Re: D114/D914 von Perpignan nach Cerbère?

Posted by: veloträumer

Re: D114/D914 von Perpignan nach Cerbère? - 03/17/15 02:02 PM

Der schönste Ort der Côte Vermeille ist zweifellos Collioure. Nicht umsonst hat der Ort zahllose Künstler angezogen und gilt als Wiege des Fauvismus. In der Hochsaison kann es auch voll werden, aber dabei auch viel Tagestourismus. Den Charme verliert der Ort aber nie. Als Abschluss einer Reise also auch sehr zu empfehlen. Es gibt wohl drei Campings, alle nördlich des Ortes, Zufahrt ab der Straße oberhalb, je nach Camping geht es bis zum Meer runter. Ich war kurz (Nachtankunft) auf Les Amandiers, der hat die kürzeste Zufahrt, Abzweig quasi direkt bei der kleinen Passhöhe, wo sich dann der Blick auf Colloiure öffnet. Der Platz ist sehr überschaubar, kleine separate Zeltwiese, sonst harter Boden. Strandzugang geht dann ein Pfad runter, ist aber nachts abgeschlossen. Vor Jahren war ich mal bei La Girelle unten am Meer, wollte da eigentlich nur als Tagesgast zum Meer, was aber wohl nicht ohne Gebühr ging und bin dann weiter. Dort sehr trubelig. Der edelste müsste der dritte Camping sein, mit Terassenblicken über das Meer.

Port Vendres ist eher der gepflegte Hafenort, etwas Yacht-Atmosphäre. Die Lokale sind übersichtlich angeordnet. Cerbère hat eher den spröden Charme mit dem Eisenbahnwagen, wohl ist der Weg zum Bahnhof hier am kürzesten. Ich finde persönlich Cerbère sehr ansprechend, eben weil das Überlaufene und Luxuriöse fehlt. Ideal ist der Ort, um noch vor der Rückfahrt ein Menü am Hafenstrand einzunehmen, auch ein Bad lässt sich im Meer noch schnell erledigen, ein (abgeschirmte) Dusche ist zudem vorhanden, sollte man nur kurz den Schweiß wegspülen wollen.

In Banyuls war ich auch auf dem Camping, ist schon länger her. Wie Axurit richtig erwähnte, im Rückraum, nicht am Meer. Banyuls ist größer als Port Vendres, aber ähnlich im Stil, vielleicht etwas weniger elegant, dafür betriebiger. Der Ort hat Hinterland, weil da ein Tal liegt, über das man nach Spanien gelangen kann. Dort ist auch der meiste Wein zu finden. Viele Wanderwege gehen da zu allen Seiten, darunter auch der Benjamin-Weg zum Rumpissa-Pass.

Portbou ist durch die anrückenden Berge zwangsweise kompakter und eigentlich auch recht charmant bis unauffällig. Nur der Bahnhof ist ein Monstrum - er entsprang dem faschistischen Größenwahn von Franco. Am besten machen sich die Bahnhöfe Cerbère und Portbou von oben, wo man die Gleisstränge schön überblicken kann (Portbou ist weniger gut zu sehen, weil Luftlinie weiter entfernt von den Passhöhen). Am span.-frz. Grenzübergang gibt es Infotafeln zum Flüchtlingsdrama der Republikaner, die von Franco verfolgt wurden (umgekehrt zum Flüchtlingsstrom der Nazi-Flüchtlingsopfer). Steht aber auch alles in meinen Berichten.

Argelès ist eigentlich nicht mehr Côte Vermeille, weil da bereits die flachen Sandstrände beginnen - keine Felsen mehr dahinter. Es gibt zwei Ortsteile und der Trubel spielt sich in A.-Plage ab, wo sich dann auch Camping an Camping reiht bzw. weiter Strand.