Re: Im März noch auf der Carretera Austral?

Posted by: indomex

Re: Im März noch auf der Carretera Austral? - 03/26/14 01:16 AM

Hallo Rad´n´Roller,
oh je, ich fürchte, da bin ich der Falsche, weil ich mir gleich am Anfang meinen Fahrradtacho stehlen ließ, keine Statistik mehr führen konnte und mich zunehmend damit angefreundet habe, ganz ohne diese Technik auszukommen; außerdem ist es meine erste Reise ohne Tagebuch (bzw. eines ohne tägliche Einträge, sondern nach innerem Bedürfnis).

Dennoch, es liegt noch nicht lange zurück, ich schreibe auf, wie ich es noch hinkriege. Zunächst: Ich bin per Bus raus nach Argentinien (wegen dort billigerer medizinischer Behandlung), später per Rad ab Los Antiguos/Chile Chico wieder rein, um dann weiter nach Süden (Cochrane, Villa O´Higgins) zu radeln.

Vorneweg:
Das war die falsche Richtung: heftige Gegenwinde (besonders dort, wo sich die Felswand an den See drängt und eine Art Windkanal entsteht) und das schwerste Teilstück gleich am ersten Tag. Wie Rennrädle bereits schrieb, ist es heftiges Gelände, kann ganz schön entmutigen. Habe es auch ziemlich unterschätzt – in 2 Tagen habe ich es nicht ganz geschafft. (Will aber bei mir nichts heißen, war ja ziemlich geschwächt.)

Wind:
Woran ich gar nicht gedacht hatte: Durch den heftigen (Gegen-)Wind hört man nichts. Trotz Spiegel bin ich mehrfach heftig erschrocken, als plötzlich ein Bus/LkW/Auto auf enger schottiger, kurviger Strecke überholte. Falls ihr von der Carretera nach Argentinien rausradeln wollt, ist das sicher die bessere Variante.

Straßenbelag:
Der ist sehr unterschiedlich: mal schlecht, mal ziemlich schlecht, mal katastrophal schlecht. Ganz stimmt das nicht, denn man ist dabei, das zu verbessern und mehrere Abschnitte sind bereits erstaunlich glatt in der Oberfläche. Schlimm sind die Baustellenbereiche (2, wenn ich mich richtig erinnere), weil dort Erdreich auf Schotter aufgetragen und dann plattgewalzt wird. Das ist so schon nicht schön, aber bei Regen...? Da es aber auch ziemliche Steigungen gibt, macht sich gerade dort der grobe Schotter nicht so toll... Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht. Und natürlich kommt einem der spärliche Verkehr genau dann um eine scharfe Ecke entgegen, wenn man sich gerade hochmüht und nicht gerade idealerweise rechts fährt... Der Asphalt beginnt erst auf dem Stadtgebiet von Chile Chico. - Insgesamt gibt es aber recht wenig Verkehr auf dieser Strecke, ist in der Hochsaison aber vielleicht anders.

Landschaftlich:
Einfach grandios, besonders (nach Osten fahrend), das dritte und vierte Fünftel der Strecke. Mit das Schönste, was ich dort gesehen habe.

Ich beschreibe von West nach Ost:

Übernachtungen:
- Campingplatz in Puerto Guadal direkt am See, Läden gibts dort auch.
- Malin Grande soll ebenfalls ein Hostal haben, weiß ich aber nur von anderen Radlern; wirkt als Ort sehr klein, kleiner Laden.
- Keine weiteren Campingplätze oder Hostales bis Chile Chico, falls ich mich richtig erinnere.
- Chile Chico: mehrere Hostals; bei Rausfahrt Richtung Argentinien auf der rechten Seite 3 Campingplätze
- Los Antiguos: Camping Municipal beim Rausfahren Richtung Osten, kurz vor Ortsausgang links (25 Pesos) (Nebenbemerkung: sehr schwaches Internet in Los Antiguos, stabile Leitung in Chile Chico)
- Zelten: Geht schon, mehrfach sogar. Habe aber in so einsamer Gegend nicht mit so vielen Zäunen gerechnet und stand vor dem Konflikt, diese „einfach“ zu übersteigen oder immer weiter zu fahren. Vom Gelände her gibt es immer wieder mal Flachstücke (meist in Tälern). An Stränden des Sees ist ebenfalls Freizelten möglich, sofern man Zugang findet (=> schwer, meist nur im ersten Drittel der Strecke möglich). Im Steilküstenabschnitt mal gut 30km ohne jede Möglichkeit.

Route:
- Ab der Carretera 122km; ca 10 km bis Puerto Guadal; zunächst kleine Abfahrt bis in Seenähe, dann 3-4 km Anstieg auf noch relativ gut geschotterter und erstaunlich breiter Straße, nach ca. 6 km erst recht flach und dann die Abfahrt in den Ort.
- Puerto Guadal bis Mallin Grande: zunächst kurzes flaches Stück, leider bereits hier mit Wellblech-Schotterbrocken-Charakteristik; die folgenden Anstiege in diesem Bereich sind kurz, aber dennoch heftig. In große Höhen kommt man nie, aber wo es flach ist, halten einen Schotter und Wellblech „in Bewegung“.
- Nach Mallin Grande größere Anstiege, kurze Talstrecken dazwischen, aber mindestens 80-85% sind entweder Auf oder Ab; Abfahrten wegen Schotter nur sehr langsam fahrbar. Straße wird immer schmäler. Anstiege teilweise sehr steil.
- Etwa ab der Hälfte dann rückt die Felswand immer näher an den See. Schwer zu fahren, aber atemberaubend schön, denn der Rückblick auf die Berge der Carretera Austral zeigt die vergletscherten Berge über dem See. Habe mich dumm und dämlich fotografiert und dabei (zu) viel Zeit verloren. Hier kommt auch der Abschnitt, auf dem ich mir ein Übernachten nicht vorstellen kann. Habe zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben Steinschlag im Orginal gesehen. Keine gigantische Brocken, aber dennoch sehr beeindruckend...
- Ca. 35-30 km vor Chile Chico weitet sich der See wieder, die Straße dreht nach halbrechts. Ab dort (bzw ab 3 km nach der Sicht-weitenden Halbrechts-Kurve wieder Zeltmöglichkeit (z.B. Nähe der Brücke), breitere Straße, weniger steile Anstiege, aber insgesamt geht es höher hinauf.
- Knapp 20 km vor Chile Chico im Bergbaubereich (schwere LKWs!) links ein intensiv türkisblau leuchtender See.
- Ab dort meist flach bis leicht abfallend allmählich nach Chile Chico (auf Bilderbuch-Wellblech!).

Da aus der Erinnerung und in Gegenrichtung beschrieben, keine Gewähr. Habe aber viel fotografiert; falls du Bilder sehen willst, schick mir per PN deine e-mail-Adresse, dann kann ich ein paar als Anhang schicken. Blog oder so habe ich nicht.