Posted by: buche
Re: Reisebericht Toskana - 04/15/07 12:14 PM
Ok, auf vielfachen Wunsch hier als normaler Text die ersten beiden Tage, Rest folgt später.
Hier sind die Links auf die aufgezeichneten Track-Daten, also ohne Bilder oder Annotationen:
http://www.ipd.uni-karlsruhe.de/~buchmann/TracksToskana.kmz
http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de...570801&om=1
Vorbereitungen
So gut wie keine.
Ich kaufe drei Tage vorher Fahrkarten von Karlsruhe nach Florenz und zurück -- übrigends auf den letzten Drücker. Da Ostern vor der Tür steht, sind die Züge voll. Der IC von Karlsruhe nach München ist schon ausgebucht, ich muss einen Umweg über Heidelberg nehmen. Mit BahnCard50 kostet der Spaß ca. 200 EUR. Weiterhin kaufe ich Kekse und Getränke, esse den Kühlschrank leer, stecke grob eine Route ab, die ich auf mein GPS lade, und suche mir ein paar Vokalben für 'ich möchte ein dasda' (vorrei una questa, por favore), 'kleines Zelt für eine Person und eine Nacht' (basso tenda, una persona, una notte), das wars.
Da ich mit einem umgebastelten MTB unterwegs bin, habe ich nur sehr wenig Packvolumen, das sich auf zwei Ortlieb Frontroller und einen Norwid-Packsack mit Rollverschluss aufteilt. Es kommen mit:
Das wars, mehr geht nicht rein. Am meisten schmerzt mich, dass ich mein gutes Fahrtenmesser zu Hause lassen muss. Aber es ist einfach nicht mehr vernünftig unterzubringen. Für lange Klamotten reichts auch nicht. Sobald die Sonne untergeht, werde ich in den Schlafsack müssen.
Tag 1
Ankunft

Am Karfreitag kurz nach 9 steige ich leicht angeschlagen aus dem Nachtzug München-Florenz. Vorausgegangen ist eine wenig erholsame Nacht. Notiz an mich: das nächste Mal *unbeding* einen Platz im Schlafabteil buchen. In einem normalen Abteil schläft man zu zweit ganz o.k.; zu dritt schwierig, und zu mehr als viert ist es die Hölle.
Der Fahrradtransport nach Florenz klappt wie am Schnürchen. Es gibt einen riesengroßen Packwagen, wo man sein Rad einfach reinstellt und irgendwo an den Haken an der Wand anschließt. Ein bisschen Sorgen machen die Lautsprecherdurchsagen, dass der Zug in Verona geteilt wird. Aber mein Rad und ich haben glücklicherweise Plätze in dem Zugteil, der nach Florenz durchfährt.
Der Florenzer Dom

Das erste Ziel eines jeden Florenz-Reisenden ist selbstverständlich der Dom. Mit vollem Gepäck und mit den italienischen Verhältnissen unvertraut ist es auf dem Rad reichlich anstrengend, da hinzugelangen. Letzendlich schiebe ich ein schönes Stückchen -- später fahre ich auch wie die Italiener ganz selbstverständlich falschrum durch Einbahnstraßen und Fußgängerzonen, aber am Anfang ist man als regelgewohnter Deutscher wohl zu vorsichtig.
Ple. Michelangelo

Die schönste Aussicht über Florenz hat man vom Michelangelo-Platz auf einem Hügel in der unmittelbaren Nähe eines Campingplatzes.
Man sieht über die Dächer der Stadt, erkennt die Domkuppel und den Turm des Palazzo Veccio. Im Hintergrund erheben sich die Berge von Fiesole. Das imposante Gebäude unten rechts ist die Bibliotheca Nazionale.
Aber ich bin müde, es ist warm und gerammelt voll von Touristen. Also sehe ich zu, dass ich aus der Stadt rauskomme, um etwas an die frische Luft zu kommen. Immerhin muss ich zur Rückfahrt sowieso wieder hier vorbei. Nach nur 2 Stunden bin ich aus Florenz raus.
Erste Vorläufer des Chianti-Landes

Nach einer Stunde Fahrt werden die Straßen leer, und ich fange endlich an, die Reise zu genießen. Das Chianti-Land ist genau so, wie man es von Fotos der Toskana her kennt: Ein bisschen wild und bergig, mit aus groben Steinen gemauerten und moosbedeckten Gebäuden, Weinbergen, Olivenhainen. Im Hintergrund sind die ersten schneebedeckten Berge der Alpe di Catenaia zu sehen, unten ist die Straße, die ich grade hinaufgeschnauft bin.

Die italienischen Rennradfahrer habe ich das letzte Mal unten im Tal gesehen. Die mögen wohl keine steilen Anstiege. Zumal, wenn es hier bergauf geht, dann immer gleich für 200 oder 300 Meter. Dafür sind sie superfreundlich. Einer ist mir sogar nachgefahren, als ich für ein kleines Geschäft in einen Waldweg abgebogen bin, um sich zu erkundigen, ob bei mir alles in Ordnung wäre.

Die Landschaft wird immer höher, steiler und wilder. Die Straße windet sich in zahllosen Serpentinen die Berge hinauf. Ich fahre nun schon ewig auf dem kleinsten Kettenblatt den Berg hinauf. Die Bergdörfer, die ich bisher gesehen habe, sind so klein, dass sie nicht mal Nebenstraßen haben. Am Straßenrand stehen die Männer, grillen, erzählen und trinken Bier. Bei mir fließt der Schweiß in Strömen. Aus den letzten Reisen weiß ich, dass es etwa zwei bis drei Tage dauert, dann bemerkt man das schwere Gepäck hinten auf dem Rad gar nicht mehr. Im Augenblick wünsche ich mir aber dringend mehr Kondition.
Tagesziel erreicht

Der Höhenmesser zeigt 750m auf dem Valico del Morellino-Pass, und ich freue mich, zufällig an einem Campingplatz vorbeizukommen. Insgesamt habe ich heute nur 60km, aber 1400 Höhenmeter geschafft und dazu 6:30 Stunden gebraucht -- nicht schlecht für 40 Stunden ohne Schlaf, aber nun falle ich wie tot ins Zelt. Hätte ich den Campingplatz nicht gefunden, hätte ich noch 20km weiterfahren müssen.
Auf demPlatz gibts die erste Überraschung: der Mini-Markt ist besser ausgestattet als manche Feinkostläden in Deutschland. Nur der Geiz hält mich davon ab, meine mitgebrachten Kekse allesamt wegzuwerfen.
Tag 2
Chianti-Land

Herrlich ausgeschlafen geht es in den neuen Tag. Die Landschaft ist herrlich, Muskelkater hab ich keinen, also beschließe ich, so lange wie möglich hier im Gebirge zu bleiben. Hab eigentlich gar keine Lust auf das in Siena zu erwartende Gedränge.
Im Herzen des Chianti-Landes findet man allerorten Weinberge und Weingüter, die mit ihren robusten Mauern aus grauem Fels eher wie Festungen aussehen. Die Luft ist angenehm mild. Seit Florenz sind mir noch keine anderen Radfahrer begegnet -- hier treffe ich die ersten (deutschen) Reiseradler, die wie ich mit Zelt und Gepäck unterwegs sind. Später lasse ich mir von Einheimischen erklären, dass praktisch alle Radreisenden, die mit Zelt und Schlafsack in Italien unterwegs sind, Deutsche sind :-)
Ich habe noch jede Menge Saft in den Beinen und erwarte (ein Irrtum!) flacheres Gelände bei Siena. Also beschließe ich einen Abstecher nach Castellina.
Castellina

In Castellina ist grade Markttag, und ich kaufe meine ersten frischen Lebensmittel. Birnen, Bananen, Brot und ein mit einer würzigen Hack-Masse gefülltes Huhn. Die Einheimischen verstehen mich zwar nicht, sind aber sehr nett. Mein Wechselgeld bekomme ich in Form von Naturalien zurück -- beim Obststand ein paar Mandarinen, beim Bräter gibts ein paar Kartoffelbällchen extra. Finde ich sympatisch, suche mir gleich eine Ecke hinter der Kirche, um die Neuerwerbungen zu vernichten.
Ausserdem begegne ich hier einem (natürlich ebenfalls deutschen) Reiseradlerpärchen mit Tandem. Frisch Gestärkt gehts wieder auf die Piste.

Dörfer am Wegesrand

Siena

Siena ist erreicht. Auf dem Bild die Piazza del Campo mit dem Palazzo Publico. Ich habe glücklicherweise vorher eine Route auf mein GPS geladen, die mich mit wenig Verkehr mitten in die Stadt führt. Die Stadt ist wirklich wunderschön -- allerdings auch wieder gerammelt voll von Touristen. Nach zwei Stunden bummeln will ich wieder aus der Stadt. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die italienische Verkehrsführung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Insbesondere verwirren mich die Kreisverkehre mit Abkürzungen für Leute, die wenden oder rechts abbiegen wollen. Bis man den dreh' raus hat, landet man öfter auf der falschen Ausfahrt oder fährt eine Ehrenrunde.
Der Dom in Siena

Tagesziel Sovicille
Das Tagesziel ist der Campingplatz in Sovicille. Glücklicherweise hab ich mich vorher schlau gemacht, dass der Campeggio in Siena noch nicht geöffnet hat. In Sovicille treffe ich zwei junge Reiseradler aus Kaiserslautern, die mit ihren Rennrädern unterwegs sind. Ich hätte nie gedacht, dass man ein Rennrad so hoch beladen kann. Die beiden haben für Sonntag und Ostermontag in Siena kräftig eingekauft, und haben mit dem Extra-Gewicht ganz schön zu kämpfen. Ich beschließe, die Nahrungsmittelbeschaffung einfach auf mich drauf zukommen zu lassen, und auf offene Läden in den größeren Städten zu hoffen.
Heute habe ich 96km in 8 Stunden geschafft (incl. Stadtbummel Siena), dabei waren 1600 Höhenmeter. Fühle mich richtig wohl.
Dummerweise fällt mir auf, dass ich ein paar Vokabeln vergessen habe. So weit abseits der Touristenströme sprechen die Einheimischen nur italienisch. Doch was heißt 'ich möchte was warmes zu Essen, egal was', und was heißt 'Butter'? Frischkäse unterm Honig ist nur bedingt lecker -- man muss schon fragen, um das richtige zu bekommen, draufzeigen reicht nicht :-)
Hier sind die Links auf die aufgezeichneten Track-Daten, also ohne Bilder oder Annotationen:
http://www.ipd.uni-karlsruhe.de/~buchmann/TracksToskana.kmz
http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de...570801&om=1
Vorbereitungen
So gut wie keine.
Ich kaufe drei Tage vorher Fahrkarten von Karlsruhe nach Florenz und zurück -- übrigends auf den letzten Drücker. Da Ostern vor der Tür steht, sind die Züge voll. Der IC von Karlsruhe nach München ist schon ausgebucht, ich muss einen Umweg über Heidelberg nehmen. Mit BahnCard50 kostet der Spaß ca. 200 EUR. Weiterhin kaufe ich Kekse und Getränke, esse den Kühlschrank leer, stecke grob eine Route ab, die ich auf mein GPS lade, und suche mir ein paar Vokalben für 'ich möchte ein dasda' (vorrei una questa, por favore), 'kleines Zelt für eine Person und eine Nacht' (basso tenda, una persona, una notte), das wars.
Da ich mit einem umgebastelten MTB unterwegs bin, habe ich nur sehr wenig Packvolumen, das sich auf zwei Ortlieb Frontroller und einen Norwid-Packsack mit Rollverschluss aufteilt. Es kommen mit:
- ein Black Bear Colorado, ein Baumwoll-Inlet, eine ThermaRest Ultralight
- ein Zelt Robens Summer Wind + Lappen zum allmorgendlichen Aufwischen des allfälligen Kondenswassers an eim Einhüllenzelt
- je zwei Paar Socken, Unterhosen, Unterhemden, eine zivile kurze Hose.
- kurzes und langes Radtrikot, kurze und lange Radhose, zwei Buffs.
- Löffel, Taschenmesser, GPS, Reiseführer, Ersatzbatterien, Taschentücher, Stift und Papier.
- 2 Schlösser, Multitool + Flickzeug fürs Fahrrad, Batterie-Lämpchen für vorn und hinten.
- Seiflappen, Duschgel, Zahnbürste, Zahnpasta, Hautcreme falls wunder Hintern, Sonnencreme.
- Pflaster, Zecken-Zange, Nagelschere.
Das wars, mehr geht nicht rein. Am meisten schmerzt mich, dass ich mein gutes Fahrtenmesser zu Hause lassen muss. Aber es ist einfach nicht mehr vernünftig unterzubringen. Für lange Klamotten reichts auch nicht. Sobald die Sonne untergeht, werde ich in den Schlafsack müssen.
Tag 1
Ankunft

Am Karfreitag kurz nach 9 steige ich leicht angeschlagen aus dem Nachtzug München-Florenz. Vorausgegangen ist eine wenig erholsame Nacht. Notiz an mich: das nächste Mal *unbeding* einen Platz im Schlafabteil buchen. In einem normalen Abteil schläft man zu zweit ganz o.k.; zu dritt schwierig, und zu mehr als viert ist es die Hölle.
Der Fahrradtransport nach Florenz klappt wie am Schnürchen. Es gibt einen riesengroßen Packwagen, wo man sein Rad einfach reinstellt und irgendwo an den Haken an der Wand anschließt. Ein bisschen Sorgen machen die Lautsprecherdurchsagen, dass der Zug in Verona geteilt wird. Aber mein Rad und ich haben glücklicherweise Plätze in dem Zugteil, der nach Florenz durchfährt.
Der Florenzer Dom

Das erste Ziel eines jeden Florenz-Reisenden ist selbstverständlich der Dom. Mit vollem Gepäck und mit den italienischen Verhältnissen unvertraut ist es auf dem Rad reichlich anstrengend, da hinzugelangen. Letzendlich schiebe ich ein schönes Stückchen -- später fahre ich auch wie die Italiener ganz selbstverständlich falschrum durch Einbahnstraßen und Fußgängerzonen, aber am Anfang ist man als regelgewohnter Deutscher wohl zu vorsichtig.
Ple. Michelangelo

Die schönste Aussicht über Florenz hat man vom Michelangelo-Platz auf einem Hügel in der unmittelbaren Nähe eines Campingplatzes.
Man sieht über die Dächer der Stadt, erkennt die Domkuppel und den Turm des Palazzo Veccio. Im Hintergrund erheben sich die Berge von Fiesole. Das imposante Gebäude unten rechts ist die Bibliotheca Nazionale.
Aber ich bin müde, es ist warm und gerammelt voll von Touristen. Also sehe ich zu, dass ich aus der Stadt rauskomme, um etwas an die frische Luft zu kommen. Immerhin muss ich zur Rückfahrt sowieso wieder hier vorbei. Nach nur 2 Stunden bin ich aus Florenz raus.
Erste Vorläufer des Chianti-Landes

Nach einer Stunde Fahrt werden die Straßen leer, und ich fange endlich an, die Reise zu genießen. Das Chianti-Land ist genau so, wie man es von Fotos der Toskana her kennt: Ein bisschen wild und bergig, mit aus groben Steinen gemauerten und moosbedeckten Gebäuden, Weinbergen, Olivenhainen. Im Hintergrund sind die ersten schneebedeckten Berge der Alpe di Catenaia zu sehen, unten ist die Straße, die ich grade hinaufgeschnauft bin.

Die italienischen Rennradfahrer habe ich das letzte Mal unten im Tal gesehen. Die mögen wohl keine steilen Anstiege. Zumal, wenn es hier bergauf geht, dann immer gleich für 200 oder 300 Meter. Dafür sind sie superfreundlich. Einer ist mir sogar nachgefahren, als ich für ein kleines Geschäft in einen Waldweg abgebogen bin, um sich zu erkundigen, ob bei mir alles in Ordnung wäre.

Die Landschaft wird immer höher, steiler und wilder. Die Straße windet sich in zahllosen Serpentinen die Berge hinauf. Ich fahre nun schon ewig auf dem kleinsten Kettenblatt den Berg hinauf. Die Bergdörfer, die ich bisher gesehen habe, sind so klein, dass sie nicht mal Nebenstraßen haben. Am Straßenrand stehen die Männer, grillen, erzählen und trinken Bier. Bei mir fließt der Schweiß in Strömen. Aus den letzten Reisen weiß ich, dass es etwa zwei bis drei Tage dauert, dann bemerkt man das schwere Gepäck hinten auf dem Rad gar nicht mehr. Im Augenblick wünsche ich mir aber dringend mehr Kondition.
Tagesziel erreicht

Der Höhenmesser zeigt 750m auf dem Valico del Morellino-Pass, und ich freue mich, zufällig an einem Campingplatz vorbeizukommen. Insgesamt habe ich heute nur 60km, aber 1400 Höhenmeter geschafft und dazu 6:30 Stunden gebraucht -- nicht schlecht für 40 Stunden ohne Schlaf, aber nun falle ich wie tot ins Zelt. Hätte ich den Campingplatz nicht gefunden, hätte ich noch 20km weiterfahren müssen.
Auf demPlatz gibts die erste Überraschung: der Mini-Markt ist besser ausgestattet als manche Feinkostläden in Deutschland. Nur der Geiz hält mich davon ab, meine mitgebrachten Kekse allesamt wegzuwerfen.
Tag 2
Chianti-Land

Herrlich ausgeschlafen geht es in den neuen Tag. Die Landschaft ist herrlich, Muskelkater hab ich keinen, also beschließe ich, so lange wie möglich hier im Gebirge zu bleiben. Hab eigentlich gar keine Lust auf das in Siena zu erwartende Gedränge.
Im Herzen des Chianti-Landes findet man allerorten Weinberge und Weingüter, die mit ihren robusten Mauern aus grauem Fels eher wie Festungen aussehen. Die Luft ist angenehm mild. Seit Florenz sind mir noch keine anderen Radfahrer begegnet -- hier treffe ich die ersten (deutschen) Reiseradler, die wie ich mit Zelt und Gepäck unterwegs sind. Später lasse ich mir von Einheimischen erklären, dass praktisch alle Radreisenden, die mit Zelt und Schlafsack in Italien unterwegs sind, Deutsche sind :-)
Ich habe noch jede Menge Saft in den Beinen und erwarte (ein Irrtum!) flacheres Gelände bei Siena. Also beschließe ich einen Abstecher nach Castellina.
Castellina

In Castellina ist grade Markttag, und ich kaufe meine ersten frischen Lebensmittel. Birnen, Bananen, Brot und ein mit einer würzigen Hack-Masse gefülltes Huhn. Die Einheimischen verstehen mich zwar nicht, sind aber sehr nett. Mein Wechselgeld bekomme ich in Form von Naturalien zurück -- beim Obststand ein paar Mandarinen, beim Bräter gibts ein paar Kartoffelbällchen extra. Finde ich sympatisch, suche mir gleich eine Ecke hinter der Kirche, um die Neuerwerbungen zu vernichten.
Ausserdem begegne ich hier einem (natürlich ebenfalls deutschen) Reiseradlerpärchen mit Tandem. Frisch Gestärkt gehts wieder auf die Piste.

Dörfer am Wegesrand

Siena

Siena ist erreicht. Auf dem Bild die Piazza del Campo mit dem Palazzo Publico. Ich habe glücklicherweise vorher eine Route auf mein GPS geladen, die mich mit wenig Verkehr mitten in die Stadt führt. Die Stadt ist wirklich wunderschön -- allerdings auch wieder gerammelt voll von Touristen. Nach zwei Stunden bummeln will ich wieder aus der Stadt. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die italienische Verkehrsführung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Insbesondere verwirren mich die Kreisverkehre mit Abkürzungen für Leute, die wenden oder rechts abbiegen wollen. Bis man den dreh' raus hat, landet man öfter auf der falschen Ausfahrt oder fährt eine Ehrenrunde.
Der Dom in Siena

Tagesziel Sovicille
Das Tagesziel ist der Campingplatz in Sovicille. Glücklicherweise hab ich mich vorher schlau gemacht, dass der Campeggio in Siena noch nicht geöffnet hat. In Sovicille treffe ich zwei junge Reiseradler aus Kaiserslautern, die mit ihren Rennrädern unterwegs sind. Ich hätte nie gedacht, dass man ein Rennrad so hoch beladen kann. Die beiden haben für Sonntag und Ostermontag in Siena kräftig eingekauft, und haben mit dem Extra-Gewicht ganz schön zu kämpfen. Ich beschließe, die Nahrungsmittelbeschaffung einfach auf mich drauf zukommen zu lassen, und auf offene Läden in den größeren Städten zu hoffen.
Heute habe ich 96km in 8 Stunden geschafft (incl. Stadtbummel Siena), dabei waren 1600 Höhenmeter. Fühle mich richtig wohl.
Dummerweise fällt mir auf, dass ich ein paar Vokabeln vergessen habe. So weit abseits der Touristenströme sprechen die Einheimischen nur italienisch. Doch was heißt 'ich möchte was warmes zu Essen, egal was', und was heißt 'Butter'? Frischkäse unterm Honig ist nur bedingt lecker -- man muss schon fragen, um das richtige zu bekommen, draufzeigen reicht nicht :-)