Posted by: joeyyy
Re: Vom Pilgern mit dem Fahrrad - eine Herbstreise - 05/26/16 07:57 PM
...weiter geht's 
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8.10.2015 – Aus den Pyrenäen nach Pamplona oder: You are not in Spain!
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Ich wusste gar nicht, dass ich bereits seit Bayonne pilgere. Auf dem Jakobsweg. Na, mein Ziel ist ja auch Santiago de Compostela. Ich bin gespannt, ob ich mich von der Pilgerstimmung hier einfangen lassen kann. Bisher habe ich zwar ein paar Zeichen gesehen, aber noch nicht viel mitbekommen.
Heute sitze ich schon um neun auf dem Rad und fahre eine Via Verde über eine stillgelegte Eisenbahnstrecke. Es regnet zwar nicht mehr, aber es ist kalt und neblig. Ich freue mich auf die Wärme in der spanischen Ebene. Nach rund zehn Minuten habe ich alle Regenklamotten an, die ich in den Packtaschen finden konnte. Gamaschen für Hände und Füße, Regenhose, Regenjacke. Zum Glück geht es nur sanft bergauf, so dass mir nicht warm und kalt zugleich wird.
Mir wird immer wieder verdeutlicht, dass ich weder durch Frankreich noch durch Spanien fahre sondern durch Pais Vasco. Durch das Baskenland. Mit „Land“ meinen die hier aber nicht so etwas wie das Wendland oder das Rheinland sondern eher so etwas wie Deutschland. Die Ortsnamen, die Sprache, die Kleidung, ja sogar der Schriftschnitt vieler Firmen, Plakate, Hotels, Bars und sonstiger Schilder ist baskisch. Mir gefällt das. Die Basken sind Rebellen auf unauffällige, aber deutliche Weise. Mich erinnert das an meine Tour durch Bayern, wo die Bauern auch rebellisch sind und sich gegen die Vorgaben aus Brüssel auflehnen. Mir san mir – das heißt dort nicht nur, dass alle anderen die Bayern mal sonstwas können sondern eben auch, dass sie sich nicht weichspülen oder konformieren lassen.
Manchmal wäre ich auch gern Teil einer besonderen Volksgruppe mit ihren Besonderheiten. Bin ich nicht. Hannover – normaler und standardisierter geht’s wohl kaum mehr. Jeder, der damit etwas Besonderes darstellen will, macht sich lächerlich. Außer – halt! Das „Nichts Besonderes“ ist es, was die Niedersachsen ausmacht. Sie sind irgendwie so „mittel“, was ja immer auch als „golden“ gesehen wird. Oder als angemessen. Gut, damit kann ich leben. Es hat doch auch etwas, wenn ich jetzt nicht über ein nicht angemessenes Zurschaustellen von kulturellen Besonderheiten einer Minderheit, die quichotin um die Unabhängigkeit kämpft, permanent mit missionarischem Eifer die Mehrheit der Menschheit mit meinen Zielen bedrängen muss. Kurz: Es ist durchaus vorteilhaft, Niedersachse zu sein.
Nun pedaliere ich die Berge hoch. Auf Höhe 850 Meter habe ich den höchsten Pass hier erreicht. Ja, und es ist kalt. Jetzt ziehe ich bergab auch noch die Handschuhe drunter. Und ich fahre auf der Südseite der Pyrenäen bergab, so dass die Sonne mich ein wenig wärmen kann.
Gegen fünf Uhr nachmittags erreiche ich Pamplona und entscheide, noch eine Nacht in einer Herberge zu schlafen. Hier nun fängt mich der Geist des alten Jakob ein. Mein Großvater hieß übrigens auch Jakob – Opa, ich denk‘ an dich! In der für die Encierros, die Stierläufe zum Fest Sanfermines, berühmten Hauptstadt Navarras gibt es viele Kirchen, Klöster, Muschelzeichen und in der Innenstadt: Wanderer, Pilgerer. Mein GPS führt mich zu einer Albergue Peregrino, wo ich für 14 Euro ein Bett in einem 20-Betten-Zimmer bekomme. Mit Frühstück zwischen 6:30 und 8:15 Uhr. Um 8:30 Uhr muss ich draußen sein. Das sind die Bedingungen. Der Pilger-Biorhythmus ist definitiv nichts für mich. Aber die heiße Dusche und die freundlichen Leute laden mich gerade zu ein, das mal auszuprobieren. Am Abend schaue ich mir noch ein wenig Pamplona – sorry, Basken: Iruña – an und genieße den lauen Abend zwischen den vielen Leuten, die hier drinnen und draußen sitzen und dieses wunderbare mediterrane Flair versprühen.
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Mehr Bilder gibt es hier (klick)
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Fortsetzung folgt.
Gruß
Jörg.

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8.10.2015 – Aus den Pyrenäen nach Pamplona oder: You are not in Spain!
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Ich wusste gar nicht, dass ich bereits seit Bayonne pilgere. Auf dem Jakobsweg. Na, mein Ziel ist ja auch Santiago de Compostela. Ich bin gespannt, ob ich mich von der Pilgerstimmung hier einfangen lassen kann. Bisher habe ich zwar ein paar Zeichen gesehen, aber noch nicht viel mitbekommen.
Heute sitze ich schon um neun auf dem Rad und fahre eine Via Verde über eine stillgelegte Eisenbahnstrecke. Es regnet zwar nicht mehr, aber es ist kalt und neblig. Ich freue mich auf die Wärme in der spanischen Ebene. Nach rund zehn Minuten habe ich alle Regenklamotten an, die ich in den Packtaschen finden konnte. Gamaschen für Hände und Füße, Regenhose, Regenjacke. Zum Glück geht es nur sanft bergauf, so dass mir nicht warm und kalt zugleich wird.
Mir wird immer wieder verdeutlicht, dass ich weder durch Frankreich noch durch Spanien fahre sondern durch Pais Vasco. Durch das Baskenland. Mit „Land“ meinen die hier aber nicht so etwas wie das Wendland oder das Rheinland sondern eher so etwas wie Deutschland. Die Ortsnamen, die Sprache, die Kleidung, ja sogar der Schriftschnitt vieler Firmen, Plakate, Hotels, Bars und sonstiger Schilder ist baskisch. Mir gefällt das. Die Basken sind Rebellen auf unauffällige, aber deutliche Weise. Mich erinnert das an meine Tour durch Bayern, wo die Bauern auch rebellisch sind und sich gegen die Vorgaben aus Brüssel auflehnen. Mir san mir – das heißt dort nicht nur, dass alle anderen die Bayern mal sonstwas können sondern eben auch, dass sie sich nicht weichspülen oder konformieren lassen.
Manchmal wäre ich auch gern Teil einer besonderen Volksgruppe mit ihren Besonderheiten. Bin ich nicht. Hannover – normaler und standardisierter geht’s wohl kaum mehr. Jeder, der damit etwas Besonderes darstellen will, macht sich lächerlich. Außer – halt! Das „Nichts Besonderes“ ist es, was die Niedersachsen ausmacht. Sie sind irgendwie so „mittel“, was ja immer auch als „golden“ gesehen wird. Oder als angemessen. Gut, damit kann ich leben. Es hat doch auch etwas, wenn ich jetzt nicht über ein nicht angemessenes Zurschaustellen von kulturellen Besonderheiten einer Minderheit, die quichotin um die Unabhängigkeit kämpft, permanent mit missionarischem Eifer die Mehrheit der Menschheit mit meinen Zielen bedrängen muss. Kurz: Es ist durchaus vorteilhaft, Niedersachse zu sein.
Nun pedaliere ich die Berge hoch. Auf Höhe 850 Meter habe ich den höchsten Pass hier erreicht. Ja, und es ist kalt. Jetzt ziehe ich bergab auch noch die Handschuhe drunter. Und ich fahre auf der Südseite der Pyrenäen bergab, so dass die Sonne mich ein wenig wärmen kann.
Gegen fünf Uhr nachmittags erreiche ich Pamplona und entscheide, noch eine Nacht in einer Herberge zu schlafen. Hier nun fängt mich der Geist des alten Jakob ein. Mein Großvater hieß übrigens auch Jakob – Opa, ich denk‘ an dich! In der für die Encierros, die Stierläufe zum Fest Sanfermines, berühmten Hauptstadt Navarras gibt es viele Kirchen, Klöster, Muschelzeichen und in der Innenstadt: Wanderer, Pilgerer. Mein GPS führt mich zu einer Albergue Peregrino, wo ich für 14 Euro ein Bett in einem 20-Betten-Zimmer bekomme. Mit Frühstück zwischen 6:30 und 8:15 Uhr. Um 8:30 Uhr muss ich draußen sein. Das sind die Bedingungen. Der Pilger-Biorhythmus ist definitiv nichts für mich. Aber die heiße Dusche und die freundlichen Leute laden mich gerade zu ein, das mal auszuprobieren. Am Abend schaue ich mir noch ein wenig Pamplona – sorry, Basken: Iruña – an und genieße den lauen Abend zwischen den vielen Leuten, die hier drinnen und draußen sitzen und dieses wunderbare mediterrane Flair versprühen.
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Fortsetzung folgt.
Gruß
Jörg.