Re: Trainingsumfang

Posted by: veloträumer

Re: Trainingsumfang - 11/25/08 01:00 PM

Ob jetzt neuer oder alter Thread, das Problem der Defintion Grundlagenausdauer bleibt und auch das Problem der eigenen Ansprüche, von welchem Niveau man im folgenden Jahr in die Saison starten will - oder ist gar der Saisonhöhepunkt gemeint?

Zu den eigenen Erfahrungen:
Die Rolle, die ich mal gekauft habe, wird quasi nie benutzt, evtl. 1-2mal im Winter. Meine Motivation in der Wohnung Schweißperlen zu erzeugen, ist eben sehr gering. Ich bin ein Landschaftsfahrer. Daher kann ich auch meistens nichts mit Nachtfahrten anfangen. Es fehlen mir einfach die positiven Reize, ich bin ein sehr optischer Mensch.

Winterradfahren ist für mich sehr hart. Ich habe in den letzten Jahren die Schmerzgrenze zwar nach unten gesenkt, es reicht aber noch immer nicht mich in die Fraktion der harten Winterfahrer einzureihen - sofern man hier manche Forumspostings als Grundlage nimmt. Das letzte Wochenende z.B. war für mich nicht fahrbar - zu kalt bei zu starkem Wind.

Da ich überwiegend bergige Strecken fahre, brauche ich auch mehr Luft als manch engagierter Winterflachfahrer. Ein über längere Zeit sehr tiefe Atmung bei niedrigen Temperaturen belastet aber die Atemwege sehr stark. Erkranken diese, war die Trainingseinheit garantiert kontraproduktiv. Da nutzen dann auch beste Winterklamotten nichts. Mir sind auch einige Forumsmitglieder bekannt, denen die Kälte weniger ausmacht, d.h. die im Winter einen geringeren Leistungsabfall verzeichnen. - Eben: nicht jeder Mensch ist gleich.

Meine Trainingseinheiten verlaufen daher übers Jahr hinweg sehr asymmetrisch. Es ist schon vorgekommen, dass ich in vier Monaten keine 300 km geschafft habe (nicht-sportlicher täglicher Arbeitsweg ausgenommen), obwohl die Jahresleistung letztlich über 10.000 km gelegen hat. Viele Winterflachrunden statt Berge helfen mir nicht wirklich. Nur wenn ich auch ordentlich Berge trainieren kann, spüre ich meine Kondition sich bessern.

Ich meine, es ist mir früher (weil jünger) leichter gefallen, nach der Winterpause an das Leistungsniveau des Vorjahres anzuknüpfen. Ich muss also immer mehr tun um dran zu bleiben. Das Alter halt. entsetzt

Was nun Grundlagenausdauer bedeutet, vermag ich gar nicht nachzuvollziehen. Ich steigere mich halt jedes Jahr von einem gewissen Leistungsniveau aus, hoffe zur großen Sommerreise (Mitte Juni) auf ein recht hohes Niveau zu kommen (weil die nicht nur der schönste sondern auch der schwerste Höhepunkt des Jahres ist). Irgendwann im Laufe der Sommertour bzw. irgendwann auch noch danach erreiche ein sog. Maximumlevel. 6-8 Wochen nach der großen Sommertour verliere ich dann wieder an Leistungsvermögen, weil ich weniger fahren kann. Davon sind natürlich tägliche Schwankungen unbenommen, es ist halt nur ein Trend. Sinken die Temperaturen auf ein Level, wo die Atmung schon schwerer fällt, sinkt auch das Leistungsvermögen deutlicher. Es ist nicht ganz klar, ob ich an eine wärmeren Ort gebeamt, urplötzlich wieder alte Stärke erreichen würde oder ob ich auch dort erst wieder einen längeren Aufbau bräuchte.

Noch allgemein zum Indoor-Training:
Lance Armstrong gilt als einer der Härtesten unter den Profiradlern, was Indoor-Spinning angeht. Man sagt, dass die Trainingseinheiten eines Jan Ullrich u.a. im Winter nicht ausgereicht hätten um Armstrong zu schlagen. Armstrong hat grundsätzlich im Frühjahr auf einem höheren Niveau begonnen als Ullrich (trotz Trainingscamps in Südafrika, Lanzarote etc.). Intensiv genutzt, glaube ich schon, das sich auch über das Indoor-Training ein höheres Leistungsniveau für den Saisonstart erzielen lässt. Aber es klafft dann immer noch eine Lücke zur tatsächlichen Höchstleistung - die kann man nur unter Freiluftbedingungen im Nicht-Winter erzielen. (Dopingwirkungen hier mal rausgerechnet.)

Anmerkung: Ich betreibe keinen Leistungssport und habe ihn auch nie betrieben. Ich trainiere eigentlich nur deswegen viel, um diese tollen Bergtouren bewältigen zu können, die ich sonst nicht erleben könnte. Ich habe auch erst 2002 mit so etwas wie systemtischen Trainingsrunden und einem Jahresplan angefangen - im Ausblick darauf meinen ersten 2000er-Pass zu fahren. Mittlerweile ist es eine ganze Latte davon. Mit Rumsitzen geht das eben nicht, im Alter schon gar nicht.