklima, wie es bei Kleidung aller Art entsteht. Dieses Prinzip wenden auch die Touaregs an: in der Sahara trägt niemand enge Kleidung wie wir in Europa, man wickelt sich in weitläufige Tücher ein. Ganz ohne Sonnenschutz fahren geht auch nicht, da müßte man den ganzen Körper einreiben mit Sun-Blocker, das ist teuer und schmierig und wirkt immer noch nicht so gut wie ein Stück Stoff. Ohne den Sonnenschutz heizte sich übrigens der schwarze Stoff meiner Radhose binnen kürzester Zeit unerträglich auf. Hier ein Bild dieser exklusiven Bekleidung (das Bild entstand später bei der Anfahrt zum Ojos del Salado):
Auf der Landstraße in der Atacama-Wüste wird man von den Insassen der Autos mitleidig angesehen, über die Mittagszeit von 13 bis 16 Uhr etwa verkriechen sich alle in die Häuser. Ohne Sonnenschutz würde Radfahren dann kaum gehen. Hilfreich ist aber die extreme Trockenheit der Luft. Schwitzen tut man kaum, jedenfalls nicht fühlbar, denn der Schweiß verdunstet sofort. Deshalb funktioniert die „natürliche Klimaanlage“ hervorragend und man hält es im Schatten (unter dem Bettlaken) gut aus.
In San Pedro stand an der Zollstation ein interessanter Schwertransport:
Der Transport wird dann weiter zum Paso Jama gefahren sein, also muß die Lok von 2500 m Höhe hinauf auf 4600m, auf der Straße, die ich für die Anfahrt zum Lincancabur benutzt habe. Da werden einige Liter Diesel verbraucht werden.
Am nächsten Tag ging es dann morgens per Bus nach Calama. Die Fahrt dauert 12 Stunden, bei Ankunft konnte ich mir also noch ein Hotel suchen, es war allerdings schon dunkel. Am Busbahnhof zunächst Zusammenbau von Fahrrad und Anhänger, dann Hotelsuche, das gefundene Etablissement war allerdings recht unverschämt. Preis etwa 35 Euro, was in Chile schon teuer ist, dafür aber ein Leichtbau-Hotelzimmer vom Typ Baracke, die verzogene Tür konnte nicht verschlossen werden. In der Dusche gab es Schnecken als Zugabe:
Das Frühstück bestand aus knallharten Fladenbrötchen, serviert von der toupierten Dame des Hauses, welche für die Zubereitung einer heißen Milch eine Viertelstunde brauchte. Aus dem Geotag kann der Nachahmer die Koordinaten dieses Etablissements gewinnen. Vorteil solcher „einfachen“ Hotels ist, daß man das Rad inklusive Anhänger mit ins Zimmer nehmen darf, so kann man bequem alles auspacken und sich reorganisieren.
Am nächsten morgen kaufe ich dann im „Lider“ (das ist die größte Supermarktkette in Chile) 15 Packungen Müsli („con uvas“, mit Rosinen), und ein Kilo Milchpulver. Auch noch etwas Obst, das wird es auf der Fahrt zum Paso San Francisco nicht mehr geben.
An der Ortsausfahrt von Copiapo lagern die Überreste der Industriegesellschaft:
Die Landschaft wandelt sich schnell zur Wüste, ich fülle die Dromedary Bags beim Pförtner einer de zahlreichen Minen mit reichlich Wasser.
Die Straße ist zwar nicht mehr asphaltiert, aber hat eine gesalzene harte Oberfläche und läßt sich daher gut fahren.
Am ersten Tag erreiche ich den Ort La Puerta, gelegen auf 1700m Höhe, das macht von Copiapo aus schon etwa 1300 geschaffte Höhenmeter auf dem Weg zum 6891 m hohen Berg. In La Puerta gibt es wieder Erwarten eine einfache Gaststätte:
Eine willkommene Gelegenheit, die Müsli-Vorräte zu schonen. Schließlich ist das Ziel noch weit weg, es sind noch rund 180 km bis zum Basislager. Zelten auf dem Hof ist kein Problem, am nächsten Morgen gibt es bereits um 7 Uhr ein schmackhaftes Soja-Gericht als Frühstück.
Der Aufstieg auf 2200m gestaltet sich dann recht heftig, es ist eine Cuesta zu bewältigen, so heißen die steilen Abschnitte. Die Straßenoberfläche wird rauher, bleibt aber hart und fahrbar. Allerdings ist jetzt der kleinste Gang gefordert (22/34):
Nach der Cuesta kommt noch einmal eine kleine Oase mit wenigen Hütten (Vega San Andres) , hier bekommt man nochmal Trinkwasser (GPS: RINCON AGUA DULCE), da hätte ich mir die Mühe sparen können, bereits von La Puerta Wasser mit hochzuschleppen. Auch mein Bergführer (Hermann Kiendler, Die Anden, Panico Alpinverlag, ISBN 978-3-936740-36-3 lieferte hierzu falsche Informationen, indem er prophezeite: kein Wasser von Calama bis zum Ojos del Salado! Später wird noch die „Mina Can Can“ am Wegesrand erscheinen (GPS: MINA CAN CAN SA), wo man auch problemlos Wasser bekäme. Es ist kaum nötig, mehr als 5 Liter Wasser dabei zu haben bei der Anfahrt zum Ojos del Salado, da sich genug Gelegenheiten zum Nachfüllen bieten. Außerdem ist auf der Straße für südamerikanische Verhältnisse reichlich Verkehr, mindestens 10-20 Autos am Tag. Die Autofahrer bieten manchmal von sich aus schon Wasser an, wenn man fragt oder eine Flasche hochhält, bekäme man sofort etwas. In der kleinen Oase Vega San Andres treffe ich den Mann der Frau, die den Gasthof in La Puerta führt, er hat gerade für umgerechnet 35 Euro ein Lama erworben, dem das Fell schon abgezogen wurde:
Riesige Steinbrocken säumen die Straße:
Übernachtet wird im Zelt, direkt neben der Straße (Ruta 31), nachts ist sowieso kein Verkehr. Sonnenuntergang ist gegen 18 Uhr 30, morgens wird es um 6 hell. Am nächsten Tag erwartet mich dann der Anstieg von 3000 auf 4300 Meter, das ist die Cuesta Codocedo. Eine gute Karte der Strecke zum Ojos del Salado läßt sich herunterladen aus dem Album, der Link ist: Karte Zum Anschauen muß man sich die Karte herunterladen auf den eigenen Rechner, denn Picasa stellt das Foto nur in Standardauflösung dar und dann ist die Schrift nicht lesbar.
Am Anfang der Cuesta Codocedo ist eine alte Schwefelmine mit schönen Farbenspielen:
Danach geht es steil bergauf von 3600 auf 4300m, die Straße ist relativ schlecht, aber noch fahrbar im kleinsten Gang. Für einen vorbeifahrenden Touristen-Jeep bin ich Film- und Fotomotiv. Den Touristen gruselt es sichtbar, bei der Vorstellung hier radfahren zu müssen. Die Umgebung könnte auch einwandfrei als Set für Filme wie „Lohn der Angst“ dienen. Besonders über 4000m Höhe wird man belohnt mit grandioser Aussicht auf die Berge der Umgebung. Zweifelsohne eine exklusiver Ort für eine Radtour.
Von der Cuesta Codocedo, welche von Copiapo 154 km entfernt ist (es steht ein entsprechendes Schild bei GPS: COPIAPO 154) geht es über eine steile, aber noch fahrbare Abfahrt hinunter zum Salar de Maricunga. Die Bergkette der Tres Cruces wird sichtbar:
Man kommt an einem Ort mit dem vielsagenden Namen Caballo Muerto (Totes Pferd) vorbei, welcher hoffentlich kein schlechtes Omen bedeutet, dort gibt es auch nochmal die Möglichkeit, Wasser aufzufüllen an einem sauberen Rinnsal:
Beeindruckend ist der Salar de Maricunga mit dem Volcan Copiapo im Hintergrund. Diesen Berg, benannt nach der gleichnamigen Stadt, werde ich auch noch besteigen:
Beim Salar de Maricunga ist auch die Grenzstation für den Paso San Francisco installiert, obwohl dieser noch 90 km entfernt ist. Die Paßkontrolle für Ausreisende nach Argentinien muß bereits hier erledigt werden, es ist aber außerordentlich wenig Verkehr dort, die Zöllner boten mir ungefragt an, in der Halle zu übernachten:
Das nahm ich natürlich gerne an, Toiletten gibt es dort auch, gespült wird aber Eimer, denn alles Wasser befindet sich in Tanks und wird per Lkw herangekarrt. Ursprünglich war zwar ein Leitungssystem installiert, wegen der Kälte nachts wird es aber nicht betrieben, weil es immer einfriert.
Es folgt nun der zweite Teil des Postings. Wegen der großen Bilderzahl kommt es bei der Darstellung in einem einzigen Posting zu Fehlern.