Re: Erfahrungen Ostseeküstenradweg

Posted by: HelmutHB

Re: Erfahrungen Ostseeküstenradweg - 01/17/10 11:46 AM

Hallo Ray,

ich bin im September 2004 mit einem Freund den Ostseeradweg von Wismar bis zur polnischen Grenze gefahren. Wir waren eine Woche unterwegs und diese Tour hat mich sehr beeindruckt. Selten habe ich in Deutschland eine Radreise mit so vielen und unterschiedlichen Eindrücken gemacht.

Das Positive war zum Einen die abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaft. Man kommt durch interessante Orte, fährt aber manchmal auch durch absolut einsame Gegenden mit herrlichen Ausblicken auf die Ostsee, sieht die wunderschöne Halbinsel Darß/Zingst und natürlich Usedom. Außerdem kann man interessante Besichtigungen machen wie z.B. Hitler-Deutschlands militärisches Raketen-Entwicklungszentrum Peenemünde oder viele kleine Museen.

Das Negative war in der Tat hauptsächlich das Übernachtungsproblem. Es war nicht nur schwer, Unterkünfte zu finden, sondern ich habe noch niemals irgendwo dermaßen unfreundliche Menschen erlebt wie einige Zimmervermieter in dieser Gegend. Wir haben mehrmals erlebt, dass uns wortlos die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, als wir sagten, dass wir nur eine Nacht bleiben wollen. Negativen Erfahrungen haben wir auch mit einem B+B-Betrieb gemacht.

Was ich dir empfehlen kann (ich weiß natürlich nicht, inwieweit meine Informationen noch aktuell sind): In Schwerin direkt am Marktplatz das Hotel 'Alter Schwede' oder Pension Cobi in Stralsund.

In Warnemünde war schwer, etwas zu bekommen. Dort gab es mehrere konkurierende Zimmervermittlungen. Schließlich landeten wir per Zi.vermittlung in einem alten Mehrfamilienwohnhaus im Dachgeschoss unter der Dachschräge, Dusche und WC auf dem Flur, zu einem ziemlich happigen Preis.
Auch auf Darß war die Suche sehr schwer. Es gab zwar überall Aushänge 'Zimmer frei', aber für nur eine Nacht nicht zu bekommen. Schließlich fragten wir bei einem privaten Zimmervermieter an, der uns auch zunächst nicht aufnehmen wollte, aber dann überlegte er es sich anders und wir konnten bei ihm übernachten. Aber dann war er sehr nett zu uns, später am Abend lud er uns sogar noch auf einen Kümmelschnaps ein, als er im Garten Fische räucherte. Übrigens gab es auf Darß ganz kleine Fisch-Lokale, wo man wunderbar essen konnte und die kaum größer als eine Wohnstube waren (hoffentlich trügt mich meine Erinnerung jetzt nicht).
In Freest mussten wir übernachten, da an dem Tag keine Fähre mehr nach Peenemünde ging. Auch dort war schwer eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Es gab aber einen Campingplatz, auf dem man auch Nur-Dach-Hütten mieten konnte. Aber die waren offenbar ziemlich alt, waren innen düster und rochen modrig. Als sich mein Kumpel aus sein Bett legte, brach es sofort unter ihm zusammen. Auch die sanitäre Ausstattung dort war nur rudimentär vorhanden und das alles zu einem gesalzenen Preis.

Eine ganz andere Erfahrung machten wir dann in Heringsdorf. Das ist ja ein ziemlich mondäner Ort und ich hatte die Befürchtung, dass wir dort kaum eine bezahlbare Unterkunft finden würden. Dann fragten wir aber doch in einem Haus nach, das private Zimmer anbot und zu unserer Überraschung bekamen wir ein Superzimmer, groß und modern mit Ledergarnitur und Kühlschrank zu einem ausgesprochen günstigen Preis und wurden sehr freundlich behandelt.
So kann man sich manchmal in seinen Erwartungen täuschen.

Noch ein kleiner Hinweis: die Strecke ist nicht ganz eben. Besonders auf Usedom war ich überrascht über die heftigen Steigungen.
Und das Wetter war bei unserer Tour sehr wechselhaft. Meistens war es schön, aber wir erlebten auch mehrere heftige Schauer und einen plötzlich einsetzenden orkanartigen Sturm, bei dem man sich kaum noch auf dem Rad halten konnte. Aber das war dann so schnell wieder vorbei wie es gekommen war und wir konnten uns meistens noch in Schutzhütten flüchten, die wir in der Gegend mehrfach gesehen hatten.

Gruß
Helmut