Posted by: derSammy
Re: Rumänien - Verbreitung wilder Hunde? - 12/16/23 08:21 PM
In Antwort auf: Juergen
In Antwort auf: Toxxi
Trotzdem würde ich ohne Tollwutschutzimpfung grundsätzlich keine Radreise machen. Einfach deshalb, weil Hunde und Radfahrer grundsätzlich keine Freunde werden und eine Tollwutinfektion zu 99,996% tödlich ist.
Risiko ist ja immer das Produkt aus Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit. Toxxi hat völlig recht, eine Infektion mit Tollwut will man auf gar keinen Fall. Andererseits kann man gegen Tollwut auch noch erfolgreich nach einem Biss impfen. Allerdings sollte man dabei nicht unnötig Zeit vertrödeln. Muss man wissen und in seine Entscheidungen einbeziehen. Aber in Europa ist das nächste Krankenhaus selten weiter als ein, zwei, drei Stunden entfernt - wenn man weiß, wie man reagieren muss (Notrufnummer, etc.).
Die WHO protokolliert sehr gut, wo es auf der Welt und in Europa Tollwutfälle gegeben hat, bei Fledermäusen, sonstigen Wildtieren, Haustieren und Menschen. Richtig ist, dass für Menschen die mit Abstand größte Gefahr von Hundebissen ausgeht, alles andere ist zumindest hier in Europa extrem exotisch und unter ganz, ganz seltenen Einzelfällen zu verbuchen. Aber als Radreisender fällt man da schon in die Hauptopfergruppe, vorausgesetzt Tollwut ist in der hiesigen Tierwelt überhaupt ein Thema.
Und da sind wir beim zwei Punkt, der Eintrittswahrscheinlichkeit. In Rumänien wurde die Tollwut übrigens deutlich zurückgedrängt. Leider anders als in den benachbarten Ländern Moldavien und Ukraine, von wo immer wieder Fälle nach Rumänien eingetragen werden. Für Rumänien halte ich eine Tollwutimpfung für Radtouristen daher schon für sehr überlegenswert. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr klein, aber eben nicht null.
Aber pauschal für ganz Europa? Nee. Gibt schon viele Länder, die (wie z.B. Deutschland) als tollwutfrei gelten. Kann man sich bei der WHO im Detail anschauen, sowohl als tabellarischer Datenbankauszug, als auch als Kartengrafik. Da sind alle Fälle erfasst. Eine hohe Dunkelziffer in diversen Ländern Afrikas oder Asiens ist dabei denkbar, aber sicher nicht für Europa, wo die Meldequote bei nahezu 100% liegen sollte.
Das Leben ist nun mal lebensgefährlich, eine 100%-Vollkasko-Sicherheit bekommt man nie. Gegen manche Risiken kann man sich absichern. Aber die Verhältnismäßigkeit muss passen. Und das größte Risiko für Radtouristen geht mit Abstand vom Straßenverkehr aus. Also wenn einem die Tollwutsache zu heikel ist, dann darf man konsequenterweise gar nicht erst losradeln. Oder sollte halt überlegen, was man diesbezüglich tun kann, um sein Risiko zu senken. Dinge wie ein Rückspiegel dürften da um Größenordnungen lebensverlängernder wirken als die Tollwutimpfung.

Und ohne Angst machen zu wollen, nebenwirkungsfrei ist keine Impfung. Auf die Schnelle habe ich gelesen, dass z.B. die nicht unumstrittenen Aluminiumsalze als Wirkverstärker eingesetzt werden. Wäre kein Argument für mich die Tollwutimpfung vor einer Reise in ein potentielles Tollwutgebiet nicht zu machen. Aber man muss sich auch nicht blind alles reinjagen, was medizinisch machbar ist.