Mit rennradreifen und ähnlichen kenne ich mich auch nicht aus. Da wäre vielleicht der Sport-Contact in sachen pannenschutz eine empfehlung, aber das ist ein slick und daher keine empfehlung für das winterhalbjahr.
Naja, ein echter Rennradreifen ist der Sport-Contact ja nicht. Ich möchte 'mal eine Lanze für Reifen mit dünnen Seitenwänden brechen - denn daran, daß bei den meisten hier nur die Parameter "Pannenschutz" und "Laufleistung" erwähnt werden, sehe ich, daß die Parameter "Leichtlauf" und "Abrollkomfort" weitestgehend unbekannt sind.
Schwalbes Marketing-Abteilung hat hier gute Arbeit geleistet und es geschafft, eine Pannen-Paranoia als Standard-Lebensgefühl bei vielen Radfahreren zu installieren. Viele glauben wirklich, daß - sobald sie mit dem Rad das Haus verlassen - Steine und Scherben *von allen Seiten* auf ihre Reifen einstechen und daß nur ein Reifen vom Kaliber eines Schwalbe Marathon Plus es schafft, daß man ohne Plattfuß die fünf Kilometer zur Arbeit schafft.
Vor diesem Hintergrund ist es besonders peinlich, daß Schwalbe beim Versuch endlich 'mal einen leicht rollenden Reifen zu bauen (eben den Marathon Racer) das Ziel verfehlt und genau bei ihrer angeblichen Stärke, nämlich dem Pannenschutz, schwächelt.
Klar: wer seinen Weg zur Arbeit über grob geschotterte Waldwege fährt, für den ist solch ein fast ein Kilogramm schwerer Monsterreifen wie der Marathon Plus eine gute Wahl - nur wieviele Radfahrer haben einen solchen Arbeitsweg? Obwohl - selbst da behaupte ich, daß es auch anders geht. Auf dem Reiserad habe ich notgedrungen auch etliche ganz üble Schotterpassagen (wer die kennt: Kunkelspaß, Schweiz und Salwidili, Schweiz) mit einem Panaracer Pasela TG mit hauchdünner Seitenwand gefahren - etwas, das ja theoretisch überhaupt nicht gehen dürfte. Jemand schrieb einmal "Lieber auf einer Tour wenige Kilometer schieben als sich viele hundert Kilometer über einen schlecht laufenden Reifen ärgern" - so isses!
Also Leute, wenn ihr hauptsächlich auf Asphalt fahrt und einmal eine neue Erfahrung machen wollt, schmeißt doch mal eure Treckerreifen 'runter und probiert mal was anderes aus:
- Michelin Pro2Race 25 mm. Einer der am leichtesten rollenden Rennradreifen, auf einer Trekkingfelge ca. 28 mm breit. Damit bin ich auch schon ein paar geschotterte Wald- und Radwanderwege gefahren - kein Problem. (Bei mir seit 7.000 km pannenfrei.)
- Continental Ultra Gator Skin. Wer denn doch Angst vor bösen Steinchen an der Flanke hat: dieser hat eine Seitenwandverstärkung, die aber keine dicke und unflexible Karkasse zur Folge hat. Gibts in 23, 25 und 28 mm - fällt auf einer Rennradfelge etwas kleiner aus, auf einer Trekkingfelge dürften die Breitenangaben aber recht genau passen.
- Continantal Grand Prix 4 Season. Die edlere Version des Gator Skins. Die hochwertigere Karkasse macht ihn etwas elastischer. Er hat dieselbe Seitenwandverstärkung - diese wird übrigens in der Schlauchhreifenversion auch von etlichen Profis auf dem berüchtigten Kopfsteinpflasterrennen "Paris-Roubaix" gefahren. (Bei mir seit 8.000 km pannenfrei.)